Baden Schirmmütze für Offiziere im 3. Badischen Dragoner Regiment Prinz Karl Nr. 22

Standort Mühlhausen i.E., um 1910. Hohe Tellerform, mittelblaues Tuch mit schwarzem Samt-Mützenbund und roten Vorstößen, mit beiden Kokarden, innen helles Schweißleder und beinfarbenes Seidenfutter, Größe 55. Mit leichten Trage- und Alterungsspuren, Zustand 2.
321593
500,00

Baden Schirmmütze für Offiziere im 3. Badischen Dragoner Regiment Prinz Karl Nr. 22

Die Schirmmütze für Offiziere des 3. Badischen Dragoner-Regiments Prinz Karl Nr. 22 repräsentiert ein bedeutendes Beispiel der militärischen Kopfbedeckungen des Großherzogtums Baden in der späten Kaiserzeit. Dieses um 1910 gefertigte Stück verkörpert die distinguierte Tradition der badischen Kavallerie und die spezifischen Uniformvorschriften, die das Regiment auszeichneten.

Das 3. Badische Dragoner-Regiment Nr. 22 trug den Ehrennamen “Prinz Karl” zu Ehren des Prinzen Karl von Baden (1786-1818), einem bedeutenden Mitglied des badischen Fürstenhauses. Das Regiment war in Mühlhausen im Elsass stationiert, einer strategisch wichtigen Garnisonsstadt im Reichsland Elsaß-Lothringen. Die Stationierung im Elsass unterstrich die militärische Bedeutung dieser Region für das Deutsche Kaiserreich nach 1871.

Die charakteristische hohe Tellerform dieser Schirmmütze entsprach den Uniformvorschriften für Kavallerieoffiziere der Kaiserzeit. Das mittelblaue Tuch war die traditionelle Waffenfarbe der badischen Armee und unterschied sich damit deutlich von den preußischen Uniformfarben. Diese Farbgebung symbolisierte die eigenständige militärische Tradition der süddeutschen Bundesstaaten innerhalb des Deutschen Reiches, die trotz der zunehmenden Vereinheitlichung ihre regionalen Besonderheiten bewahren durften.

Der schwarze Samtmützenband mit roten Vorstößen war ein charakteristisches Merkmal der Dragonerregimenter. Die rote Farbe als Vorstoß war die spezifische Abzeichenfarbe (Distinktionsfarbe) des Regiments Nr. 22 und ermöglichte die Identifikation der Regimentszugehörigkeit auf den ersten Blick. Diese farblichen Kodierungen waren im deutschen Militärwesen streng geregelt und folgten präzisen Vorschriften, die in den Uniformreglementen festgelegt waren.

Die beiden Kokarden an der Mütze hatten eine wichtige symbolische Bedeutung. Die Reichskokarde in Schwarz-Weiß-Rot repräsentierte die Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich, während die Landeskokarde in den badischen Farben Rot-Gelb die Loyalität zum Großherzogtum Baden demonstrierte. Diese doppelte Kokardierung war typisch für die Armeen der deutschen Bundesstaaten und spiegelte die föderale Struktur des Kaiserreichs wider.

Die innere Ausstattung mit hellem Schweißleder und beinfarbenem Seidenfutter belegt den hohen Qualitätsstandard, der bei Offiziersuniformen erwartet wurde. Offiziere mussten ihre Uniformen und Ausrüstungsgegenstände selbst beschaffen, was zu einer deutlich höheren Verarbeitungsqualität führte als bei der Mannschaftsausstattung. Die Verwendung von Seide als Futterstoff war ein typisches Merkmal von Offizierskopfbedeckungen und unterstrich den Status des Trägers.

Die Größe 55 entspricht einem Kopfumfang von etwa 55 Zentimetern und war eine gebräuchliche Größe für Offiziersmützen. Die standardisierte Größenangabe erleichterte die Anfertigung und den Vertrieb dieser Kopfbedeckungen durch spezialisierte Militäreffektenhändler.

Um 1910, der geschätzten Entstehungszeit dieser Schirmmütze, befand sich das Deutsche Kaiserreich in einer Phase intensiver militärischer Aufrüstung und Modernisierung. Die Armee wurde kontinuierlich vergrößert, und die Uniformvorschriften wurden mehrfach überarbeitet. Das 3. Badische Dragoner-Regiment Nr. 22 war Teil der Kavallerie, die trotz der zunehmenden Bedeutung moderner Waffentechnologie noch immer als prestigeträchtige Waffengattung galt.

Die Dragoner nahmen eine besondere Stellung innerhalb der Kavallerie ein. Ursprünglich als berittene Infanterie konzipiert, hatten sie sich im 19. Jahrhundert zu einer mittleren Kavalleriegattung entwickelt, die sowohl für den berittenen Kampf als auch für das Gefecht zu Fuß ausgebildet war. Die badischen Dragonerregimenter hatten eine lange Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte.

Die Stationierung in Mühlhausen im Elsass verband das Regiment mit einer Region, die für das Deutsche Reich von besonderer Bedeutung war. Das Elsass war nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zum Reichsland geworden und wurde stark militärisch geprägt. Die Präsenz badischer Truppen in dieser Region unterstrich die Integration des Elsass in das Reich und die Rolle der süddeutschen Bundesstaaten in der Reichsverteidigung.

Diese Schirmmütze wurde nur wenige Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs gefertigt. Das Regiment sollte 1914 in den Krieg ziehen und an verschiedenen Fronten eingesetzt werden. Die Zeit um 1910 markierte somit die letzte Friedensperiode der alten Ordnung, in der solche prächtigen Uniformstücke noch in traditioneller Form getragen wurden. Der Krieg würde die militärische Kleidung revolutionieren und zu praktischeren, weniger auffälligen Uniformen führen.

Heute stellt eine solche Offiziersschirmmütze ein wichtiges kulturhistorisches Zeugnis dar. Sie dokumentiert nicht nur die militärische Mode und die Handwerkskunst der Kaiserzeit, sondern auch die komplexe föderale Struktur des Deutschen Reichs, die regionalen Traditionen und die soziale Hierarchie innerhalb des Militärs. Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wertvolle Einblicke in die materielle Kultur und die militärische Organisation der Vorkriegszeit.