Legion Condor Zigarettenetui
Ein typisches Souvenir für die Angehörigen der Legion Condor, um 1938/39. In dieser Fertigung gibt es viele weitere Stücke, z.B. Fingerringe, Manschettenknöpfe, Anstecknadeln, Miniaturdolche, etc.
Dieses Zigarettenetui aus vergoldetem Metall repräsentiert eine faszinierende Kategorie von Andenken, die während des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) für deutsche Militärangehörige der Legion Condor in Toledo hergestellt wurden. Die schwere, vergoldete Ausführung mit feiner Handgravierung und brüniertem Hintergrund zeigt im Zentrum einen spanischen Adler mit der Umschrift „Artilleria Toledo“. Solche Stücke entstanden in der typischen spanischen Fertigung Toledos, das seit dem Mittelalter ein bedeutendes europäisches Zentrum für die Damaszenertechnik (damasquinado) war – eine Kunstfertigkeit, bei der Gold oder Silber durch Handgravierung in dunkel oxidiertem Stahl eingelegt wird.
Die Legion Condor war eine Einheit deutscher Luftwaffen- und Wehrmachtsangehöriger, die im November 1936 zur Unterstützung von Francisco Francos nationalistischen Kräften im Spanischen Bürgerkrieg gebildet wurde. Ursprünglich kurzzeitig als „Eiserne Rationen“ und „Eiserne Legion“ bezeichnet, erhielt sie von Hermann Göring den Namen „Legion Condor“. Die Legion diente von Juli 1936 bis zum Kriegsende am 1. April 1939. In ihrer Hochphase umfasste sie etwa 100 Flugzeuge und 5.000 bis 6.000 Mann, wobei insgesamt ungefähr 19.000 deutsche Soldaten zwischen 1936 und 1939 in Spanien rotierten. Deutschland nutzte den Konflikt, um Waffen und Taktiken zu testen, die später im Zweiten Weltkrieg eingesetzt werden sollten.
Toledo selbst spielte eine strategisch wichtige Rolle im Bürgerkrieg. Die Stadt war Schauplatz der berühmten Belagerung des Alcázar (21. Juli bis 27. September 1936), eines bedeutenden Propagandaerfolgs für die Nationalisten. Toledo beherbergte zudem eine Waffenfabrik (Fabrica Nacional de Toledo/Artilleria de Toledo), die seit mindestens den 1890er Jahren in Betrieb war und während des Konflikts von strategischer Bedeutung war. Die traditionelle Metallverarbeitungsindustrie der Stadt, insbesondere die Damaszenertechnik, machte Toledo zu einer natürlichen Quelle für Gedenkobjekte für das deutsche Personal.
Dieses Zigarettenetui ist typisch für eine große Kategorie von Souvenirs, die in Toledo für die Legion Condor hergestellt wurden. In diesem Produktionsstil wurden auch Fingerringe, Manschettenknöpfe, Anstecknadeln, Miniaturdolche sowie verschiedene andere damaszenierte Metallobjekte gefertigt. Zigarettenetuis wurden mit verschiedenen Markierungen produziert, darunter Legion-Condor-Insignien, deutsche Luftwaffe-Adler, Karten Spaniens mit Flugzeugen, Daten (1936-1937, 1936-1938, 1936-1939 oder SPANIEN-Markierungen) und Einheitsbezeichnungen. Die Toledaner Damaszenertechnik umfasste sowohl handwerklich gefertigte als auch einige maschinell hergestellte Artikel. In den 1930er Jahren wurden diese Techniken, die über Generationen weitergegeben wurden, weiterhin praktiziert.
Solche Andenken wurden von Mitgliedern der Legion Condor während ihrer Stationierung in Spanien, besonders um 1938-1939, als der Krieg zu Ende ging, privat erworben oder als Geschenke überreicht. Als kommerziell produzierte Souvenirware und nicht als offiziell ausgegebene Ausrüstungsgegenstände wurden sie zu persönlichen Erinnerungsstücken an die Teilnahme am spanischen Konflikt.
Nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs 1939 kehrte die Legion Condor nach Deutschland zurück, wo ihr am 6. Juni 1939 eine Siegesparade in Berlin zuteil wurde. Die Legion verließ Spanien am 26. Mai 1939. Nach der deutschen Wiedervereinigung in den 1990er Jahren und einer öffentlichen Auseinandersetzung mit der Rolle der Legion, insbesondere der Bombardierung von Guernica 1937, sprach der deutsche Bundespräsident Roman Herzog 1997 eine Entschuldigung aus. 1998 verfügte das deutsche Parlament die Entfernung der Namen von Legionsmitgliedern von deutschen Militärstützpunkten. Souvenirobjekte wie dieses Zigarettenetui blieben in privaten Händen als historische Sammlerstücke. Toledo setzte seine Damaszenertradition fort, obwohl sich die Nachkriegsproduktion in Richtung touristischer Artikel verlagerte. Der Alcázar in Toledo, während der Belagerung beschädigt, wurde nach 1939 wieder aufgebaut und beherbergt heute das Armeemuseum (Museo del Ejército).