III. Reich - Meldekarte Arbeitsamt Brest Litowsk für eine Frau des Jahrgangs 1911

ohne Foto, beschäftigt bei Tabakmonopol in der Ukraine, stark gebraucht.
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III. Reich - Meldekarte Arbeitsamt Brest Litowsk für eine Frau des Jahrgangs 1911

Die Meldekarte des Arbeitsamtes Brest-Litowsk aus der Zeit des Dritten Reiches stellt ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument dar, das Einblick in die deutsche Besatzungsverwaltung und Arbeitspolitik in den während des Zweiten Weltkriegs besetzten Ostgebieten gewährt. Diese Karte dokumentiert die Beschäftigung einer Frau des Jahrgangs 1911 beim Tabakmonopol in der Ukraine und zeugt von den komplexen administrativen Strukturen, die das nationalsozialistische Deutschland in den eroberten Territorien etablierte.

Historischer Hintergrund

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 im Rahmen des Unternehmens Barbarossa besetzte die Wehrmacht weite Teile Osteuropas. Die Stadt Brest-Litowsk (heute Brest in Belarus, historisch auch Brześć Litewski) wurde bereits in den ersten Kriegstagen im Juni 1941 erobert und diente als wichtiger Verkehrsknotenpunkt und Verwaltungszentrum. Die Stadt hatte bereits im Ersten Weltkrieg große Bedeutung erlangt, als dort 1918 der Friedensvertrag zwischen den Mittelmächten und Sowjetrussland unterzeichnet wurde.

Die deutsche Besatzungsverwaltung

In den besetzten Ostgebieten etablierten die Nationalsozialisten ein umfassendes Verwaltungssystem, das sowohl militärische als auch zivile Behörden umfasste. Die Arbeitsämter spielten dabei eine zentrale Rolle bei der Organisation und Kontrolle der lokalen Arbeitskräfte. Diese Behörden waren Teil des Reichsarbeitsministeriums und seiner Außenstellen und hatten die Aufgabe, die Arbeitskraft der Bevölkerung in den Dienst der deutschen Kriegswirtschaft zu stellen.

Die Meldekarten dienten der systematischen Erfassung aller arbeitsfähigen Personen in den besetzten Gebieten. Sie enthielten persönliche Daten, Informationen über die berufliche Qualifikation und den aktuellen Beschäftigungsstatus. Diese bürokratische Erfassung war Teil der umfassenden Ausbeutungspolitik, die darauf abzielte, die Ressourcen der besetzten Gebiete maximal für die deutsche Kriegsführung zu nutzen.

Das Tabakmonopol und wirtschaftliche Ausbeutung

Die Erwähnung des Tabakmonopols in der Ukraine verweist auf die systematische Übernahme und Fortführung staatlicher Wirtschaftsbetriebe durch die deutsche Besatzungsverwaltung. Tabakmonopole waren in vielen osteuropäischen Staaten vor dem Krieg wichtige staatliche Einnahmequellen gewesen. Die deutschen Besatzer führten diese Monopole weiter, sowohl um Einkünfte zu generieren als auch um die Versorgung der Wehrmacht mit Tabakwaren sicherzustellen.

In der Ukraine und anderen besetzten Gebieten wurden bestehende Industriebetriebe, landwirtschaftliche Einrichtungen und Staatsbetriebe unter deutsche Kontrolle gestellt. Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete unter Alfred Rosenberg sowie die Wirtschaftsorganisation Ost waren für die Koordinierung dieser Ausbeutung zuständig.

Frauen in der Arbeitswelt der besetzten Gebiete

Die Tatsache, dass diese Meldekarte eine Frau des Jahrgangs 1911, also eine etwa 30- bis 33-jährige Person zur Zeit der Besatzung, dokumentiert, ist bemerkenswert. Frauen spielten in der Arbeitswelt der besetzten Ostgebiete eine wichtige Rolle, insbesondere da viele Männer zur Roten Armee eingezogen worden waren oder sich im Widerstand befanden. Die deutsche Besatzungsmacht nutzte weibliche Arbeitskräfte in verschiedenen Bereichen, von der Landwirtschaft über die Industrie bis hin zu Dienstleistungen.

Dokumentarischer Wert

Solche Meldekarten sind heute wichtige historische Quellen für die Forschung über die deutsche Besatzungsherrschaft im Osten. Sie dokumentieren nicht nur die bürokratischen Mechanismen der Kontrolle, sondern geben auch Aufschluss über Einzelschicksale und die Lebensbedingungen der Zivilbevölkerung unter deutscher Herrschaft. Der Zustand “stark gebraucht” deutet darauf hin, dass das Dokument tatsächlich im praktischen Verwaltungsgebrauch war und möglicherweise mehrfach vorgelegt, gestempelt oder bearbeitet wurde.

Die Abwesenheit eines Fotos, die in der Beschreibung erwähnt wird, könnte verschiedene Gründe haben – entweder war bei der Ausstellung kein Foto verfügbar, oder es wurde im Laufe der Zeit entfernt. Viele solcher Dokumente wurden nach Kriegsende von den betroffenen Personen selbst vernichtet oder verändert, um ihre Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht zu verschleiern.

Fazit

Die Meldekarte aus Brest-Litowsk ist ein Zeugnis der umfassenden bürokratischen Erfassung und Kontrolle, die charakteristisch für die nationalsozialistische Herrschaft war. Sie steht exemplarisch für die Millionen von Menschen, die in den besetzten Ostgebieten unter deutscher Kontrolle lebten und arbeiteten, oft unter Zwang und in prekären Verhältnissen. Für die historische Forschung sind solche Dokumente unverzichtbare Quellen zum Verständnis der Besatzungsherrschaft und ihrer Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung.