Baden Artillerie Faschinenmesser M 1854 .

Massive Klinge, leicht gekrümmt und boloförmig, auf der Fehlschärfe der Hersteller "Gebr. Weyersberg Solingen", auf der anderen Seite die badische Kontrollpunze, einteiliges Messinggefäß mit angedeuteter Knaufkappe, s-förmigem Parierstück, auch hier gepunzt, mit der korrekten Stahlscheide, diese mit diversen stärkeren Drucks-Stellen, die Klinge geht ganz hinein, sonst eine seltene und gut erhaltene Blankwaffe. Zustand 2-
520394
800,00

Baden Artillerie Faschinenmesser M 1854 .

Das badische Artillerie-Faschinenmesser Modell 1854 repräsentiert eine charakteristische Waffengattung des 19. Jahrhunderts, die sowohl als Werkzeug als auch als Seitenwaffe diente. Dieses bemerkenswerte Exemplar wurde von Gebr. Weyersberg in Solingen hergestellt, einem Unternehmen, das 1787 von Peter Weyersberg gemeinsam mit seinen Brüdern Wilhelm und Johann Ludwig gegründet wurde.

Das Faschinenmesser war eine Seitenwaffe, die vom 17. bis zum 19. Jahrhundert an leichte Infanterie und Artillerie ausgegeben wurde. Es erfüllte dabei eine doppelte Funktion: Als persönliche Waffe und als Werkzeug zum Schneiden von Faschinen – Reisigbündel, die zur Verstärkung der Seiten von Schützengräben oder Erdwällen zum Schutz von Batterien verwendet wurden. Die Faschinenmesser wurden hauptsächlich für den Bau von Feldbefestigungen, das Freimachen von Schussfeldern und das Bahnen von Wegen durch Unterholz eingesetzt, durch die die Artillerie rollen konnte.

Nach Kortzfleisch erfolgte die Einführung der badischen Faschinenmesser mit Messinggriff im Juli 1853 nach preußischem Vorbild, wobei die vorherigen Säbel an die Landwehr übertragen wurden. Die badische Variante ist durch ihre Ausstattung mit einer Metallscheide (Stahl) eindeutig identifizierbar, die sich deutlich von der Braunschweiger Ausführung mit Lederscheide unterscheidet. Die Klinge ist massiv, leicht gekrümmt und boloförmig gestaltet, mit einer Fehlschärfe versehen. Das einteilige Messinggefäß weist eine angedeutete Knaufkappe und ein s-förmiges Parierstück auf.

Die Markierungen auf dieser Waffe sind besonders aufschlussreich: Auf einer Seite der Klinge befindet sich die Herstellerbezeichnung “Gebr. Weyersberg Solingen”, auf der anderen Seite die badische Kontrollpunze, die auch auf dem Parierstück zu finden ist. Diese Punzierungen bestätigen die offizielle Abnahme durch das Großherzogtum Baden.

Die Dimensionen des Faschinenmessers sind beeindruckend: Die Gesamtlänge mit Scheide beträgt 65,5 cm, ohne Scheide 62,8 cm. Die Klinge misst 48,0 cm in der Länge bei einer Breite von 4,1 cm. Das Gewicht mit Scheide liegt bei 1381 g, ohne Scheide bei 1002 g. Laut ALFA-Katalog belief sich der Bestand an Artillerie-Faschinenmessern mit Messinggriff und Stahlscheide auf 5.800 Stück, wobei diese Zahl sich wahrscheinlich auf die Produktion für verschiedene deutsche Staaten bezieht.

Baden war einer der vielen germanischen Staaten, die schließlich 1871 als Teil des Deutschen Reiches vereinigt wurden. Als das Heilige Römische Reich Anfang des 19. Jahrhunderts aufgelöst wurde, entstand Baden als Großherzogtum und behielt diesen Titel bis zum Beitritt zur Weimarer Republik im Jahr 1918. Während des 19. Jahrhunderts unterhielt das Großherzogtum Baden ein Arsenal und eine Waffenmanufaktur im Schwarzwald, in der ehemaligen Abtei St. Blasien.

Die badische Artillerie war in den 1820er und 1830er Jahren in einer Brigade organisiert, die aus vier Batterien bestand: eine reitende Batterie mit sechs Geschützen und drei Feldbatterien mit jeweils acht Geschützen, insgesamt 30 Geschütze und 1.315 Mann. Die badischen Artilleriekräfte nahmen am Krieg von 1870-71 teil, wobei achtundzwanzig Batterien aus Württemberg, Baden und Hessen zu den süddeutschen Streitkräften beitrugen.

Die deutschen Staaten hegten eine besondere Vorliebe für Faschinenmesser als Seitenwaffen, selbst nach der Entwicklung des hinterladerischen Dreyse Zündnadelgewehrs im Jahr 1841. Faschinenmesser blieben bis zur Ausgabe des Mauser-Modells 1871 im Jahr 1874 im allgemeinen Dienst. Das Seitengewehr M1871 mit Messinggriff bot eine doppelte Verwendungsmöglichkeit und machte das Faschinenmesser für die allgemeine Infanterieausgabe überflüssig.

Das hier beschriebene Exemplar ist eine seltene und gut erhaltene Blankwaffe, die die militärische Tradition des Großherzogtums Baden in der Mitte des 19. Jahrhunderts eindrucksvoll dokumentiert und für Sammler von außerordentlichem Interesse ist.

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