Preußen Attila für Mannschaften im Leibgarde-Husaren-Regiment, 5. Eskadron

Standort Potsdam. Eigentumsstück um 1910. Die Attila aus hochrotem Stoff mit gelber Verschnürung, vergoldete Rosetten und Knebel, am Kragen und den Ärmeln die gelben Gardelitzen mit dem roten Durchzug, auf den Schultern die Schnüre für Mannschaften, Knöpfe der 5. Eskadron, am rechten Ärmel mit Winkel für gutes Lanzenfechten. Innen mit rotem Seidenfutter. Etwas getragen. Zustand 2.
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1.250,00

Attila für Mannschaften im Leibgarde-Husaren-Regiment, 5. Eskadron

Unter den prachtvollen Uniformen der preußischen Garderegimenter nimmt die Attila des Leib-Garde-Husaren-Regiments einen besonderen Platz ein. Das hier vorgestellte Exemplar, ein privat beschafftes Eigentumsstück um 1910, verkörpert die letzte Blütezeit der kaiserlich-deutschen Friedensarmee vor dem Ersten Weltkrieg. Es handelt sich um die Paradeuniform eines einfachen Kavalleristen der 5. Eskadron jenes Regiments, das als persönliche Leibgarde Kaiser Wilhelms II. diente und in Potsdam garnisonierte.

Das Leibgarde-Husaren-Regiment: Entstehung und Geschichte

Die Wurzeln des Regiments reichen zurück auf den 21. Februar 1815, als das Garde-Husaren-Regiment aus Schwadronen des Leichten Garde-Kavallerie-Regiments formiert wurde. Zunächst in Berlin stationiert, verlegte das Regiment 1829 nach Potsdam, wo es in der Leibgarde-Husaren-Kaserne an der Berliner Straße seinen festen Standort fand. In den Kriegen der deutschen Einigung – 1864, 1866 und 1870/71 – bewährte sich das Regiment im Feld. Am 19. Juni 1888 übernahm Kaiser Wilhelm II. persönlich die Chefschaft und verlieh dem Regiment seinen endgültigen Namen: Leib-Garde-Husaren-Regiment. Von diesem Zeitpunkt an bis zum Ende der Monarchie 1918 blieb der Kaiser Regimentschef und unterstrich damit die einzigartige Stellung dieser Einheit innerhalb der preußischen Armee.

Die Attila als Uniformstück

Die Attila ist eine kurze Husarenjacke ungarischen Ursprungs mit der charakteristischen Verschnürung auf der Brust. Sie ersetzte im preußischen Dienst die ältere kurzschößige Dolmanform und war eines von zwei Paradeoberbekleidungsstücken des Regiments – das andere war der Dolman bzw. Pelz in dunkelblauer Farbe mit schwarzem Pelzbesatz.

Das vorliegende Exemplar besteht aus hochrotem Wollstoff mit gelber Verschnürung aus Wollkordeln. Die Verschlüsse bilden vergoldete Rosetten und Knebel. An Kragen und Ärmeln befinden sich die gelben Gardelitzen mit rotem Durchzug – ein Erkennungsmerkmal, das das Leib-Garde-Husaren-Regiment von den Linien-Husarenregimentern unterschied. Auf den Schultern liegen die für Mannschaften vorgeschriebenen Schnüre, an denen die Knöpfe der 5. Eskadron angebracht sind. Die Eskadronzugehörigkeit wurde bei den Husaren über die Knöpfe an den Schulterschnüren kenntlich gemacht, wobei das Regiment aus vier bis fünf Eskadronen zu je etwa 140 bis 150 Mann bestand. Das Innere ist mit rotem Seidenfutter ausgekleidet, was auf die höhere Qualität privat beschaffter Uniformen gegenüber den regulären Kammerstücken hindeutet.

Besonders bemerkenswert ist der Winkel am rechten Ärmel, der die Qualifikation des Trägers im guten Lanzenfechten ausweist – eine Auszeichnung für besondere Fertigkeit im Kavalleriekampf, die auf dem Ärmel sichtbar getragen wurde.

Das Paradeuniform-Ensemble

Die Attila war Teil der vollständigen Paradeuniform, die bei feierlichen Anlässen getragen wurde. Zum Ensemble gehörten die Pelzmütze (eine Bärenfellmütze mit rotem Kolpak), weiße oder blaue Reithosen mit Goldborte, ein Husarengürtel mit schwarzer Streifung sowie ein weißer Paradebandelier mit Kartuschkasten, der den Gardestern trug. Zusammen bildeten diese Elemente ein eindrucksvolles Bild kaiserlicher Militärpracht, das die Elite-Stellung der Garde unmissverständlich zum Ausdruck brachte.

Zwischen Tradition und Moderne

Das Entstehungsdatum dieses Stücks um 1910 fällt in eine Übergangszeit. Die farbenfrohe Paradeuniform mit der hochroten Attila und gelber Verschnürung war seit der Gründung des Regiments vorgeschrieben und wurde für zeremonielle Anlässe beibehalten. Gleichzeitig führte die preußische Armee 1909/1910 die feldgraue Felddienstuniform (M 1910) ein, die den Realitäten moderner Kriegführung Rechnung trug. Die prachtvolle Husarenuniform blieb somit ein Relikt einer Epoche, in der Uniformen noch der Repräsentation und dem Regiment als Identifikationsmerkmal dienten.

Das Ende des Regiments

Mit dem Waffenstillstand von Compiègne im November 1918 und dem Fall der deutschen Monarchie endete die Geschichte des Leib-Garde-Husaren-Regiments. Bis Januar 1919 wurde die Einheit demobilisiert und aufgelöst. Die Tradition wurde jedoch fortgeführt: In der Reichswehr übernahm die 6. Schwadron des 4. (Preußischen) Reiterregiments in Potsdam auf Befehl von General Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die Traditionspflege. In der Wehrmacht setzte die Panzerabwehr-Abteilung 23 der 23. Infanterie-Division diese Tradition fort.

Diese Attila ist ein eindrucksvolles Zeugnis der letzten Friedensjahre des kaiserlichen Deutschlands. Als Uniform eines einfachen Gardisten der 5. Eskadron verbindet sie die Pracht des preußischen Militärwesens mit der individuellen Geschichte ihres Trägers, dessen Geschick im Lanzenfechten durch den Ärmelwinkel noch heute ablesbar ist.