NS Reichsbund für Leibesübungen NSRL 2 nichttagbare Auszeichnungsplaketten 1. und 3. Preis der Gaumeisterschaften Innsbruck 1939

2 Kunststoffplaketten, Versilberung verblasst, Zustand 2
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80,00

NS Reichsbund für Leibesübungen NSRL 2 nichttagbare Auszeichnungsplaketten 1. und 3. Preis der Gaumeisterschaften Innsbruck 1939

Die vorliegenden Auszeichnungsplaketten repräsentieren ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Sportorganisation im annektierten Österreich kurz nach dem Anschluss von 1938. Der Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) war die zentrale Dachorganisation für den gesamten Sport im nationalsozialistischen Deutschland und den annektierten Gebieten.

Der NSRL wurde am 27. Juli 1934 gegründet und ersetzte den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen. Unter der Führung von Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten wurde der gesamte deutsche Sport gleichgeschaltet und in den Dienst der NS-Ideologie gestellt. Die Organisation umfasste bis 1939 über 4 Millionen Mitglieder in verschiedenen Sportfachämtern.

Die hier beschriebenen Plaketten stammen aus dem Jahr 1939 und wurden für die Gaumeisterschaften in Innsbruck vergeben. Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 wurde das österreichische Sportswesen schnell in die Strukturen des NSRL integriert. Der Gau Tirol-Vorarlberg mit dem Zentrum Innsbruck wurde zu einem wichtigen Standort für Wintersportveranstaltungen innerhalb der NS-Sportorganisation.

Die Auszeichnungen für den 1. und 3. Preis zeigen die typische Hierarchie der NS-Sportehrungen. Es handelt sich um nichttagbare Plaketten, das heißt, sie waren nicht zum Tragen an der Uniform bestimmt, sondern dienten als Erinnerungs- und Ehrenstücke, die aufbewahrt oder ausgestellt wurden. Dies unterscheidet sie von tragbaren Sportabzeichen wie dem SA-Sportabzeichen oder dem Deutschen Reichssportabzeichen.

Die Fertigung aus Kunststoff mit Versilberung ist charakteristisch für die späten 1930er Jahre. Mit der zunehmenden Kriegsvorbereitung und der Rohstoffknappheit ging man dazu über, Auszeichnungen nicht mehr ausschließlich aus Metall herzustellen. Kunststoffe wie Bakelit oder andere Phenolharze wurden häufig verwendet und anschließend galvanisch versilbert, um einen hochwertigen Eindruck zu erzeugen.

Gaumeisterschaften waren wichtige Ereignisse im NS-Sportsystem. Sie dienten nicht nur der sportlichen Leistungsmessung, sondern auch der ideologischen Schulung und der Demonstration der Leistungsfähigkeit der “Volksgemeinschaft”. Innsbruck als traditionelles Zentrum des Wintersports hatte besondere Bedeutung, zumal die Stadt bereits 1933 die Weltmeisterschaften im Skisport ausgetragen hatte.

Das Jahr 1939 markiert einen bedeutsamen Zeitpunkt: Es war das letzte Friedensjahr vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939. Die Sportveranstaltungen dieses Jahres standen bereits im Zeichen der massiven Aufrüstung und militärischen Vorbereitung. Viele Sportwettkämpfe hatten bereits einen paramilitärischen Charakter oder dienten der körperlichen Ertüchtigung für den Kriegsfall.

Der erhaltungszustand dieser Plaketten mit verblasster Versilberung ist typisch für über 80 Jahre alte Kunststoffobjekte. Die galvanische Beschichtung war oft nicht sehr dauerhaft und löste sich im Laufe der Zeit ab, besonders wenn die Objekte Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen ausgesetzt waren.

Solche Auszeichnungsplaketten sind heute wichtige historische Dokumente, die Einblick geben in das umfassende System der NS-Sportorganisation und deren Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche. Sie dokumentieren die Instrumentalisierung des Sports für ideologische und propagandistische Zwecke und zeigen die organisatorische Reichweite des Regimes bis in lokale und regionale Sportveranstaltungen.