Bayern 1. Weltkrieg feldgrauer Waffenrock M 1916 (Friedensrock) aus Besitz von Oberleutnant Diedrichsen im 7. Feldartillerie-Regiment Prinz-Regent-Luitpold
Dieser feldgraue Waffenrock M 1916, auch als Friedensrock bezeichnet, repräsentiert eine faszinierende Übergangsphase in der bayerischen Militärgeschichte des Ersten Weltkriegs. Das Kleidungsstück wurde am 16. November 1915 vom renommierten Münchner Hoflieferanten Christian Schwarz & Sohn für Oberleutnant Diedrichsen des Königlich Bayerischen 7. Feldartillerie-Regiments Prinzregent Luitpold maßgefertigt.
Das 7. Feldartillerie-Regiment wurde am 1. Oktober 1900 aus der III. Abteilung und der berittenen Abteilung des 1. Artillerie-Regiments gebildet und gehörte zur 1. Feldartillerie-Brigade unter der 1. Division mit der Friedensgarnison München. Das Regiment war nach Prinzregent Luitpold von Bayern benannt und kämpfte während des gesamten Ersten Weltkriegs an der Westfront. Als Divisionsartillerie der 1. Infanterie-Division der 6. Armee nahm das Regiment an bedeutenden Schlachten teil, darunter die Grenzschlachten von 1914, der Wettlauf zum Meer, die Schlacht um Verdun 1916 und die Sommeschlacht. Ab Frühjahr 1917 wurde das Regiment dem Artilleriekommandeur der neu formierten 15. Infanterie-Division unterstellt. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne kehrten die Reste des Regiments in die Garnison zurück, bevor die bayerische Armee im Dezember 1918 aufgelöst wurde.
Der feldgraue Waffenrock verkörpert eine bemerkenswerte militäruniformgeschichtliche Entwicklung. Im September 1915 führte die deutsche Armee die vereinfachte M1915 Bluse als Felduniform ein, autorisierte jedoch gleichzeitig die Produktion formeller feldgrauer Paradeuniformen für die Zeit nach dem Krieg. Bayern übernahm dieses Muster später als Preußen und führte die feldgraue Paradeuniform offiziell am 1. April 1916 ein, was die Bezeichnung M1916 erklärt. Das Herstellungsdatum von November 1915 und die M1916-Bezeichnung spiegeln diese Übergangsperiode der bayerischen Uniformvorschriften wider.
Offiziere wie Diedrichsen gaben diese eleganten maßgeschneiderten Röcke bei königlichen Hofschneidern als Privateigentum für Paraden und formelle Anlässe in Auftrag. Die Uniformen behielten die traditionelle aufwendige Gestaltung mit farbigen Besätzen bei, während sie das moderne feldgraue Farbschema verwendeten. Der Rock aus feinem feldgrauen Tuch zeigt den hohen Stehkragen und die Ärmelaufschläge aus schwarzem Samttuch sowie rote Vorstöße an den Aufschlägen und Brustleisten – charakteristische Merkmale bayerischer technischer Truppen wie Artillerie, Pioniere und Fliegertruppen. Die Messingknöpfe und die eingenähten Schulterstücke mit vergoldeten Namenszügen zeigen eine Krone über “PRL” für Prinzregent Luitpold.
Das Innenfutter aus olivfarbenem Tuch trägt im Nacken ein gewebtes Schneideretikett von “Christian Schwarz & Sohn, Königl. bayer. Hoflieferant München-Bayreuth”, während in der Innentasche ein weiteres Etikett mit dem handschriftlichen Trägernamen “Diedrichsen 16. XI.1915” zu finden ist. Christian Schwarz & Sohn war ein prestigeträchtiger, in historischen Aufzeichnungen dokumentierter Münchner Militär- und Zivilschneider.
Da Offiziersuniformen privat erworben und maßgeschneidert wurden, waren sie nicht zentral ausgegeben, was zu erheblichen Variationen in den Details führte. Diese Röcke sollten bei formellen Anlässen, im Garnisonsdienst und für Paraden nach dem Krieg getragen werden. Der nahezu ungetragene Zustand dieses Exemplars deutet darauf hin, dass es eher gelagert als ausgiebig getragen wurde, was seinem beabsichtigten Zweck als formelle Paradeuniform entspricht, die im Krieg nur begrenzt zum Einsatz kam.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Regiment aufgelöst, wobei einige Angehörige in das am 1. Januar 1921 gebildete 7. (Bayerische) Artillerie-Regiment der Reichswehr übernommen wurden. Das entfernte Ärmelfutter dieser Tunika zeugt von der schweren Wirtschaftskrise der frühen Weimarer Republik, als Veteranen Militärkleidung oft für zivile Zwecke umfunktionierten. Dennoch blieb die Tunika in ausgezeichnetem Erhaltungszustand erhalten und dokumentiert eindrucksvoll die Uniformtradition der bayerischen Artillerie in einer Epoche tiefgreifenden militärischen Wandels.