Bayern 1. Weltkrieg feldgraue Schirmmütze für einen Offizier im 3. Chevaulegers-Regiment Herzog Karl Theodor

Heimatstandort Dieuze in Lothringen. Eigentumsstück um 1916. Weiche Sattel-, bzw. Knautschform. Feines, feldgraues Tuch aus Seide, rosa Mützenbund und Paspelierung, komplett mit beiden Kokarden in Offiziersausführung, schwarz lackierter Schirm. Braunes Schweißband, beiges Seidenfutter. Größe ca. 54. Zustand 2.
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1.350,00

Bayern 1. Weltkrieg feldgraue Schirmmütze für einen Offizier im 3. Chevaulegers-Regiment Herzog Karl Theodor

Die feldgraue Schirmmütze für Offiziere des 3. Chevaulegers-Regiments "Herzog Karl Theodor" repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der bayerischen Militärgeschichte während des Ersten Weltkriegs. Dieses Regiment, mit seinem Heimatstandort in Dieuze in Lothringen, war Teil der stolzen Kavallerie-Tradition des Königreichs Bayern und erlebte die dramatischen Veränderungen der Kriegsführung zwischen 1914 und 1918.

Das 3. Chevaulegers-Regiment wurde bereits im 18. Jahrhundert gegründet und trug den Ehrennamen nach Herzog Karl Theodor von Bayern (1839-1909), einem Mitglied der Wittelsbacher-Dynastie und bedeutenden Augenarzt. Das Regiment war traditionell in Dieuze stationiert, einer Stadt in Lothringen, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zum Deutschen Reich gehörte. Die Chevaulegers bildeten die leichte Kavallerie der bayerischen Armee und unterschieden sich in Ausrüstung und Aufgaben von den schweren Kürassier-Regimentern.

Die beschriebene Mütze stammt aus der Zeit um 1916 und zeigt charakteristische Merkmale der Kriegsausrüstung dieser Periode. Zu Kriegsbeginn 1914 trugen bayerische Kavallerieoffiziere noch traditionelle, farbenfrohe Uniformen, doch die Realität des modernen Krieges erzwang schnell Anpassungen. Die feldgraue Uniform wurde eingeführt, um bessere Tarnung im Gelände zu gewährleisten – eine schmerzhafte Abkehr von jahrhundertealten militärischen Traditionen, aber eine überlebenswichtige Notwendigkeit angesichts der Präzision moderner Gewehre und Maschinengewehre.

Die vorliegende Mütze in weicher Sattel- oder Knautschform entspricht den praktischen Anforderungen des Felddienstes. Anders als die steifen Parademützen der Vorkriegszeit konnten diese weichen Mützen zusammengefaltet und verstaut werden, was für Offiziere im aktiven Dienst von großem Vorteil war. Das feine feldgraue Tuch aus Seide deutet auf eine hochwertige Offiziers-Anfertigung hin, wahrscheinlich von einem privaten Schneider oder Hoflieferanten gefertigt, da Offiziere ihre Uniformen selbst beschaffen mussten.

Der rosa Mützenbund und die rosa Paspelierung sind von besonderer historischer Bedeutung. In der bayerischen Armee kennzeichnete die Farbe Rosa (manchmal auch als Pink oder Hellrot beschrieben) die Waffengattung der Chevaulegersregimenter. Jede Truppengattung hatte ihre eigene Waffenfarbe: Infanterie trug verschiedene Farben je nach Regiment, Artillerie trug Rot, und die Chevaulegers eben Rosa. Diese Waffenfarben wurden an Kragen, Ärmelaufschlägen und eben auch am Mützenbund getragen und ermöglichten eine schnelle Identifikation der Truppenzugehörigkeit.

Die beiden Kokarden in Offiziersausführung sind besonders aussagekräftig. Bayerische Offiziere trugen auf ihren Mützen zwei Kokarden: die bayerische Kokarde in den blau-weißen Rautenfarben des Königreichs Bayern und die Reichskokarde in Schwarz-Weiß-Rot, den Farben des Deutschen Kaiserreichs. Die Offiziersausführung unterschied sich von der Mannschaftsausführung durch feinere Verarbeitung, oft mit Metallumrandung oder aufwändigerer Stickerei. Diese doppelte Kokarde symbolisierte die besondere Stellung Bayerns im Deutschen Reich – ein eigenständiges Königreich mit eigener Armee, aber dennoch Teil des Reichsheeres.

Der schwarz lackierte Schirm war Standard bei Offiziersschirmmützen und diente sowohl praktischen als auch ästhetischen Zwecken. Das braune Schweißband und das beige Seidenfutter zeugen von der Qualität dieser Kopfbedeckung und dem Komfort, den man Offizieren auch unter Feldbedingungen zu bieten versuchte.

Das Jahr 1916, die datierte Entstehungszeit dieser Mütze, war für das 3. Chevaulegers-Regiment und die gesamte deutsche Kavallerie eine Zeit des Umbruchs. Die Rolle der Kavallerie hatte sich dramatisch verändert. Die anfänglichen Hoffnungen auf mobile Kriegsführung und Kavallerie-Attacken waren an der Westfront längst der Realität des Stellungskrieges gewichen. Viele Kavalleristen kämpften abgesessen als Infanterie in den Schützengräben oder wurden für Aufklärungsmissionen eingesetzt. An der Ostfront behielt die Kavallerie etwas mehr von ihrer traditionellen Rolle, doch auch dort schwand ihre Bedeutung zusehends.

Die Größe 54 entspricht einem Kopfumfang von etwa 54 Zentimetern und war eine gängige Größe für Erwachsene. Die Erhaltung solcher Kopfbedeckungen über mehr als ein Jahrhundert ist bemerkenswert und macht sie zu wertvollen historischen Dokumenten. Sie erzählen nicht nur von militärischer Organisation und Rangordnung, sondern auch von Handwerkskunst, Materialbeschaffung unter Kriegsbedingungen und der schrittweisen Modernisierung traditioneller Armeen.

Diese Schirmmütze steht symbolisch für den Übergang vom farbenprächtigen Militärwesen des 19. Jahrhunderts zur nüchternen, funktionalen Kriegsführung des 20. Jahrhunderts – ein stummer Zeuge einer Epoche, in der jahrhundertealte Traditionen der industrialisierten Kriegsführung weichen mussten.

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