Preußen 1. Weltkrieg Paar Schulterklappen feldgrau für Mannschaften im 4. Garde-Feldartillerie-Regiment, 1. Abteilung

Heimatstandort Potsdam um 1916/17. Nur «Flammende Granate». Zustand 2.

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350,00

Preußen 1. Weltkrieg Paar Schulterklappen feldgrau für Mannschaften im 4. Garde-Feldartillerie-Regiment, 1. Abteilung

Die vorliegenden Schulterklappen aus feldgrauem Tuch für Mannschaften des 4. Garde-Feldartillerie-Regiments, 1. Abteilung stellen ein authentisches Zeugnis der preußischen Militärorganisation während des Ersten Weltkriegs dar. Mit dem Heimatstandort Potsdam und einer Datierung um 1916/17 repräsentieren diese Abzeichen eine Phase des Krieges, in der die kaiserliche Armee bereits erhebliche Verluste erlitten hatte und die Materialknappheit zunehmend spürbar wurde.

Das 4. Garde-Feldartillerie-Regiment gehörte zur prestigeträchtigen Garde-Korps der preußischen Armee und war traditionell in Potsdam stationiert, der Garnisonsstadt unmittelbar bei Berlin. Die Garde-Einheiten genossen besondere Privilegien und wurden direkt dem preußischen König bzw. deutschen Kaiser unterstellt. Das Regiment wurde im 19. Jahrhundert aufgestellt und nahm an den deutschen Einigungskriegen teil, bevor es 1914 in den Weltkrieg zog.

Die Schulterklappe als Rangabzeichen hatte in der preußischen Armee eine lange Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte. Ursprünglich dienten Schulterklappen dem praktischen Zweck, die Schultergurte des Tornister zu befestigen, entwickelten sich aber im Laufe der Zeit zu wichtigen Erkennungsmerkmalen für Regiment und Truppengattung. Die feldgraue Ausführung entspricht der Adjustierungsvorschrift von 1915, die eine Vereinheitlichung und Vereinfachung der Uniformierung im Feldgebrauch vorsah.

Das charakteristische Merkmal dieser Schulterklappen ist die “Flammende Granate” als Waffengattungsabzeichen der Artillerie. Dieses Symbol, das eine brennende Granate mit aufsteigenden Flammen darstellt, war seit dem 19. Jahrhundert das international gebräuchliche Erkennungszeichen für Artillerieeinheiten. Die Granate war typischerweise in der Waffenfarbe der Artillerie – rot – aufgestickt, wobei bei Feldausführungen oft vereinfachte Darstellungen verwendet wurden.

Die Bezeichnung “1. Abteilung” verweist auf die interne Organisation des Regiments. Ein Feldartillerie-Regiment bestand üblicherweise aus zwei bis drei Abteilungen, die jeweils drei Batterien mit je sechs Geschützen umfassten. Die Abteilungsnummer wurde auf den Schulterklappen durch entsprechende Ziffern oder Buchstaben kenntlich gemacht, in diesem Fall vermutlich durch eine römische “I” oder arabische “1”.

Die Herstellung der Schulterklappen erfolgte während des Krieges unter zunehmend schwierigen Bedingungen. Während zu Kriegsbeginn noch hochwertige Materialien und aufwendige Handstickereien üblich waren, musste man ab 1915/16 auf einfachere Produktionsmethoden zurückgreifen. Die feldgrauen Schulterklappen für Mannschaften waren deutlich schlichter als die der Offiziere, die weiterhin mit Metalllitzen versehen waren.

Das 4. Garde-Feldartillerie-Regiment war während des Ersten Weltkriegs an allen wichtigen Frontabschnitten eingesetzt. Als Teil der Garde nahm es an den großen Schlachten in Frankreich und Belgien teil, kämpfte an der Somme, bei Verdun und in Flandern. Die Artillerie spielte im Stellungskrieg eine entscheidende Rolle, und die deutschen Feldartillerie-Regimenter waren mit modernen 7,7-cm-Feldkanonen ausgerüstet.

Die Zeitstellung “um 1916/17” ist von besonderer Bedeutung. Dies war die Phase des Krieges, in der die Materialschlachten ihren Höhepunkt erreichten. Die Schlacht an der Somme (1916) und die Kämpfe um Verdun zeigten die verheerende Wirkung der Artillerie. Gleichzeitig führte die britische Seeblockade zu erheblichen Versorgungsengpässen in Deutschland, was sich auch in der Qualität der Uniformteile niederschlug.

Für Mannschaften – also Soldaten ohne Unteroffiziersrang – waren die Schulterklappen aus einfachem Tuch gefertigt, im Gegensatz zu den mit Litzen versehenen Klappen der Unteroffiziere und Offiziere. Dies entsprach dem strengen Hierarchiesystem der kaiserlichen Armee, in der jeder Rang sofort an der Uniform erkennbar sein musste.

Nach dem Kriegsende 1918 und der Auflösung der kaiserlichen Armee durch den Versailler Vertrag wurden die Garde-Regimenter nicht in die Reichswehr übernommen. Ihre Traditionen lebten jedoch in Veteranenverbänden fort. Schulterklappen wie diese wurden zu gesuchten Erinnerungsstücken und historischen Dokumenten einer untergegangenen Epoche.

Heute sind solche Schulterklappen wichtige Objekte für die militärhistorische Forschung und das Sammeln von Militaria. Sie ermöglichen es, die Organisation, Ausstattung und Entwicklung der kaiserlichen Armee nachzuvollziehen und sind authentische Zeugnisse der Soldaten, die diese Uniformteile trugen.

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