Preußen Mitgliedsabzeichen am Kreuz " Militärverein Kameradschaft Gross Lichterfelde " 

ohne Band, Zustand 2.
487092
40,00

Preußen Mitgliedsabzeichen am Kreuz " Militärverein Kameradschaft Gross Lichterfelde " 

Das vorliegende Mitgliedsabzeichen des Militärvereins Kameradschaft Groß Lichterfelde repräsentiert einen wichtigen Aspekt der preußischen und deutschen Militärkultur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Dieses Abzeichen in Kreuzform ohne Band dokumentiert die bedeutende Tradition der Kriegervereine und Militärkameradschaften, die nach den deutschen Einigungskriegen eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Leben des Deutschen Kaiserreichs spielten.

Groß Lichterfelde, heute ein Ortsteil im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf, besaß eine besondere militärische Bedeutung in der preußischen Geschichte. Hier befand sich seit 1873 die Hauptkadettenanstalt, die bedeutendste Ausbildungsstätte für preußische Offiziersanwärter. Diese Institution prägte den Charakter des Ortes nachhaltig und machte Groß Lichterfelde zu einem Zentrum militärischer Tradition. Die Anwesenheit zahlreicher aktiver und ehemaliger Soldaten führte zur Gründung verschiedener Militärvereine und Kameradschaften.

Die Militärvereine entwickelten sich im 19. Jahrhundert zu einer wichtigen gesellschaftlichen Institution. Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon (1813-1815) entstanden erste Veteranenvereinigungen, die jedoch zunächst mit staatlichem Misstrauen betrachtet wurden. Erst nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und besonders nach dem Deutschen Krieg 1866 und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 erlebten diese Vereinigungen einen massiven Aufschwung. Der Kyffhäuserbund, 1900 als Dachverband gegründet, vereinte schließlich Millionen von Mitgliedern in tausenden Ortsvereinen.

Die Mitgliedsabzeichen dieser Vereine dienten mehreren Zwecken: Sie waren Erkennungszeichen der Zugehörigkeit, Symbol der Kameradschaft und des gemeinsamen Dienstes für König und Vaterland, sowie Ausdruck lokaler Identität. Die Kreuzform des vorliegenden Abzeichens knüpft an die preußische Tradition des Eisernen Kreuzes an, das 1813 von König Friedrich Wilhelm III. gestiftet wurde und zum Symbol preußischer Tapferkeit und Pflichterfüllung avancierte.

Typischerweise wurden solche Abzeichen bei offiziellen Anlässen, Vereinstreffen, Paraden und patriotischen Feiern getragen. Sie waren meist aus Metall gefertigt, oft versilbert oder vergoldet, und zeigten Inschriften mit dem Namen der Kameradschaft, häufig ergänzt durch patriotische Symbole wie die preußische Krone, das Eiserne Kreuz oder lokale Wappen. Das Fehlen des Bandes beim vorliegenden Stück ist charakteristisch für viele erhaltene Exemplare, da die textilen Bänder der Abnützung und dem Verfall stärker ausgesetzt waren als die metallenen Abzeichen selbst.

Die Militärkameradschaften hatten neben ihrer gesellschaftlichen auch eine politische Dimension. Sie pflegten das Andenken an die gemeinsamen Kriegserlebnisse, unterstützten Veteranen und deren Familien, organisierten Gedenkfeiern für gefallene Kameraden und förderten die Wehrhaftigkeit und den Patriotismus in der Bevölkerung. In der wilhelminischen Ära waren sie Träger einer stark monarchisch und national geprägten Weltanschauung.

Die rechtliche Grundlage für diese Vereine bildete das preußische Vereinsrecht. Die Vereine mussten sich registrieren lassen und Satzungen vorlegen. Das Tragen von Abzeichen und Uniformteilen bei Veranstaltungen war genau geregelt und bedurfte oft der behördlichen Genehmigung. Die preußische Regierung förderte diese Vereine aktiv, da sie als stabilisierende Elemente der Gesellschaft und als Reserve patriotischer Gesinnung galten.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 erlebten die Militärvereine eine Transformation. Während der Weimarer Republik existierten sie weiter, mussten sich aber an die veränderten politischen Verhältnisse anpassen. Der Versailler Vertrag schränkte zwar die militärischen Möglichkeiten Deutschlands massiv ein, die Veteranenvereine blieben jedoch bestehen und wurden teilweise zu Sammelbecken republikfeindlicher Stimmungen.

Im Nationalsozialismus wurden die traditionellen Militärvereine gleichgeschaltet und verloren ihre Eigenständigkeit. Nach 1945 wurden sie in der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR verboten, während sie in Westdeutschland in veränderter Form als Traditionsverbände wieder entstehen konnten.

Für Sammler und Historiker sind solche Mitgliedsabzeichen heute wichtige Quellen zur Erforschung der lokalen Militärgeschichte und des gesellschaftlichen Lebens im Deutschen Kaiserreich. Sie dokumentieren die enge Verflechtung von Militär und Zivilgesellschaft, die für Preußen und das Kaiserreich charakteristisch war. Die Zustandsbezeichnung 2 weist auf eine gute Erhaltung mit leichten Gebrauchsspuren hin, was typisch für Stücke ist, die regelmäßig getragen wurden.

Das Abzeichen aus Groß Lichterfelde ist somit nicht nur ein militärhistorisches Sammlerstück, sondern auch ein Zeugnis einer Epoche, in der militärische Werte und Kameradschaft einen zentralen Platz in der deutschen Gesellschaft einnahmen.

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