Fallschirmjägertreuekette der 1. Fallschirmjäger-Division

Silbernes Medaillon mit der Darstellung des Fallschirmschützenabzeichens, rückseitig Motto "Treue um Treue" und Herstellermarke des Juweliers in Mailand "800", komplett mit dem silbernen Halskettchen, Zustand 2.
Als Dank für die Rettung der Kunstschätze des Klosters Monte Cassino, bevor dieses von den Amerikanern bombardiert wurde, überreichte der Abt Gregorio Diamare der 1. Fallschirmjäger-Division u.a. eine kleine Silberspende. Aus dieser entstanden die Treueketten.
Anbei eine Fotokopie einer Verleihungsurkunde, mit Unterschrift "Schulz, Oberst und Divisionsführer Div.-Gef.-Stand".
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1.650,00

Fallschirmjägertreuekette der 1. Fallschirmjäger-Division

Die Fallschirmjägertreuekette der 1. Fallschirmjäger-Division stellt eines der bemerkenswertesten und symbolträchtigsten Erinnerungsstücke des Zweiten Weltkriegs dar. Diese silbernen Medaillons mit Halskette entstanden unter außergewöhnlichen Umständen im italienischen Kriegsschauplatz und verbinden militärische Tradition mit einem einzigartigen Akt kultureller Rettung.

Historischer Kontext: Monte Cassino 1944

Im Februar 1944 befand sich die 1. Fallschirmjäger-Division unter dem Kommando von Generalleutnant Richard Heidrich in der Region um das historische Benediktinerkloster Monte Cassino. Das auf einem strategisch wichtigen Berg gelegene Kloster, gegründet im Jahr 529 durch den heiligen Benedikt von Nursia, beherbergte unschätzbare Kunstschätze, religiöse Reliquien und eine der bedeutendsten Bibliotheken Europas.

Als sich abzeichnete, dass das Kloster in die Kampfhandlungen geraten würde, veranlasste die deutsche Wehrmacht eine bemerkenswerte Rettungsaktion. Unter der Aufsicht von Offizieren der 1. Fallschirmjäger-Division wurden zwischen Oktober 1943 und Februar 1944 unzählige Kunstwerke, Manuskripte und Reliquien in Sicherheit gebracht. Diese Operation erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Abt Gregorio Diamare, dem damaligen Abt des Klosters, der bereits seit 1909 im Amt war.

Am 15. Februar 1944 wurde Monte Cassino durch alliierte Bomber vollständig zerstört – eine Entscheidung, die bis heute kontrovers diskutiert wird. Die Rettung der Kunstschätze erwies sich damit als weitblickende Maßnahme von unschätzbarem kulturhistorischem Wert.

Die Silberspende und die Treueketten

Als Zeichen seines Dankes für die Rettung der Klosterschätze überreichte Abt Diamare der 1. Fallschirmjäger-Division eine Silberspende. Aus diesem kirchlichen Silber ließen Offiziere der Division in Mailand die sogenannten Treueketten anfertigen. Diese Medaillons trugen auf der Vorderseite das Fallschirmschützenabzeichen – den charakteristischen Sturzadler mit gespreizten Schwingen und Eichenlaubkranz, der seit 1936 das Abzeichen der deutschen Fallschirmjäger darstellte.

Die Rückseite der Medaillons zeigte das Motto “Treue um Treue”, das die gegenseitige Verpflichtung zwischen Kameraden und Einheit symbolisierte. Dieses Motto war tief in der Tradition der Fallschirmtruppe verwurzelt und spiegelte den besonderen Korpsgeist dieser Elite-Einheit wider. Die Herstellung erfolgte durch einen Juwelier in Mailand, erkennbar an der Punzierung “800”, die den Silbergehalt von 800/1000 anzeigte – ein in Italien gebräuchlicher Standard für Silberwaren.

Verleihung und Bedeutung

Die Treueketten wurden an ausgewählte Angehörige der Division verliehen, die sich besonders ausgezeichnet hatten oder an der Rettungsaktion beteiligt waren. Die Verleihung erfolgte offiziell durch den Divisionsstab, wie aus erhaltenen Verleihungsurkunden hervorgeht. Diese wurden von Oberst Schulz als Divisionsführer unterzeichnet, der nach der Verwundung von Generalleutnant Heidrich zeitweise das Kommando führte.

Im Gegensatz zu offiziellen Ordensauszeichnungen des Dritten Reiches handelte es sich bei den Treueketten um Divisions-Ehrenzeichen – eine Kategorie militärischer Auszeichnungen, die von einzelnen Einheiten gestiftet und verliehen wurden. Solche Ehrenzeichen hatten eine lange Tradition in deutschen Streitkräften und dienten der Stärkung des Korpsgeistes und der Anerkennung besonderer Verdienste innerhalb der jeweiligen Einheit.

Die 1. Fallschirmjäger-Division

Die 1. Fallschirmjäger-Division war eine der elitärsten Einheiten der deutschen Wehrmacht. Gegründet 1943 aus verschiedenen Fallschirmjäger-Regimentern, kämpfte sie mit besonderer Härte in Italien. Nach der Zerstörung von Monte Cassino waren Angehörige der Division maßgeblich an den erbitterten Kämpfen um die Klosterruinen beteiligt, die sich über Monate hinzogen und zu den verlustreichsten Gefechten des Italienfeldzugs gehörten.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute zählen die Fallschirmjägertreueketten zu den seltensten und begehrtesten Sammlerstücken militärischer Auszeichnungen des Zweiten Weltkriegs. Ihre Bedeutung liegt nicht nur in ihrer Seltenheit – es wurden nur wenige hundert Exemplare hergestellt – sondern vor allem in der außergewöhnlichen Geschichte ihrer Entstehung. Sie dokumentieren einen bemerkenswerten Moment, in dem militärische Pflicht und kulturelle Verantwortung zusammentrafen.

Die Medaillons sind materielle Zeugnisse einer komplexen historischen Episode, die Fragen nach Krieg, Kultur, Verantwortung und Dankbarkeit aufwirft. Sie erinnern daran, dass selbst in den dunkelsten Zeiten menschlicher Konflikte vereinzelt Handlungen zum Schutz des kulturellen Erbes stattfanden – wenn auch im Kontext eines verbrecherischen Krieges.

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