Preußen 1. Weltkrieg Einzel Schulterklappe feldgrau für die Bluse Mannschaften im Feldartillerie-Regiment Nr. 111
Die vorliegende feldgraue Einzelschulterklappe stellt ein charakteristisches Beispiel der deutschen Heeresuniformen aus dem Ersten Weltkrieg dar und gehörte zur Ausrüstung eines Mannschaftssoldaten des Feldartillerie-Regiments Nr. 111. Diese Einheit, die zur preußischen Armee gehörte, spielte eine wichtige Rolle in den großen Schlachten des Krieges zwischen 1914 und 1918.
Das Feldartillerie-Regiment Nr. 111 wurde als Teil der kaiserlichen preußischen Armee aufgestellt und war während des Ersten Weltkriegs an verschiedenen Fronten eingesetzt. Die Feldartillerie bildete das Rückgrat der deutschen Feuerkraft und war entscheidend für die Kriegsführung dieser Epoche. Die Regimenter waren mit Feldkanonen ausgestattet, typischerweise mit der bewährten 7,7-cm-Feldkanone 96 n.A., die eine zentrale Rolle in der deutschen Artilleriedoktrin spielte.
Die Schulterklappe selbst zeigt die typischen Merkmale der preußischen Militäruniformen aus der Zeit um 1916. Der feldgraue Stoff entspricht der ab 1907/10 eingeführten neuen Uniformfarbe, die das traditionelle Preußischblau ablöste. Diese Farbwahl war eine Reaktion auf die modernen Kriegsbedingungen und die zunehmende Bedeutung der Tarnung auf dem Schlachtfeld. Die Einführung der feldgrauen Uniform stellte einen bedeutenden Wandel in der militärischen Bekleidungsphilosophie dar, weg von den auffälligen, traditionellen Uniformen hin zu praktischer Kampfbekleidung.
Das zentrale Erkennungszeichen auf der Schulterklappe ist die in rot aufgestickte “flammende Granate”, das traditionelle Waffengattungsabzeichen der Artillerie. Dieses Symbol, das eine brennende Granate darstellt, wurde bereits im 18. Jahrhundert als Kennzeichen der Artillerietruppen verwendet und symbolisierte die explosive Kraft und Feuerkraft dieser Waffengattung. Die rote Farbe war die traditionelle Waffenfarbe der Artillerie in der preußischen und deutschen Armee und wurde bei Schulterklappen, Kragenpaspeln und anderen Uniformdetails verwendet.
Die Regimentsnummer “111” ist ebenfalls in rot aufgestickt und ermöglichte die eindeutige Identifizierung der Einheit des Trägers. Diese Nummerierung folgte dem preußischen System der Regimentsbezeichnungen, das im Laufe des 19. Jahrhunderts standardisiert worden war. Das Feldartillerie-Regiment Nr. 111 gehörte zur 26. (Württembergischen) Infanterie-Division, obwohl es als preußisches Regiment organisiert war.
Die Konstruktion der Schulterklappe als Einzelstück zum Einnähen ist typisch für die Mannschaftsuniform der Bluse (Feldbluse M1907/10 und spätere Varianten). Anders als Offizierssschulterklappen, die oft aufwendiger gestaltet und manchmal abnehmbar waren, wurden die Schulterklappen der Mannschaften fest eingenäht. Die Stickerei wurde direkt auf dem feldgrauen Grundstoff angebracht, was eine robuste und feldtaugliche Konstruktion ergab.
Die Datierung “um 1916” ist aufgrund mehrerer Faktoren plausibel. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die deutsche Militäruniform bereits an die Realitäten des Stellungskrieges angepasst. Die Materialknappheit, die im späteren Kriegsverlauf zunahm, führte zu vereinfachten Uniformen, doch 1916 waren die Produktionsstandards noch relativ hoch. Die Qualität der Stickerei und die Verwendung von farbigem Garn für die Waffenfarbe sprechen für eine Fertigung in der mittleren Kriegsphase.
Schulterklappen hatten im deutschen Heer eine lange Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich dienten sie einem praktischen Zweck: Sie verhinderten, dass Trageriemen von Patronentaschen und anderen Ausrüstungsgegenständen von der Schulter rutschten. Im Laufe der Zeit entwickelten sie sich zu einem wichtigen Erkennungsmerkmal, das Regiment, Waffengattung und Rang des Trägers anzeigte.
Die Erhaltung solcher Uniformteile ist historisch bedeutsam, da sie authentische Zeugnisse der Materialkultur des Ersten Weltkriegs darstellen. Viele Uniformen und Ausrüstungsgegenstände wurden nach dem Krieg vernichtet, wiederverwendet oder gingen einfach durch die Zeit verloren. Erhaltene Stücke ermöglichen es Historikern und Sammlern, die Details der militärischen Kleidung und Organisation zu studieren und zu verstehen.
Der angegebene Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das die typischen Gebrauchsspuren zeigt, aber noch alle wesentlichen Merkmale aufweist. Solche Objekte sind wichtige Quellen für die Uniformkunde (Uniformologie) und die Militärgeschichtsforschung und helfen, ein vollständigeres Bild des Alltags der Soldaten im Ersten Weltkrieg zu zeichnen.