Aus der Fundgrube:

Achselschnur nach 1945
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5,00

Aus der Fundgrube:

Die Achselschnur (auch Schulterschnur oder Fangschnur genannt) stellt ein traditionelles militärisches Distinktionsmerkmal dar, das über Jahrhunderte hinweg in verschiedenen Armeen weltweit Verwendung fand. Das hier vorliegende Exemplar aus der Zeit nach 1945 repräsentiert eine Epoche grundlegender Neuordnung der deutschen Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945 wurden sämtliche deutschen Streitkräfte aufgelöst. Die Wehrmacht, Waffen-SS und alle anderen militärischen Verbände hörten auf zu existieren. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt, und jegliche militärische Tradition schien zunächst beendet. Erst mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 und der zunehmenden Spannung des Kalten Krieges begann die schrittweise Remilitarisierung beider deutscher Staaten.

In der Bundesrepublik Deutschland führte dies zur Aufstellung der Bundeswehr im Jahr 1955, während in der Deutschen Demokratischen Republik bereits 1956 die Nationale Volksarmee (NVA) gegründet wurde. Beide Streitkräfte standen vor der Herausforderung, einerseits an preußisch-deutsche Militärtraditionen anzuknüpfen, andererseits aber eine klare Abgrenzung zur Wehrmacht-Vergangenheit zu schaffen.

Die Achselschnur als Tragelement hatte ihre Wurzeln im 18. und 19. Jahrhundert, als sie ursprünglich eine praktische Funktion erfüllte: Sie diente zur Befestigung von Säbeln, Pistolen oder anderen Ausrüstungsgegenständen. Im Laufe der Zeit entwickelte sie sich jedoch zu einem rein dekorativen Rangabzeichen, das bestimmten Dienstgraden, Waffengattungen oder Verwendungen vorbehalten war.

In der Bundeswehr wurde die Achselschnur in verschiedenen Ausführungen eingeführt. Die goldene Achselschnur war zunächst Generalstabsoffizieren und Adjutanten vorbehalten, während silberne Achselschnüre für Feldjäger (Militärpolizei) und andere spezielle Verwendungen vorgesehen waren. Die genauen Tragebestimmungen wurden in der Anzugordnung für die Bundeswehr (AnzO) festgelegt, die mehrfach überarbeitet und den zeitgenössischen Anforderungen angepasst wurde.

Die NVA der DDR führte ebenfalls Achselschnüre ein, die sich in ihrer Gestaltung an sowjetischen Vorbildern orientierten. Hier trugen sie unter anderem Offiziere der Grenztruppen, Angehörige der Ehrenformationen und Adjutanten. Die Farbgebung und Ausführung unterschied sich deutlich von den bundesrepublikanischen Modellen und spiegelte die unterschiedliche militärische Kultur beider deutscher Staaten wider.

Die Fertigung von Achselschnüren nach 1945 erfolgte durch spezialisierte Effekten-Hersteller, die teilweise bereits vor dem Krieg in diesem Bereich tätig waren. Die handwerkliche Qualität variierte je nach Hersteller und Zeitperiode erheblich. Frühe Nachkriegsexemplare zeigen oft eine einfachere Verarbeitung aufgrund der allgemeinen Materialknappheit, während spätere Modelle wieder an die hohe Qualität der Vorkriegszeit anknüpften.

Materialtechnisch bestanden Achselschnüre üblicherweise aus geflochtenen oder gedrehten Schnüren aus Kunstseide, später auch aus synthetischen Materialien, die mit Metallfäden (Gold- oder Silberdraht bzw. entsprechenden Imitationen) durchzogen waren. Die Befestigung erfolgte mittels Schlaufen und Knöpfen an der Schulter der Uniform.

Für Sammler militärischer Effekten stellen Achselschnüre der Nachkriegszeit ein interessantes Sammelgebiet dar. Sie dokumentieren nicht nur die Wiederaufstellung deutscher Streitkräfte, sondern auch die unterschiedlichen Wege, die beide deutsche Staaten während des Kalten Krieges gingen. Die Identifizierung und Zuordnung solcher Stücke erfordert Kenntnisse der jeweiligen Tragebestimmungen, Herstellermerkmale und zeitgenössischen Uniformvorschriften.

Während die Achselschnur in vielen modernen Armeen an Bedeutung verloren hat oder nur noch bei zeremoniellen Anlässen getragen wird, bleibt sie ein symbolträchtiges Element militärischer Tradition. In der heutigen Bundeswehr ist ihre Verwendung stark eingeschränkt und auf bestimmte protokollarische Anlässe begrenzt, was diese historischen Exemplare zu wertvollen Zeugnissen einer vergangenen Uniformkultur macht.