Diese bemerkenswerte Ordensschnalle mit sechs Auszeichnungen dokumentiert den außergewöhnlichen Übergang eines hannöverschen Offiziers vom Dienst für das Königreich Hannover in die preußische Armee während der turbulenten Jahre der deutschen Einigungskriege. Major Carl Gade, geboren am 1. Juni 1825 in Garlstorf und gestorben am 4. September 1884 in Einbeck, verkörpert die Schicksale jener Soldaten, die zwei Monarchien dienten und deren Karrieren die dramatische Neuordnung Deutschlands widerspiegeln.
Gade begann seinen Militärdienst im 3. Hannoverschen Infanterie-Regiment, wo er bis 1866 diente. Seine hannöverschen Auszeichnungen zeugen von einer langen und treuen Dienstzeit: Das Wilhelms-Kreuz für Offiziere für 25 Jahre wurde ihm am 3. Juni 1866 in Hannover verliehen, nachdem dieses Ehrenzeichen am 2. März 1837 von König Wilhelm IV. für 25 Jahre treuen und untadeligen Dienst gestiftet worden war. Kriegsjahre wurden dabei doppelt angerechnet.
Die dramatischsten Momente seiner hannöverschen Karriere manifestieren sich in der Langensalza-Medaille 1866, die mit der persönlichen Randgravur “C. Gade” versehen ist. Diese Auszeichnung wurde am 27. Juni 1866 von König Georg V. gestiftet für alle, die in der Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866 tapfer, wenn auch erfolglos kämpften. Es war die letzte Schlacht der hannöverschen Armee. Obwohl die Hannoveraner in der Schlacht selbst siegreich waren, kapitulierten sie zwei Tage später, am 29. Juni 1866. Etwa 16.000 dieser Medaillen wurden verliehen.
Besonders bedeutsam ist der Ernst-August-Orden Ritterkreuz 1. Klasse, gefertigt aus Gold und beidseitig fein emailliert. Dieser Orden wurde am 15. Dezember 1865 von König Georg V. gestiftet und für Verdienste um den Staat, hervorragende bürgerliche Tugenden, Verdienste in Künsten und Wissenschaften oder persönliche Anerkennung durch den König verliehen. Gades Verleihungsurkunde trägt das bemerkenswerte Datum des 21. September 1866 – nur einen Tag nach der formellen Annexion Hannovers durch Preußen am 20. September 1866. Von dieser ersten Klasse des Ritterkreuzes wurden nur etwa 200 Exemplare verliehen, was ihre Seltenheit unterstreicht.
Nach der Annexion Hannovers wurden ehemalige hannöversche Soldaten 1867 in die preußische Armee eingegliedert. Gade setzte seinen Dienst im 3. Oberschlesischen Infanterie-Regiment Nr. 62 fort und nahm am Deutsch-Französischen Krieg 1870-71 teil. Während dieses Krieges war er dem kombinierten Oberschlesischen Landwehr-Regiment No. 22/62 kommandiert. Für seine Tapferkeit erhielt er das Eiserne Kreuz 1870 2. Klasse, das von König Wilhelm I. am 19. Juli 1870 erneuert worden war. Die Verleihungsurkunde wurde in Berlin am 19. Januar 1873 ausgestellt. Von dieser Auszeichnung wurden über 40.000 Exemplare verliehen.
Die Kriegsdenkmünze 1870/71 für Kämpfer, gestiftet am 20. Mai 1871 von Kaiser Wilhelm I., wurde ihm am 20. Mai 1871 in Breslau verliehen. Dieses verliehene Exemplar aus Geschützbronze trägt die Randgravur “Aus erobertem Geschuetz”, hergestellt aus erbeuteten französischen Kanonen. Über 1,1 Millionen dieser Bronzemedaillen wurden an Soldaten ausgegeben, die vor dem 2. März 1871 die französische Grenze überschritten hatten oder an Schlachten und Belagerungen teilgenommen hatten.
Das preußische Dienstauszeichnungskreuz für Offiziere für 25 Jahre, am 18. Juni 1825 von König Friedrich Wilhelm III. gestiftet, wurde Gade noch als Hauptmann am 7. Juni 1869 in Berlin verliehen. Die Ordensschnalle zeigt auch die komplexe Regelung der Trageordnung nach der preußischen Übernahme: Ein Portraitfoto von Major Gade aus dem Jahr 1872, das sich im Stadtmuseum Einbeck befindet, zeigt die Orden ursprünglich in “falscher” Reihenfolge, mit den hannöverschen Orden noch vor der preußischen Dienstauszeichnung. Die Ordensschnalle wurde später der Vorschrift entsprechend umgeändert, wobei die Auszeichnungen des ehemaligen Königreichs Hannover nach hinten kamen. Preußen erkannte die Langensalza-Medaille durch Kabinettsorder im März 1867 an, wodurch hannöversche Soldaten im preußischen Dienst sie weiter tragen durften.
Diese Ordensschnalle mit ihren vollständig erhaltenen Urkunden stellt einen außergewöhnlich seltenen und vollständigen Nachlass eines hannöverschen Offiziers dar, der zwei Epochen deutscher Militärgeschichte durchlebte.