Königreich Hannover Pickelhaube Modell 1847 für einen Offizier des 1. oder Leib-Regiment

um 1850. Eleganter hoher Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen in vergoldeter Ausführung. Vorn als Helmemblem das große gelbe trabende Pferd (ohne Devise "Waterloo" !). Kreuzblatt mit Kugelschrauben (1 fehlt),  hohe Spitze, gewölbte Schuppenketten, rechts die große lederne Offizierskokarde, eckiger Vorderschirm. Innen gelaschtes Lederfutter. Innen der Vorderschirm grün, der Nackenschirm schwarz gefüttert. Nur leicht getragen in sehr schöner unberührter Originalerhaltung.

Sehr selten! Die Pickelhaube nach preußischen Vorbild wurde 1847 zunächst nur für das Garde-Regiment und dann im selben Jahr auch für das Leib-Regiment (1. Regiment) eingeführt. 1850 wurden dann auch die Linien-Regimenter damit ausgestattet. Das Leib-Regiment führte als einziges Regiment keine Devise aus napoleonischer Zeit, da es erst 1838 aus Abgaben anderer Regimenter aufgestellt wurde.
490594
5.500,00

Königreich Hannover Pickelhaube Modell 1847 für einen Offizier des 1. oder Leib-Regiment

Die hannoversche Pickelhaube Modell 1847 repräsentiert einen bedeutenden Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Militäruniformen und steht exemplarisch für die preußische Einflussnahme auf die deutschen Mittelstaaten in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Das Königreich Hannover, das seit 1714 in Personalunion mit der britischen Krone verbunden war, verfügte über eine eigenständige Armee mit stolzen Traditionen. Diese Verbindung endete 1837 mit dem Thronwechsel zu König Ernst August, da in Hannover das salische Erbfolgerecht galt. In den folgenden Jahren modernisierte das Königreich seine militärischen Strukturen und Ausrüstungen nach dem Vorbild des mächtigen Nachbarn Preußen.

Die Einführung der Pickelhaube im Jahr 1847 war Teil dieser Modernisierungsbemühungen. Preußen hatte diesen charakteristischen Helm mit seiner markanten Spitze bereits 1842 eingeführt, und die Hannoveraner folgten diesem Beispiel nur fünf Jahre später. Die gestaffelte Einführung in Hannover zeigt die hierarchische Struktur der Armee: Zunächst erhielt das prestigeträchtige Garde-Regiment die neue Kopfbedeckung, unmittelbar gefolgt vom Leib-Regiment (1. Regiment). Erst 1850 wurden dann auch die Linien-Regimenter mit der Pickelhaube ausgestattet.

Das Leib-Regiment nahm eine besondere Stellung in der hannoverschen Armee ein. Es wurde 1838 durch Abgaben anderer Regimenter neu aufgestellt und diente als persönliches Regiment des Königs. Diese relativ späte Gründung erklärt auch eine wichtige Besonderheit: Als einziges hannoversches Infanterieregiment führte das Leib-Regiment keine Devise aus der napoleonischen Zeit, da es keine Tradition aus den Befreiungskriegen oder der Schlacht bei Waterloo besaß.

Das hannoversche Wappentier, das weiße oder gelbe trabende Pferd (niederdeutsch: das “Sachsenross”), zierte als Helmemblem die Pickelhaube. Dieses Symbol geht auf das Wappen der Welfen zurück und wurde zum charakteristischen Erkennungszeichen der hannoverschen Truppen. Die Tatsache, dass beim Leib-Regiment die Devise “Waterloo” fehlte, unterschied es deutlich von anderen hannoverschen Regimentern, die bei der berühmten Schlacht 1815 gekämpft hatten und diese Ehre auf ihren Helmen trugen.

Die Offiziersvariante der Pickelhaube unterschied sich erheblich von der Mannschaftsausführung. Während einfache Soldaten Helme mit versilberten oder messingfarbenen Beschlägen trugen, waren die Offiziershelme mit vergoldeten Beschlägen ausgestattet. Das Helmkreuz (Kreuzblatt) wurde mit Kugelschrauben befestigt, die hohe Spitze verlieh dem Träger zusätzliche Größe und Autorität. Die gewölbten Schuppenketten dienten theoretisch dem Schutz der Schläfen, waren aber vor allem dekorativ. Der eckige Vorderschirm und der gebogene Nackenschirm schützten vor Witterungseinflüssen.

Die Kokarde auf der rechten Helmseite zeigte die Farben Hannovers und war bei Offizieren aus Leder gefertigt, oft mit Metallumrandung. Das Innenfutter war aufwendig gearbeitet, mit grün gefüttertem Vorderschirm und schwarz gefüttertem Nackenschirm, was typisch für die hannoversche Ausführung war.

Die politische Bedeutung der hannoverschen Pickelhaube endete abrupt im Jahr 1866. Im Deutschen Krieg stand Hannover auf Seiten Österreichs gegen Preußen. Nach der Niederlage wurde das Königreich von Preußen annektiert und hörte auf zu existieren. Die hannoversche Armee wurde aufgelöst, ihre Regimenter in die preußische Armee integriert oder neu formiert. Damit endete auch die Geschichte der eigenständigen hannoverschen Militärausrüstung.

Helme aus der Zeit um 1850 sind heute äußerst selten, da sie nur etwa 16 Jahre lang in Gebrauch waren und die meisten Exemplare im Laufe der Zeit verloren gingen, zerstört oder nach 1866 umgearbeitet wurden. Offiziershelme in originalem Zustand sind besonders rar, da Offiziere ihre Ausrüstung selbst beschaffen mussten und diese oft über Jahre trugen und modifizierten.

Die hannoversche Pickelhaube von 1847 steht symbolisch für eine Übergangszeit in der deutschen Geschichte – eine Periode, in der die deutschen Mittelstaaten noch ihre Eigenständigkeit bewahrten, aber bereits stark von Preußen beeinflusst wurden. Sie ist ein materielles Zeugnis der untergegangenen Monarchie Hannover und ihrer militärischen Traditionen, die 1866 ihr Ende fanden.