Preußen Löwenkopfsäbel für einen Wachtmeister Kavallerie

Um 1870. An der Wurzel ca. 2.6 cm lange und 84.2 cm lange Steckrückenklinge mit Schör. Vergoldetes Messinggefäß mit Löwenkopf mit hinter dem Kopf gekreuzten Tatzen, fein ziseliert, leicht trapezförmige Parierstangenlappen, terzseitig mit gekreuzten Säbeln als Verzierung, Rochenhautgriff mit Drahtwicklung, die Drahtwicklung etwas aus der Form, die Rochenhaut etwas berieben, die Vergoldung leicht ermattet. Stahlscheide mit zwei Messing-Ringbändern und beweglichen Trageringen, die Oberfläche stärker flugrostig. Zustand 2-.

Gesamtlänge ca. 99.5 cm.
487291
900,00

Preußen Löwenkopfsäbel für einen Wachtmeister Kavallerie

Der preußische Löwenkopfsäbel für Wachtmeister der Kavallerie repräsentiert einen bedeutenden Typ militärischer Blankwaffen aus der Ära des Deutschen Kaiserreichs. Diese charakteristische Waffe entstand in einer Zeit tiefgreifender militärischer Reformen und nationaler Einigung unter preußischer Führung.

Nach den Einigungskriegen der 1860er Jahre, insbesondere dem Deutschen Krieg von 1866 und dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, erfolgte eine umfassende Standardisierung der militärischen Ausrüstung im neugegründeten Deutschen Reich. Der Löwenkopfsäbel war Teil dieser Uniformierungsbestrebungen und wurde gemäß den Allerhöchsten Kabinetts-Ordres eingeführt, die das Erscheinungsbild und die Bewaffnung der preußischen Streitkräfte regelten.

Die Bezeichnung Löwenkopfsäbel leitet sich vom charakteristischen Gefäßabschluss ab, der einen kunstvoll ziselierten Löwenkopf mit hinter dem Haupt gekreuzten Tatzen darstellt. Diese ikonographische Gestaltung war keineswegs zufällig gewählt. Der Löwe als heraldisches Symbol stand für Mut, Stärke und militärische Tugend – Eigenschaften, die von preußischen Kavalleristen erwartet wurden. Das vergoldete Messinggefäß zeugt von der Bedeutung dieser Waffe als Statusobjekt und Rangabzeichen.

Der Wachtmeister bekleidete in der preußischen Kavallerie eine wichtige Unteroffiziersposition. Als erfahrener Unteroffizier war er verantwortlich für die Ausbildung der Mannschaften, die Pflege der Ausrüstung und die Unterstützung der Offiziere bei der Truppenführung. Sein Säbel unterschied sich in Details von denen der einfachen Mannschaften und der Offiziere, was die streng hierarchische Struktur des preußischen Militärs widerspiegelte.

Die Steckrückenklinge mit einer Länge von etwa 84 Zentimetern repräsentiert den typischen preußischen Kavalleriebau dieser Epoche. Die Konstruktion mit dem charakteristischen Rücken erlaubte eine robuste, aber dennoch flexible Waffe, die sowohl für Hieb als auch eingeschränkt für den Stich geeignet war. Die Klingenlänge war präzise reglementiert und entsprach den militärischen Vorschriften der Zeit. Die Anwesenheit einer Schör (Hohlkehle) diente der Gewichtsreduzierung bei gleichzeitiger Beibehaltung der strukturellen Integrität der Klinge.

Der Rochenhautgriff (auch als Galuchat bekannt) mit Drahtwicklung war Standard bei hochwertigen Militärsäbeln. Die raue Oberfläche der Rochenhaut bot auch bei Feuchtigkeit oder mit behandschuhten Händen einen sicheren Halt. Die Drahtwicklung, meist aus Messing oder versilbertem Draht, verstärkte nicht nur die mechanische Festigkeit, sondern hatte auch dekorative Funktion.

Die Parierstange mit ihren leicht trapezförmigen Lappen und der terzseitigen Verzierung mit gekreuzten Säbeln zeigt die detaillierte Ornamentik, die preußische Militaria dieser Periode auszeichnete. Diese Verzierungen waren nicht nur ästhetisch, sondern dienten auch der Identifikation von Waffengattung und Rang auf einen Blick.

Die Stahlscheide mit zwei Messingringbändern und beweglichen Trageringen entsprach der praktischen militärischen Notwendigkeit. Die Trageringe ermöglichten die Befestigung an verschiedenen Tragesystemen, je nachdem ob der Säbel zu Pferd oder zu Fuß getragen wurde. Die Metallscheide bot besseren Schutz für die Klinge als Lederscheiden, war allerdings anfälliger für Witterungseinflüsse, was die Flugrostbildung erklärt.

Die Zeit um 1870 markiert eine Übergangsperiode in der Militärgeschichte. Obwohl Schusswaffen bereits dominierend waren, behielten Blankwaffen ihre symbolische und teilweise praktische Bedeutung, besonders in der Kavallerie. Der Säbel war Waffe, Rangabzeichen und Symbol militärischer Tradition zugleich. In den folgenden Jahrzehnten bis zum Ersten Weltkrieg blieb der Löwenkopfsäbel in verschiedenen Varianten im Gebrauch, wobei sich Design und Details entsprechend neuer Regulierungen leicht änderten.

Die handwerkliche Qualität solcher Säbel variierte je nach Hersteller. Bedeutende Zentren der Waffenproduktion waren Solingen im Rheinland, dessen Klingenschmiede weltweiten Ruf genossen, sowie königliche Manufakturen in Berlin und anderen preußischen Städten. Die Klingen wurden oft von Zulieferern bezogen und dann von spezialisierten Betrieben mit den vorgeschriebenen Gefäßen versehen.

Heute sind preußische Löwenkopfsäbel geschätzte Sammlerobjekte, die wichtige Zeugnisse preußisch-deutscher Militärgeschichte darstellen. Sie dokumentieren nicht nur militärtechnische Entwicklungen, sondern auch die Ästhetik, Hierarchie und Selbstdarstellung einer vergangenen militärischen Kultur. Der Erhaltungszustand solcher Stücke variiert erheblich, wobei originale Vergoldung, intakte Griffwicklung und gut erhaltene Klingen besonders geschätzt werden.