Baden Schirmmütze für Offiziere im 3. Badischen Dragoner Regiment Nr. 22

um 1910. Hohe elegante Tellerform, Tuch in feiner leichter Sommerqualität, mittelblau mit schwarzem Samtbund und roten Vorstössen, mit beiden Kokarden, innen helles Schweißleder und weisses Seidenfutter, einige kleine Mottenlöcher sonst Zustand 2
313295
380,00

Baden Schirmmütze für Offiziere im 3. Badischen Dragoner Regiment Nr. 22

Die Schirmmütze für Offiziere des 3. Badischen Dragoner-Regiments Nr. 22 repräsentiert ein herausragendes Beispiel der militärischen Kopfbedeckungen des Großherzogtums Baden in der späten Kaiserzeit. Diese elegante Sommerausführung aus der Zeit um 1910 verkörpert die hohen handwerklichen Standards und die strenge Kleiderordnung der deutschen Kavallerie vor dem Ersten Weltkrieg.

Das 3. Badische Dragoner-Regiment Nr. 22 wurde 1803 als “Dragoner-Regiment Markgraf Philipp” aufgestellt und durchlief mehrere Umbenennungen, bevor es 1872 seine endgültige Bezeichnung erhielt. Das Regiment war in Bruchsal stationiert und bildete zusammen mit anderen badischen Kavallerieeinheiten einen wichtigen Bestandteil der XIV. Armeekorps der preußisch-deutschen Armee. Die Tradition des Regiments reichte bis in die napoleonische Ära zurück, und es nahm an zahlreichen Feldzügen teil, darunter die Kriege von 1866 und 1870/71.

Die beschriebene Schirmmütze zeigt die charakteristischen Regimentsfarben: mittelblau als Grundfarbe des Tuches, schwarzer Samtbund und rote Vorstöße. Diese Farbkombination war spezifisch für die badischen Dragoner und unterschied sie von anderen deutschen Kavallerieregimentern. Die hohe, elegante Tellerform entspricht dem Stil der Offiziersmützen um 1910, einer Periode, in der die militärische Mode eine besondere Raffinesse erreicht hatte. Die Sommervariante wurde aus leichterem Material gefertigt, um den Tragekomfort in der warmen Jahreszeit zu erhöhen.

Die beiden Kokarden auf der Mütze repräsentieren ein wichtiges Element der deutschen Militäruniformen dieser Epoche. Die Reichskokarde in Schwarz-Weiß-Rot symbolisierte die Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich, während die badische Landeskokarde in den Farben Rot-Gelb die regionale Identität des Großherzogtums Baden ausdrückte. Diese doppelte Kokardenführung war für alle Regimenter der deutschen Bundesstaaten charakteristisch und spiegelte die föderale Struktur des Kaiserreichs wider.

Die Innenausstattung mit hellem Schweißleder und weißem Seidenfutter unterstreicht den Offiziersstatus dieser Kopfbedeckung. Während Mannschafts- und Unteroffiziersdienstgrade einfachere Materialien trugen, war die Verwendung hochwertiger Stoffe und Leder für Offiziersausrüstung vorgeschrieben. Die Offiziere der kaiserlichen Armee mussten ihre Uniformen und Ausrüstungsgegenstände selbst beschaffen, was zu erheblichen finanziellen Anforderungen führte und den elitären Charakter des Offizierskorps unterstrich.

Die Schirmmütze (auch als “Feldmütze” bezeichnet) wurde ab den 1890er Jahren zunehmend zur bevorzugten Kopfbedeckung für den Dienst außerhalb von Paraden. Sie ersetzte allmählich die unpraktischeren Tschakos und Pickelhauben für alltägliche Dienstverrichtungen. Die Dragoner, ursprünglich als berittene Infanterie konzipiert, hatten sich im 19. Jahrhundert zu regulärer Kavallerie entwickelt und trugen entsprechend modifizierte Uniformen, die sowohl Tradition als auch Praktikabilität verbanden.

Die Zeit um 1910 markiert die Hochblüte der kaiserlichen Armee vor ihrem dramatischen Niedergang im Ersten Weltkrieg. Die preußisch-deutschen Streitkräfte galten als militärisches Vorbild weltweit, und ihre Uniformen wurden international bewundert und kopiert. Die penible Beachtung von Uniformvorschriften und die Liebe zum Detail in der militärischen Kleidung spiegelten die Werte und die Ästhetik der wilhelminischen Ära wider.

Das 3. Badische Dragoner-Regiment Nr. 22 zog 1914 mit großer Begeisterung in den Ersten Weltkrieg. Wie alle deutschen Kavallerieregimenter musste es jedoch schnell feststellen, dass die traditionelle Rolle der Kavallerie im modernen Stellungskrieg obsolet geworden war. Viele der prächtigen Uniformstücke wurden durch feldgraue Kampfbekleidung ersetzt, und die eleganten Schirmmützen wie die hier beschriebene verschwanden weitgehend von den Schlachtfeldern.

Nach der deutschen Niederlage 1918 und der Auflösung der monarchischen Strukturen wurden die badischen Regimenter aufgelöst. Die Tradition des 3. Badischen Dragoner-Regiments Nr. 22 endete damit offiziell, obwohl Veteranenverbände die Erinnerung an das Regiment über die Weimarer Republik hinaus bewahrten.

Heute sind solche Offiziersmützen gesuchte Sammlerobjekte und wichtige historische Dokumente. Sie vermitteln nicht nur Informationen über Uniformvorschriften und militärische Organisation, sondern auch über Handwerkskunst, soziale Hierarchien und die materielle Kultur des Kaiserreichs. Die erwähnten kleinen Mottenlöcher zeugen vom organischen Charakter dieser historischen Textilien und erinnern daran, dass diese Objekte mehr als ein Jahrhundert überdauert haben.