Preußen Kragen für Offiziere der Feldartillerie Regimenter

um 1910. Hoher eleganter schwarzer Stehkragen mit roten Vorstößen. Leicht getragen, Zustand 2+.
Der Kragen wurde auch in Sachsen, Württemberg, Baden, Bayern etc. getragen.
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80,00

Preußen Kragen für Offiziere der Feldartillerie Regimenter

Der Offiziers-Stehkragen der Feldartillerie aus der Zeit um 1910 repräsentiert ein charakteristisches Element der preußischen und deutschen Uniformtradition im späten Kaiserreich. Dieser hohe, elegante schwarze Stehkragen mit roten Vorstößen war ein wesentlicher Bestandteil der Felduniform und Paradeuniform der Artillerieoffiziere und symbolisierte sowohl Rang als auch Waffengattungszugehörigkeit.

Die preußische Armee hatte seit dem 18. Jahrhundert ein ausgeklügeltes System der Uniformgestaltung entwickelt, bei dem Farben und Besätze präzise Auskunft über Regiment, Waffengattung und Dienstgrad gaben. Der schwarze Grundton des Kragens war typisch für die Feldartillerie, während die roten Vorstöße – die Einfassungen und Paspelierungen – die Waffenfarbe der Artillerie kennzeichneten. Diese Farbkombination wurde bereits in der Kabinettsorder vom 30. Dezember 1843 festgelegt und blieb mit geringen Modifikationen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs bestehen.

Um 1910 befand sich das Deutsche Kaiserreich auf dem Höhepunkt seiner militärischen Macht. Die Feldartillerie spielte eine zentrale Rolle in der deutschen Militärdoktrin, die auf schnelle Mobilisierung und offensive Operationen ausgerichtet war. Die Uniformvorschriften dieser Zeit spiegelten sowohl praktische Erwägungen als auch den Wunsch nach repräsentativer Erscheinung wider. Der hohe Stehkragen, der aus der militärischen Mode des 19. Jahrhunderts stammte, zwang den Träger zu einer aufrechten Haltung und vermittelte militärische Strenge und Disziplin.

Bemerkenswert ist, dass dieser Kragentyp nicht nur in Preußen, sondern auch in den anderen deutschen Bundesstaaten getragen wurde. Die erwähnten Königreiche Sachsen, Württemberg, Bayern sowie das Großherzogtum Baden hatten zwar jeweils eigene Kontingente mit teilweise unterschiedlichen Uniformtraditionen, übernahmen aber für die Feldartillerie weitgehend die preußischen Standards. Dies war Ausdruck der zunehmenden Vereinheitlichung der deutschen Streitkräfte unter preußischer Führung seit der Reichsgründung 1871.

Die Herstellung solcher Offizierskragen war aufwendig und teuer. Offiziere mussten ihre Uniformen selbst beschaffen, was erhebliche finanzielle Mittel erforderte. Der Kragen wurde aus hochwertigem Tuch gefertigt, die Vorstöße sorgfältig appliziert und vernäht. Die Qualität der Verarbeitung war ein Zeichen des sozialen Status und der Zugehörigkeit zur Offizierskaste, die im Kaiserreich eine privilegierte gesellschaftliche Stellung innehatte.

Die Adjustierungsvorschriften des preußischen Kriegsministeriums regelten minutiös jeden Aspekt der Uniformgestaltung. Die Höhe des Kragens, die Breite der Vorstöße, die genauen Farbtöne – alles war präzise festgelegt. Diese Standardisierung diente nicht nur der Einheitlichkeit, sondern auch der schnellen Erkennbarkeit von Rang und Funktion auf dem Schlachtfeld und bei Paraden.

Im Kontext der Vorkriegszeit symbolisiert dieser Kragen auch die Ära der “Glanzzeit” der deutschen Artillerie. Die deutschen Feldgeschütze, insbesondere die 7,7-cm-Feldkanone 96 n.A., galten als technisch fortschrittlich. Die Artillerieoffiziere genossen hohes Ansehen und wurden als technische Elite der Armee betrachtet, was sich auch in der sorgfältigen Gestaltung ihrer Uniform widerspiegelte.

Der leicht getragene Zustand dieses Exemplars deutet darauf hin, dass es tatsächlich im Dienst verwendet wurde, möglicherweise bei Übungen, Manövern oder Garnisonsdienst. Die Zeit um 1910 war geprägt von intensiven militärischen Vorbereitungen und Aufrüstung, die schließlich in den Ersten Weltkrieg mündeten.

Mit Ausbruch des Krieges 1914 erwiesen sich die traditionellen Uniformen als unpraktisch für die moderne Kriegsführung. Die auffälligen Farben und die steife, unbequeme Kleidung wurden schrittweise durch feldgraue, funktionale Uniformen ersetzt. Der hohe Stehkragen verschwand zugunsten praktischerer Lösungen. Dennoch blieben solche Uniformteile für Paraden und besondere Anlässe teilweise in Gebrauch.

Heute sind solche Offizierskragen bedeutende militärhistorische Zeugnisse, die Einblick in die Uniformkultur, soziale Hierarchien und militärische Traditionen des Kaiserreichs geben. Sie dokumentieren eine Epoche, in der Militär und Gesellschaft eng verflochten waren und in der die Uniform nicht nur praktische Funktion hatte, sondern auch gesellschaftliche Stellung und nationale Identität zum Ausdruck brachte.