Das Sterneckerbräu-Museum der NSDAP stellt ein bedeutendes, wenn auch düsteres Kapitel der deutschen Geschichte dar. Dieses Museumsführer-Heftchen dokumentiert einen Ort, der als Geburtsstätte der nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland gilt und somit von enormer historischer Bedeutung ist.
Die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) wurde am 5. Januar 1919 von Anton Drexler gegründet. Ab diesem Zeitpunkt trafen sich die Mitglieder wöchentlich in der Gaststätte Sterneckerbräu in München. Dieser unscheinbare Ort sollte zum Ausgangspunkt einer der verheerendsten politischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts werden.
Im Jahr 1919 besuchte Adolf Hitler im Auftrag des Aufklärungskommandos der Reichswehr eine Versammlung im sogenannten Leiberzimmer. Dort hielt Gottfried Feder, ein Mitglied der okkulten Thule-Gesellschaft, einen Vortrag über wirtschaftspolitische Themen. Hitler, damals noch als Spitzel der Reichswehr tätig, trat wenige Tage später der Partei bei – eine Entscheidung, die den Lauf der Weltgeschichte verändern sollte.
Das Leiberzimmer hatte bereits vor der politischen Nutzung eine militärische Tradition. Es diente als Treffpunkt für Offiziere des aufgelösten Königlich Bayerischen Infanterie-Leib-Regiments, deren Angehörige im Volksmund als “Leiber” bezeichnet wurden. Diese Verbindung zwischen militärischen Kreisen und der entstehenden nationalsozialistischen Bewegung war charakteristisch für die politische Entwicklung der Weimarer Republik.
Im Oktober 1919 richtete die DAP in einem Nebenraum des Sterneckerbräu ihre erste Geschäftsstelle ein. Die ständig steigenden Mitgliederzahlen zwangen die Partei jedoch bereits im Herbst 1921 zum Umzug in das Gasthaus Cornelius in der Corneliusstraße 12. Parallel dazu wurde 1921 im Sterneckerbräu der Bayerische Heimat- und Königsbund “In Treue fest” gegründet, eine monarchistische Organisation, die am 2. Februar 1934 von den inzwischen an die Macht gelangten Nationalsozialisten verboten wurde.
Im November 1933, nach der Machtübernahme, eröffnete Hitler persönlich im Sterneckerbräu das Parteimuseum der NSDAP. Dieses Museum diente der Mythologisierung der frühen Parteigeschichte und der Legitimation der nationalsozialistischen Herrschaft. Solche Museumsführer wie der vorliegende waren wichtige Propagandainstrumente, die die “heroische” Frühzeit der Bewegung verklärten.
Die Bedeutung derartiger Dokumente für die historische Forschung kann nicht überschätzt werden. Sie bieten Einblicke in die Selbstdarstellung und Propaganda des NS-Regimes und zeigen, wie historische Orte für politische Zwecke instrumentalisiert wurden. Das kleine Format und die fotografische Ausstattung des Heftes sprechen für eine breite Verbreitung als Erinnerungsstück für Besucher.
Nach dem Krieg wurde das Sterneckerbräu zu einem Ort der Erinnerung an die dunkle Vergangenheit Deutschlands. Der erwähnte Bayerische Heimat- und Königsbund wurde 1952 wiedergegründet und existiert bis heute als Zeugnis der bayerischen monarchistischen Tradition, die parallel zur nationalsozialistischen Bewegung existierte und später von ihr unterdrückt wurde.