Reuß Silberne Verdienstmedaille mit Schwertern 1909-1918

Silber, am alten Band. 
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200,00

Reuß Silberne Verdienstmedaille mit Schwertern 1909-1918

Die Silberne Verdienstmedaille mit Schwertern des Fürstlich Reußischen Ehrenkreuzes repräsentiert die niedrigste Klasse eines bedeutenden Ordenssystems der ehemaligen deutschen Fürstentümer Reuß jüngere Linie und Reuß ältere Linie in Thüringen. Diese Auszeichnung dokumentiert die komplexe Entwicklung eines fürstlichen Ehrensystems im Deutschen Kaiserreich zwischen 1869 und 1918.

Das Fürstlich Reußische Ehrenkreuz wurde ursprünglich am 24. Mai 1869 von Fürst Heinrich XIV. für das Fürstentum Reuß jüngere Linie mit Hauptstadt Gera gegründet. Das Ordenssystem expandierte im Laufe der Zeit erheblich: 1869 umfasste es drei Klassen, 1885 wurden vier Klassen plus die Silberne Verdienstmedaille als fünfte Klasse eingeführt. Im Jahr 1897 kam die Goldene Verdienstmedaille hinzu, die über der Silbernen rangierte. Eine entscheidende Erweiterung erfolgte 1902, als die Auszeichnung auf das gesamte Fürstentum Reuß ausgedehnt wurde und beide Linien umfasste.

Diese Ausdehnung auf beide Fürstentümer hatte einen konkreten politischen Hintergrund: Fürst Heinrich XIV. von Reuß jüngere Linie übernahm 1902 die Regentschaft über Reuß ältere Linie mit Hauptstadt Greiz, nachdem Fürst Heinrich XXIV. der älteren Linie aufgrund geistiger Behinderung regierungsunfähig geworden war. Mit dieser Regentschaftsübernahme wurde die Verwaltung beider Fürstentümer vereinheitlicht, und das Ehrenkreuz wurde zum Hausorden für das gesamte Fürstentum Reuß. Im Zuge dieser Neuordnung wurde auch die Vorderseite der Medaille neu gestaltet, wodurch das Zweite Modell (1902-1918) entstand, das für beide Reußische Linien gültig war und sich vom Ersten Modell (1885-1902) durch das veränderte Avers unterschied.

Im Jahr 1909 erfolgte eine weitere wichtige Strukturierung: Es wurden sechs Klassen etabliert, wobei das Offizierskreuz und die 4. Klasse hinzugefügt wurden. Zudem konnte eine Krone als besondere Steigerung verliehen werden, die 15 Millimeter hoch und vergoldet war. Am 28. Mai 1909 führte Erbprinz Heinrich XXVII. die Schwerter für Kriegsverdienste ein. Diese Schwerter wurden zwischen Medaille und Aufhängering angebracht und kennzeichneten die Verleihung für Verdienste im Kriege.

Die Medaille selbst wurde aus Silber gefertigt und wog ungefähr 18 Gramm. Sie hatte eine runde Form und wurde an einem amarantroten Band von etwa 35 Millimetern Breite getragen. Die Vorderseite zeigte die Inschrift FÜR VERDIENST innerhalb eines Eichenlaubkranzes, während die Rückseite das Monogramm H für Heinrich als Stifter trug, gekrönt von einer Fürstenkrone. Die Befestigung erfolgte über einen Aufhängering und eine Öse. Die Medaille wurde auf der linken Brustseite oder im Knopfloch getragen.

Die Verleihungskriterien umfassten besonders treue Dienste und die Anerkennung herausragender Leistungen. Das Fürstlich Reußische Ehrenkreuz konnte sowohl an deutsche Staatsangehörige als auch an Ausländer verliehen werden. Die Schwertervariante, die ab 1909 verfügbar war, wurde spezifisch für militärische Verdienste im Krieg vergeben. Die meisten Verleihungen mit Schwertern erfolgten während des Ersten Weltkriegs (1914-1918).

Beide Fürstentümer Reuß waren Mitgliedsstaaten des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918). Mit der Deutschen Revolution vom November 1918 endete die monarchische Herrschaft: Fürst Heinrich XXVII. dankte am 10. November 1918 ab, und die Verleihung der Auszeichnung wurde eingestellt. Die Fürstentümer Reuß wurden aufgelöst und 1919 zum Volksstaat Reuß vereinigt, der später im Land Thüringen aufging. Die Auszeichnung bleibt ein historisches Sammlerstück, das das Ehrensystem der ehemaligen deutschen Fürstentümer dokumentiert.