Schutzstaffel der NSDAP (SS)- Ehrendolch mit teilweise entfernter Röhm-Widmung .
Der SS-Ehrendolch gehört zu den bekanntesten und historisch bedeutsamsten Blankwaffen des nationalsozialistischen Deutschlands. Als zeremonielle Waffe der Schutzstaffel (SS) verkörperte er die elitäre Selbstdarstellung dieser Organisation und durchlief mehrere bedeutende Entwicklungsstufen, die eng mit der internen Machtpolitik des NS-Regimes verbunden waren.
Die Einführung des SS-Ehrendolches erfolgte im Dezember 1933 durch den Reichsführer-SS Heinrich Himmler. Die Waffe war ausschließlich Angehörigen der SS vorbehalten und sollte die besondere Stellung dieser Organisation innerhalb der NSDAP unterstreichen. Der Dolch zeichnete sich durch seine charakteristische schwarze Scheide, den schwarzen Griff mit eingelassenen SS-Runen und den vernickelten Beschlägen aus. Auf der Klinge befand sich die Devise “Meine Ehre heißt Treue”, die zum Leitmotiv der SS werden sollte.
Eine besondere historische Bedeutung erhielt der Dolch durch die Röhm-Widmung. Auf der Rückseite der Klinge war ursprünglich die Inschrift “In herzlicher Kameradschaft Ernst Röhm” eingraviert. Ernst Röhm war als Stabschef der SA eine der mächtigsten Figuren der NSDAP und stand der SS zunächst freundschaftlich gegenüber. Diese Widmung auf den SS-Dolchen symbolisierte die enge Verbindung zwischen SA und SS in den frühen Jahren des Regimes.
Die dramatische Wende ereignete sich während der Röhm-Affäre am 30. Juni 1934, auch bekannt als “Nacht der langen Messer”. In einer brutalen Säuberungsaktion ließ Hitler zahlreiche SA-Führer, darunter Röhm selbst, ermorden. Die SS unter Himmler spielte bei dieser Aktion eine zentrale Rolle und nutzte sie, um ihre Macht erheblich auszubauen. Nach Röhms Ermordung wurde seine Person zur Unperson erklärt.
Dies hatte unmittelbare Konsequenzen für die bereits ausgegebenen SS-Ehrendolche. Es erging der Befehl, die Röhm-Widmung von allen Klingen zu entfernen. Die Träger der Dolche mussten die Widmung entweder selbst entfernen oder entfernen lassen. Dies geschah auf verschiedene Weisen: Einige Besitzer ließen die Inschrift professionell ausschleifen, andere entfernten sie grob durch Abschleifen oder Überschleifen. Manche SS-Angehörige schickten ihre Dolche auch an die Hersteller zurück, wo die Entfernung fachgerecht vorgenommen wurde.
Das vorliegende Exemplar stammt von der renommierten Solinger Firma Gottlieb Hammesfahr, einem der autorisierten Hersteller von SS-Ehrendolchen. Die Firma Hammesfahr aus Solingen-Foche gehörte zu den traditionsreichen Klingenschmieden, die im Dritten Reich offizielle Aufträge erhielten. Die Klinge trägt das entsprechende Herstellerzeichen, was die Authentizität dokumentiert.
Das Parierstück weist den Stempel “II” auf, der für die Reichszeugmeisterei Dresden steht. Die Reichszeugmeisterei war für die Qualitätskontrolle und Abnahme von Ausrüstungsgegenständen der NSDAP-Gliederungen zuständig. Verschiedene Prüfstellen wurden mit römischen Ziffern gekennzeichnet, wobei “II” der Dienststelle Dresden zugeordnet war.
Der schwarze Griff des Dolches trägt die charakteristischen SS-Runen in einem rautenförmigen Feld. Diese doppelte Sigrune wurde zum Symbol der SS und war als solches auf allen Ausrüstungsgegenständern präsent. Der Adler am Knauf, der das Hakenkreuz in seinen Fängen hält, war ein weiteres zentrales Element des Dolches. Bei diesem Exemplar wurde der Adler vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt wiedereingesetzt, was auf Restaurierungs- oder Erhaltungsmaßnahmen hindeutet.
Die schwarze Scheide wurde nachlackiert, was bei erhaltenen Exemplaren nicht ungewöhnlich ist. Die originalen Lackierungen waren anfällig für Abnutzung und Beschädigungen, sodass viele Dolche im Laufe der Zeit restauriert wurden. Die beiliegende Dolchtragetasche diente dem Schutz und Transport der Waffe.
Nach 1934 wurden SS-Ehrendolche ohne die Röhm-Widmung hergestellt. Die heute erhaltenen Exemplare mit teilweise oder vollständig entfernter Widmung sind stumme Zeugen eines der brutalsten Machtkämpfe im NS-Regime. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität der Solinger Waffenschmieden, sondern auch die Mechanismen totalitärer Herrschaft, in der selbst Gegenstände der persönlichen Ausrüstung der politischen Säuberung unterworfen wurden.
Für die militärhistorische Forschung sind solche Objekte von erheblicher Bedeutung. Sie illustrieren die Selbstinszenierung der SS als Elite-Organisation und zeigen gleichzeitig die Auswirkungen interner Machtkämpfe auf die materielle Kultur des Nationalsozialismus. Die sorgfältige Dokumentation und wissenschaftliche Bearbeitung solcher Objekte trägt zum Verständnis der NS-Geschichte bei, ohne die Verbrechen des Regimes zu verharmlosen.