Reichsnährstand Landesbauernschaft Weser-Ems - große nichttragbare Auszeichnungsmedaille in Silber für Tierzucht

, Feinzink, Durchmesser 60 mm, im schwarzen Verleihungsetui.
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Reichsnährstand Landesbauernschaft Weser-Ems - große nichttragbare Auszeichnungsmedaille in Silber für Tierzucht

Die Reichsnährstand Landesbauernschaft Weser-Ems Auszeichnungsmedaille für Tierzucht repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der nationalsozialistischen Agrarpolitik und deren Ehrungssystem. Diese große, nicht tragbare Medaille aus Feinzink mit einem Durchmesser von 60 mm wurde zur Anerkennung besonderer Leistungen in der Tierzucht verliehen und kam üblicherweise in einem schwarzen Verleihungsetui zur Übergabe.

Der Reichsnährstand wurde am 13. September 1933 durch das Reichsnährstandsgesetz gegründet und stellte die Zwangsorganisation aller in der Land- und Forstwirtschaft, im Gartenbau und in der Fischerei Tätigen dar. Unter der Leitung von Reichsbauernführer Richard Walther Darré sollte diese Organisation die “Blut-und-Boden”-Ideologie des NS-Regimes umsetzen und die Ernährungssicherheit des Deutschen Reiches gewährleisten. Die hierarchische Struktur gliederte sich in verschiedene regionale Ebenen, wobei die Landesbauernschaften wichtige regionale Verwaltungseinheiten bildeten.

Die Landesbauernschaft Weser-Ems umfasste das Gebiet des heutigen Niedersachsens im Nordwesten Deutschlands, einschließlich der Regionen um Oldenburg, Osnabrück und der ostfriesischen Gebiete. Diese Region war und ist traditionell stark landwirtschaftlich geprägt, mit bedeutender Viehzucht, insbesondere Rinder-, Schweine- und Pferdezucht. Die Landesbauernschaft hatte ihren Sitz in Oldenburg und spielte eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Agrarpolitik in diesem wichtigen landwirtschaftlichen Gebiet.

Das Ehrungssystem des Reichsnährstands war vielschichtig und umfasste verschiedene Auszeichnungen und Medaillen für unterschiedliche Leistungsbereiche. Neben Auszeichnungen für langjährige Treue und Dienst existierten spezielle Ehrungen für besondere Leistungen in der Pflanzenzucht, Tierzucht und allgemeinen Produktionssteigerung. Diese Medaillen dienten nicht nur der individuellen Anerkennung, sondern auch der Propaganda und der Motivation zur Leistungssteigerung im Rahmen der nationalsozialistischen Autarkiebestrebungen.

Die Tierzucht hatte im Kontext des Reichsnährstands eine besondere Bedeutung. Das Regime verfolgte ehrgeizige Ziele zur Verbesserung der Viehrassen und zur Steigerung der Produktivität. Züchter, die durch ihre Arbeit zur “Aufnordung” und Verbesserung der Tierbestände beitrugen oder außergewöhnliche Zuchtresultate erzielten, konnten mit solchen Auszeichnungen geehrt werden. Die Medaillen wurden typischerweise bei festlichen Veranstaltungen, Landwirtschaftsausstellungen oder Gaubauerntagen verliehen.

Die Herstellung aus Feinzink war während der NS-Zeit durchaus üblich, da strategische Metalle wie Bronze oder Messing zunehmend für Rüstungszwecke benötigt wurden. Trotz des Materials wurden diese Medaillen oft versilbert oder anderweitig veredelt, um ihnen einen würdigen Charakter zu verleihen. Der Durchmesser von 60 mm klassifiziert diese Medaille als “große” Ausführung, was auf eine bedeutende Ehrung hindeutet.

Die Bezeichnung “nichttragbar” bedeutet, dass diese Medaille nicht am Uniformrock oder der Zivilkleidung getragen werden sollte, sondern als Schaustück oder Erinnerungsobjekt diente. Sie wurde üblicherweise in repräsentativen Räumen ausgestellt oder bei besonderen Anlässen präsentiert. Das schwarze Verleihungsetui unterstrich den offiziellen und feierlichen Charakter der Auszeichnung.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Reichsnährstand 1945 durch die Alliierten aufgelöst. Die Medaillen und Auszeichnungen verloren ihre offizielle Bedeutung, behalten aber heute einen historischen und sammlertechnischen Wert. Sie dokumentieren ein spezifisches System der Anerkennung und Kontrolle im nationalsozialistischen Deutschland und bieten Einblicke in die Alltagsgeschichte der Landwirtschaft dieser Zeit.

Für Historiker und Sammler militärischer und historischer Auszeichnungen sind solche Stücke wichtige Zeugnisse der NS-Agrarpolitik. Sie illustrieren, wie das Regime versuchte, durch Ehrungen und Anerkennungen Loyalität zu schaffen und wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Die regionale Spezifizierung auf die Landesbauernschaft Weser-Ems macht solche Medaillen besonders interessant für die Regionalgeschichtsforschung Niedersachsens.