Kriegsmarine Entfernungsmesser 34 auf 1 Meter Basis

Entfernungsmesser schiffsgrau lackiert, Herstellermarkierung "Carl Zeiss Jena" und "1 Rf Vergr. 7,8x Nr. 218 Lattenabstand 1650 cm". Optik leicht fleckig. Mit beschädigter Sichtschutzkappe.
Anbei mit Akku und Kabel für den Entfernungsmesser, mit Markierung "Zum 1 Rf Nr. 218", Akku ohne Batterie, Kabel wurde entfernt und liegt lose bei.
Transportkiste mit original Lackierung, mit Typenschild "Zum 1 Rf Nr. 218", 2 Schlüssel zum verschließen der Kiste. Innen mit Marine-Abnahmestempel, Herstellermarkierung "Carl Zeiss Jena" und Inhaltsverzeichnis. Mit 1 Schlüssel. Beschläge korrodiert, der rechte Verschlusshaken ist abgebrochen. In der Transportkiste ist zusätzlich der Höhenhebel, das Putztuch, 5 Glühlampen, 2 Wetterstutzen, 2 Farbgläser und Justierplatte 1 m vorhanden.

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Kriegsmarine Entfernungsmesser 34 auf 1 Meter Basis

Der Entfernungsmesser 34 auf 1 Meter Basis (abgekürzt 1 m Rf) repräsentiert einen wichtigen Bestandteil der optischen Feuerleittechnik der deutschen Kriegsmarine während des Zweiten Weltkriegs. Diese präzisen Instrumente von Carl Zeiss Jena, einem der weltweit führenden Hersteller optischer Militärausrüstung, waren unverzichtbar für die Zielerfassung und Schussberechnung an Bord deutscher Kriegsschiffe.

Technische Entwicklung und Spezifikationen

Die Bezeichnung “Entfernungsmesser 34” verweist auf das Einführungsjahr oder die Konstruktionsperiode Mitte der 1930er Jahre, als die deutsche Marine ihre Aufrüstung intensivierte. Die 1-Meter-Basis bezeichnet die Distanz zwischen den beiden optischen Objektiven des stereoskopischen Entfernungsmessers. Diese Basislänge stellte einen Kompromiss dar zwischen Genauigkeit, Gewicht und Einsetzbarkeit auf kleineren Plattformen. Während größere Kriegsschiffe mit Entfernungsmessern auf 3-, 4- oder sogar 10-Meter-Basis ausgestattet wurden, fanden die kompakteren 1-Meter-Geräte hauptsächlich Verwendung auf Schnellbooten, U-Booten, Zerstörern und als sekundäre Feuerleitgeräte auf größeren Einheiten.

Die angegebene Vergrößerung von 7,8-fach war charakteristisch für diese Geräteklasse und bot einen ausgewogenen Kompromiss zwischen Bildvergrößerung und Sehfeld. Der Lattenabstand von 1650 cm ist eine messtechnische Spezifikation, die für die Kalibrierung und Justierung des Instruments entscheidend war.

Funktionsprinzip und Einsatz

Der stereoskopische Entfernungsmesser funktionierte nach dem Koinzidenzprinzip. Zwei im Abstand der Basislänge angeordnete Objektive erfassten dasselbe Ziel aus leicht unterschiedlichen Winkeln. Durch Überlagerung der beiden Bilder mittels eines komplexen Prismensystems und Justierung bis zur Deckung (Koinzidenz) der Teilbilder konnte der Beobachter die Entfernung trigonometrisch bestimmen. Die Genauigkeit war direkt proportional zur Basislänge – ein 1-Meter-Gerät konnte unter optimalen Bedingungen Ziele bis etwa 10.000 Meter mit ausreichender Präzision erfassen.

Die schiffsgraue Lackierung entsprach den Marinefarbvorschriften und diente der Tarnung sowie dem Korrosionsschutz in der salzigen Meeresumgebung. Die elektrische Beleuchtung des Messinstruments mittels Glühlampen und Akkumulator ermöglichte den Einsatz bei Dämmerung und Nacht, was für nächtliche Gefechtshandlungen von großer Bedeutung war.

Carl Zeiss Jena und die deutsche Marinetechnik

Das Unternehmen Carl Zeiss in Jena hatte seit dem Kaiserreich eine führende Rolle in der Entwicklung und Produktion optischer Militärgeräte inne. Die Marine-Entfernungsmesser von Zeiss galten als Weltspitze und wurden sogar von anderen Nationen lizenziert oder nachgebaut. Die Fertigungsqualität und Präzision der Zeiss-Optiken waren legendär, was sich in der aufwendigen Konstruktion mit präzise geschliffenen Linsen und Prismen, hochwertigen Mechaniken und sorgfältiger Einzelfertigung manifestierte.

Zubehör und Wartung

Die beschriebene Ausstattung mit Transportkiste, Justierplatte, Putztuch, Ersatzglühlampen, Wetterstutzen und Farbgläsern entspricht der standardmäßigen Auslieferung dieser Präzisionsinstrumente. Die Justierplatte war essentiell für die regelmäßige Überprüfung und Nachjustierung des Geräts, die aufgrund von Erschütterungen durch Schiffsvibrationen und Geschützfeuer notwendig wurde. Die Wetterstutzen schützten die empfindliche Optik vor Gischt und Regen. Farbgläser dienten als Filter für verschiedene Sichtverhältnisse und zur Reduktion von Blendung durch Sonnenlicht oder Mündungsfeuer.

Der Höhenhebel ermöglichte die Höhenrichtung des Instruments, was besonders bei Luftzielen oder in bewegter See wichtig war. Die Sichtschutzkappe verhinderte Lichteintritt und schützte die Optik bei Nichtgebrauch.

Marine-Abnahmestempel und Authentizität

Der erwähnte Marine-Abnahmestempel in der Kiste dokumentiert die offizielle Abnahme durch die Kriegsmarine nach erfolgter Qualitätsprüfung. Diese Stempel, meist bestehend aus dem Reichsadler mit Hakenkreuz und dem Buchstaben “M” für Marine sowie Prüfnummern, sind wichtige Authentizitätsmerkmale für Sammler und Historiker. Die durchgängige Nummerierung aller Komponenten mit “Zum 1 Rf Nr. 218” belegt die systematische Verwaltung und Zuordnung der Ausrüstung.

Historischer Kontext und Bedeutung

Diese Entfernungsmesser waren aktive Teilnehmer der Seekriegsführung von 1939 bis 1945. Sie wurden in zahllosen Gefechten eingesetzt, von den frühen Handelskriegsoperationen über die Atlantikschlacht bis zu den letzten Verteidigungskämpfen in der Ostsee. Mit dem Kriegsende und der weitgehenden Vernichtung der deutschen Flotte wurden viele dieser Präzisionsinstrumente zerstört, erbeutet oder verschrottet. Überlebende Exemplare in komplettem Zustand mit Original-Transportkiste und vollständigem Zubehör sind heute selten und von erheblichem sammlungshistorischem Wert.

Die technologische Entwicklung machte diese optischen Entfernungsmesser ab den 1950er Jahren durch Radar-Systeme weitgehend obsolet, doch sie bleiben eindrucksvolle Zeugnisse der hochentwickelten feinmechanisch-optischen Industrie des Dritten Reichs und der Bedeutung, die präzise Zielerfassung in der Seekriegsführung hatte.