Infanteriesturmabzeichen - Juncker
Das Infanterie-Sturmabzeichen gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Diese Kampfauszeichnung wurde am 20. Dezember 1939 durch Adolf Hitler gestiftet und sollte die besonderen Leistungen der Infanteristen im direkten Kampfeinsatz würdigen. Die vorliegende Ausführung stammt vom renommierten Hersteller Juncker aus Berlin und wurde in Nickel in hohler Bauweise gefertigt.
Die Firma Gebr. Juncker GmbH Berlin zählte zu den qualitativ hochwertigsten Herstellern von militärischen Auszeichnungen während der NS-Zeit. Das 1866 gegründete Unternehmen hatte seinen Sitz in der Invalidenstraße in Berlin und verfügte über umfangreiche Erfahrung in der Produktion von Orden und Ehrenzeichen. Juncker-Stücke zeichneten sich durch präzise Verarbeitung und feine Details aus, was sie bei Sammlern bis heute besonders begehrt macht.
Die Verleihungsbestimmungen für das Infanterie-Sturmabzeichen waren klar definiert: Ein Infanterist musste an mindestens drei Infanterieangriffen an verschiedenen Tagen teilgenommen haben, alternativ konnte es auch bei Verwundung während eines Angriffs oder für besondere Tapferkeit verliehen werden. Die Auszeichnung dokumentierte damit die härtesten und gefährlichsten Einsätze, die ein Soldat erleben konnte - den direkten Sturmangriff auf feindliche Stellungen.
Das Abzeichen selbst zeigt ein ovales Eichenlaubkranz mit dem Reichsadler im oberen Bereich und einem gekreuzten Bajonett sowie Handgranate im unteren Teil. Die Ausführung in hohler Bauweise bedeutet, dass die Rückseite nicht massiv, sondern ausgehöhlt gefertigt wurde. Diese Produktionsmethode ermöglichte Materialeinsparungen, was besonders im Kriegsverlauf zunehmend wichtiger wurde, ohne dabei die äußere Qualität zu beeinträchtigen.
Die Verwendung von Nickel als Material war typisch für frühe bis mittlere Produktionsphasen. Nickel bot eine silbrige Erscheinung und gute Haltbarkeit. Im Laufe des Krieges wurden aufgrund von Materialknappheit zunehmend andere Legierungen und Zink verwendet. Juncker-Exemplare aus Nickel in hohler Ausführung datieren typischerweise aus der Zeit zwischen 1940 und 1942.
Die Trageweise war genau vorgeschrieben: Das Abzeichen wurde auf der linken Brustseite der Uniform getragen, unterhalb etwaiger Ordensspangen und oberhalb der Brusttasche. Es durfte nur auf der Feldbluse und dem Waffenrock getragen werden. Die Befestigung erfolgte mittels einer horizontal angebrachten Nadel auf der Rückseite.
Produktionstechnisch zeigen Juncker-Stücke charakteristische Merkmale: Die Details sind scharf ausgeprägt, die Adlerfedern sorgfältig gestaltet, und die Eichenblätter weisen eine naturgetreue Modellierung auf. Die hohle Bauweise ist an der Rückseite erkennbar, wo die Konturen der Vorderseite als Vertiefungen erscheinen. Juncker verwendete zudem spezifische Nadelkonstruktionen, die eine Identifizierung erleichtern.
Im historischen Kontext muss das Infanterie-Sturmabzeichen differenziert betrachtet werden. Einerseits dokumentiert es die extremen Belastungen und Gefahren, denen Infanteristen im Zweiten Weltkrieg ausgesetzt waren. Der Sturmangriff galt als tödlichste Form des Kampfes mit entsprechend hohen Verlustraten. Andererseits war es Teil eines Auszeichnungssystems, das der Motivation und Kriegsführung eines verbrecherischen Regimes diente.
Nach Kriegsende 1945 wurde das Tragen aller NS-Auszeichnungen in Deutschland verboten. Erst durch das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen von 1957 wurde das Tragen von Auszeichnungen aus der Wehrmacht wieder erlaubt, allerdings nur in modifizierter Form ohne NS-Symbole wie Hakenkreuz und Reichsadler.
Für Sammler und Historiker sind Originalstücke von Herstellern wie Juncker heute wichtige militärhistorische Dokumente. Sie ermöglichen Einblicke in Produktionstechniken, Materialbeschaffenheit und Tragegewohnheiten der Zeit. Gleichzeitig erfordern sie eine verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.