Wehrmacht Kriegsmarine Dolch für Offiziere aus dem Besitz Olt.z.See August Hermann
Dabei das Führungsbuch mit Einträgen bis 1945 und weitere Dokumente und Fotos.
Der Kriegsmarine-Offizierdolch stellt eines der markantesten Ausrüstungsstücke deutscher Marineoffiziere während der Zeit des Nationalsozialismus dar. Diese spezifische Waffe vereint militärische Tradition, handwerkliche Präzision und die strenge Hierarchie der deutschen Kriegsmarine in einem einzigen Objekt.
Die Einführung des Kriegsmarine-Dolches erfolgte durch Verordnung vom 6. Dezember 1938, als Teil einer umfassenden Reform der Uniformbestimmungen. Der Dolch ersetzte den zuvor verwendeten Reichsmarine-Dolch und sollte die neue Ausrichtung der deutschen Seestreitkräfte unter nationalsozialistischer Herrschaft symbolisieren. Das charakteristische Design folgte strengen Vorschriften: ein weißer Griff aus Celluloid oder ähnlichem Material, eine vergoldete Drahtwicklung, ein vergoldetes Griffstück mit Ankersymbol und eine zweischneidige Klinge.
Paul Weyersberg & Co. Solingen gehörte zu den führenden Herstellern militärischer Blankwaffen im Deutschen Reich. Das 1883 gegründete Unternehmen hatte sich bereits im Ersten Weltkrieg als zuverlässiger Lieferant etabliert und produzierte in den 1930er und 1940er Jahren verschiedene Dolch- und Säbeltypen für Wehrmacht, Kriegsmarine und Luftwaffe. Die Solinger Klingenindustrie genoss weltweit einen hervorragenden Ruf, und Weyersberg stand für Qualität und Präzision. Die charakteristischen Ätzungen auf den Klingen zeigten typischerweise maritime Motive wie Anker, Seekarten oder nautische Instrumente.
Die Konstruktion des Kriegsmarine-Dolches folgte einem standardisierten Muster: Die Klinge maß etwa 25 Zentimeter und war beidseitig geschliffen. Die Ätzung wurde mittels Säure aufgebracht und zeigte üblicherweise ein Ankermotiv sowie florale Ornamente. Der Herstellerstempel befand sich auf der Klingenwurzel und identifizierte den Produzenten eindeutig. Der weiße Griff sollte die Verbundenheit mit der Marine symbolisieren, während die vergoldete Drahtwicklung nicht nur dekorativ, sondern auch funktional war – sie gewährleistete einen sicheren Halt.
Die Scheide des Dolches bestand aus Metall mit marineblauer oder schwarzer Lackierung, daher die Bezeichnung “Blitzscheide”. Sie verfügte über zwei vergoldete Beschläge und einen Ring zur Befestigung am Gehänge aus goldfarbenem Gewebe. Offiziere trugen den Dolch bei Paraden, offiziellen Anlässen und in Galauniform. Die Tragevorschriften waren präzise festgelegt und unterschieden sich je nach Dienstgrad und Anlass.
Das Vorhandensein eines Führungsbuches mit Eintragungen bis 1945 verleiht diesem Ensemble besondere historische Bedeutung. Führungsbücher dokumentierten die militärische Laufbahn eines Offiziers, einschließlich Beförderungen, Versetzungen, Auszeichnungen und Beurteilungen. Sie ermöglichen heute eine präzise Rekonstruktion individueller Karrierewege und bieten Einblicke in die Organisationsstruktur der Kriegsmarine. Die Eintragungen bis Kriegsende 1945 belegen den vollständigen Dienstverlauf während des Zweiten Weltkrieges.
Die Dienstgradbezeichnung Oberleutnant zur See (abgekürzt Olt.z.See) entsprach dem Hauptmann beim Heer und stellte einen mittleren Offiziersrang dar. Oberleutnante zur See dienten häufig als Wachoffiziere auf Kriegsschiffen, als Kommandanten kleinerer Einheiten oder in Stabsverwendungen. Ihre Ausbildung war anspruchsvoll und umfasste sowohl seemännische als auch militärische Komponenten.
Die Kriegsmarine selbst wurde 1935 nach der Aufkündigung der Versailler Vertragsbestimmungen offiziell gegründet und löste die Reichsmarine ab. Unter Großadmiral Erich Raeder und später Karl Dönitz wuchs sie zu einer beträchtlichen Seemacht heran. U-Boote, Schlachtschiffe wie die Bismarck und Tirpitz sowie zahlreiche Hilfskreuzer und Zerstörer bildeten das Rückgrat der Flotte. Die Kriegsmarine war an allen Seekriegsschauplätzen vom Atlantik über die Ostsee bis zum Nordmeer präsent.
Der erhaltene Zustand des Dolches – mit Gebrauchsspuren, partiell abgeriebener Vergoldung und oberflächlichen Rissen im Griff – zeugt von tatsächlicher Verwendung. Solche “getragenen” Stücke besitzen besonderen dokumentarischen Wert, da sie nicht lediglich Repräsentationsobjekte darstellen, sondern Teil der persönlichen Ausrüstung eines aktiven Offiziers waren.
Die Kombination aus Dolch, Führungsbuch, Dokumenten und Fotografien bildet ein geschlossenes Ensemble, das weit über den Wert des einzelnen Objekts hinausgeht. Solche zusammenhängenden Nachlässe ermöglichen es, militärhistorische Forschung mit biografischer Rekonstruktion zu verbinden und das Leben eines einzelnen Offiziers im Kontext der großen Geschichte zu verstehen.
Heute sind Kriegsmarine-Dolche begehrte Sammlerobjekte militärhistorischer Provenienz. Ihre wissenschaftliche Betrachtung erfordert kritische Distanz und historische Kontextualisierung. Sie dokumentieren ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte, dienen aber zugleich als materielle Quellen zur Erforschung militärischer Strukturen, Hierarchien und Alltagskultur.