III. Reich - Bund der Saarvereine " Deutsch sei die Saar immerdar " - Mitgliedsabzeichen 3. Form
Historischer Kontext: Bund der Saarvereine - Mitgliedsabzeichen "Deutsch sei die Saar immerdar"
Das vorliegende Mitgliedsabzeichen des Bundes der Saarvereine stellt ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument aus der Zeit des Saarlandkonflikts zwischen 1919 und 1935 dar. Die Inschrift "Deutsch sei die Saar immerdar" verkörpert den politischen und kulturellen Kampf um die Zugehörigkeit des Saargebiets, der zu den komplexesten Fragen der Zwischenkriegszeit gehörte.
Das Saargebiet nach dem Ersten Weltkrieg
Gemäß Artikel 45 bis 50 des Versailler Vertrages von 1919 wurde das Saargebiet für 15 Jahre unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt. Frankreich erhielt das Recht zur wirtschaftlichen Ausbeutung der Kohlegruben als Kompensation für die Zerstörung französischer Bergwerke während des Ersten Weltkriegs. Diese Regelung sollte mit einer Volksabstimmung im Jahr 1935 enden, bei der die Bevölkerung über ihre politische Zukunft entscheiden sollte: Angliederung an Frankreich, an Deutschland oder Beibehaltung des Status quo.
Der Bund der Saarvereine
Der Bund der Saarvereine entstand als Teil der deutschen Propaganda- und Kulturarbeit im Saargebiet. Diese Organisation koordinierte die Aktivitäten verschiedener Vereine und Gruppierungen, die sich für den Verbleib bzw. die Rückkehr des Saargebiets zu Deutschland einsetzten. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde die Saarpropaganda intensiviert und gleichgeschaltet. Der Bund der Saarvereine wurde zu einem wichtigen Instrument der NS-Agitation im Vorfeld der Abstimmung von 1935.
Das Abzeichen und seine Symbolik
Das Mitgliedsabzeichen wurde vom Hersteller F. Mannheim aus Kaiserslautern gefertigt, einer Stadt in der Pfalz, die in unmittelbarer Nähe zum Saargebiet lag. Die Existenz einer "3. Form" deutet darauf hin, dass mehrere Varianten des Abzeichens produziert wurden, möglicherweise zu verschiedenen Zeitpunkten oder für unterschiedliche Mitgliedskategorien.
Der Slogan "Deutsch sei die Saar immerdar" war eine der zentralen Parolen der deutschen Saarpropaganda. Diese emotionale Formulierung sollte die historische und kulturelle Verbundenheit des Saargebiets mit Deutschland betonen und die Bevölkerung zur Stimmabgabe für Deutschland mobilisieren.
Die Volksabstimmung von 1935
Am 13. Januar 1935 fand schließlich die vom Versailler Vertrag vorgesehene Volksabstimmung statt. Das Ergebnis war eindeutig: 90,8 Prozent der Bevölkerung stimmten für die Rückkehr zu Deutschland, nur 8,8 Prozent für den Anschluss an Frankreich und 0,4 Prozent für die Beibehaltung des Status quo. Dieses Ergebnis wurde international als legitim anerkannt, obwohl die Abstimmung bereits unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Propaganda stattfand.
Am 1. März 1935 wurde das Saargebiet offiziell wieder in das Deutsche Reich eingegliedert. Dies wurde von der NS-Propaganda als großer außenpolitischer Erfolg gefeiert und war tatsächlich der erste territoriale Gewinn des Dritten Reiches ohne Gewaltanwendung.
Einordnung und historische Bedeutung
Solche Mitgliedsabzeichen dienten mehreren Zwecken: Sie waren Ausweis der politischen Gesinnung, Mittel der Identifikation unter Gleichgesinnten und Instrumente der öffentlichen Propaganda. Träger solcher Abzeichen demonstrierten ihre Loyalität zur deutschen Sache und trugen zur Schaffung eines Klimas bei, in dem eine Abstimmung gegen Deutschland zunehmend schwieriger wurde.
Aus heutiger Sicht sind diese Objekte wichtige Zeugnisse der Propaganda- und Mobilisierungstechniken der Zwischenkriegszeit. Sie dokumentieren, wie politische Bewegungen Symbole und Erkennungszeichen nutzten, um Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen und politische Ziele durchzusetzen. Die Tatsache, dass verschiedene Formen des Abzeichens existierten, zeigt die organisatorische Struktur und die Ausdifferenzierung der Saarbewegung.
Das vorliegende Abzeichen ist somit mehr als ein simples Schmuckstück – es ist ein materielles Zeugnis eines entscheidenden Kapitels der deutsch-französischen Geschichte und der Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs.