Württemberg Tschapka für Offiziere im Ulanen-Regiment König Karl (1. Württembergisches) Nr. 19

Standort Ulm, um 1910. Elegante Tschapka aus schwarzem Lackleder, komplett mit allen Beschlägen. Silbernes Wappenschild, goldene Schuppenketten an Durchsteckrosetten, rechts mit Reichskokarde. Rote Paraderabatte, württembergisches Feldzeichen und Paradebusch aus Büffelhaar, ohne Paradefangschnur. Innen mit hellbraunem Schweißleder und hellbeigen Seidenfutter. In der Glocke Etikett "Oekonomie Kunstinstitut für galvanische Erneuerung ... Berlin ..". Größe 55. Schön erhalten. Zustand 2.
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5.200,00

Württemberg Tschapka für Offiziere im Ulanen-Regiment König Karl (1. Württembergisches) Nr. 19

Die Tschapka des Ulanen-Regiments König Karl (1. Württembergisches) Nr. 19 stellt eine der charakteristischsten Kopfbedeckungen der deutschen Kavallerie im Kaiserreich dar. Diese elegante Offiziers-Kopfbedeckung aus der Zeit um 1910 verkörpert die stolze Tradition der württembergischen Ulanen und die militärische Prachtentfaltung der späten Wilhelminischen Ära.

Das Ulanen-Regiment Nr. 19 wurde 1866 nach dem Deutschen Krieg als königlich württembergisches Regiment aufgestellt und erhielt seinen Ehrennamen nach König Karl I. von Württemberg (1823-1891), der von 1864 bis zu seinem Tod regierte. Das Regiment war in Ulm stationiert, einer Stadt von großer strategischer Bedeutung in Süddeutschland. Die Ulanen, ursprünglich eine aus Polen stammende leichte Kavalleriegattung, wurden im 18. und 19. Jahrhundert in fast allen europäischen Armeen eingeführt und zeichneten sich durch ihre charakteristische Bewaffnung mit Lanze und ihre unverwechselbare Kopfbedeckung aus.

Die Tschapka (auch Czapka oder Schapka geschrieben) hat ihre Wurzeln in der polnischen Kavallerie des 18. Jahrhunderts. Der Name leitet sich vom polnischen Wort “czapka” ab, was schlicht “Mütze” bedeutet. Diese kastenförmige Kopfbedeckung mit ihrem charakteristischen quadratischen Deckel wurde zum Erkennungszeichen aller Ulanenregimenter in der preußischen und in den Kontingentarmeen des Deutschen Kaiserreichs. Die württembergische Variante folgte dabei weitgehend den preußischen Vorschriften, wies aber eigenständige königlich-württembergische Elemente auf.

Die hier beschriebene Offiziers-Tschapka aus schwarzem Lackleder entspricht den Vorschriften für die Adjustierung württembergischer Ulanenoffiziere um 1910. Das silberne Wappenschild auf der Vorderseite zeigte typischerweise das württembergische Staatswappen mit den drei übereinander angeordneten Hirschstangen. Die goldenen Schuppenketten, die über Durchsteckrosetten befestigt waren, dienten ursprünglich als Kinnketten, wurden in der Paradeuniform jedoch meist hochgeklappt getragen. Die Reichskokarde auf der rechten Seite in den Farben Schwarz-Weiß-Rot symbolisierte die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich, während die württembergische Kokarde die Landeszugehörigkeit anzeigte.

Die rote Paraderabatte – der stoffbezogene obere Rand der Tschapka – war charakteristisch für das Regiment Nr. 19. Die Farbe Rot als Waffenfarbe war allen württembergischen Kavallerieregimentern eigen. Das württembergische Feldzeichen, ein metallenes Emblem am vorderen Teil der Tschapka, und der Paradebusch aus Büffelhaar vervollständigten die prachtvolle Erscheinung dieser Kopfbedeckung bei Paraden und feierlichen Anlässen. Der hohe, wallende Busch aus schwarzem oder weißem Haar verlieh dem Träger eine imposante Erscheinung und unterstrich den repräsentativen Charakter dieser Uniform.

Das Innenfutter mit hellbraunem Schweißleder und hellbeigem Seidenfutter zeugt von der hochwertigen Verarbeitung dieser Offiziers-Kopfbedeckung. Das Etikett des “Oekonomie Kunstinstitut für galvanische Erneuerung” aus Berlin weist darauf hin, dass die Metallbeschläge nachträglich galvanisch behandelt wurden – ein übliches Verfahren zur Auffrischung und Erhaltung der Vergoldung und Versilberung. Dies belegt, dass diese Tschapka über Jahre hinweg getragen und gepflegt wurde.

Die angegebene Größe 55 entspricht einem Kopfumfang von etwa 55 Zentimetern und war eine gängige Größe für Offiziere dieser Zeit. Die Herstellung solcher Tschapkas erfolgte durch spezialisierte Militäreffektenhändler und Hoflieferanten, die nach strengen Vorschriften der württembergischen Armee-Adjustierungsvorschriften arbeiteten.

Das Regiment Nr. 19 nahm am Ersten Weltkrieg teil und kämpfte an verschiedenen Fronten. Nach der deutschen Niederlage 1918 und der Auflösung der Monarchien wurde das Regiment im Zuge der Demobilisierung aufgelöst. Die Tschapka als Kopfbedeckung verschwand mit dem Ende des Kaiserreichs aus dem aktiven Militärdienst, lebt aber als Symbol der kaiserlichen Kavallerie in Sammlungen und historischen Darstellungen fort.

Heute sind gut erhaltene Exemplare wie diese Tschapka wichtige Zeugnisse der Militärgeschichte des Königreichs Württemberg und des Deutschen Kaiserreichs. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Kunstfertigkeit der damaligen Zeit, sondern auch die militärische Kultur, die gesellschaftliche Bedeutung des Offizierskorps und die Prachtentfaltung der Armeen vor dem Ersten Weltkrieg.