III. Reich - Deutscher Luthertag 10. November 1933
Das Abzeichen zum Deutschen Luthertag vom 10. November 1933 stellt ein bedeutsames Zeugnis der komplexen Beziehung zwischen evangelischer Kirche und dem nationalsozialistischen Regime in den frühen Jahren des Dritten Reiches dar. Dieses Buntmetallabzeichen, hergestellt von Alfred Stübbe Berlin S.W. 19, dokumentiert eine Veranstaltung, die im Spannungsfeld zwischen kirchlicher Tradition und politischer Vereinnahmung stattfand.
Der Deutsche Luthertag 1933 wurde anlässlich des 450. Geburtstages von Martin Luther begangen, der am 10. November 1483 geboren wurde. Diese Jubiläumsfeier fiel in eine Zeit tiefgreifender Umwälzungen in Deutschland. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im Januar 1933 befand sich die evangelische Kirche in einer prekären Situation zwischen Anpassung und Widerstand.
Die Firma Alfred Stübbe in Berlin-Südwest war einer der zahlreichen Hersteller von Abzeichen und Medaillen in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Berlin SW 19 bezeichnete einen Postbezirk in Kreuzberg, wo sich mehrere Metallwarenbetriebe angesiedelt hatten. Solche Betriebe produzierten sowohl kirchliche als auch weltliche Abzeichen, wobei die Grenzen nach 1933 zunehmend verschwammen.
Der historische Kontext des Jahres 1933 war geprägt von der Deutschen Glaubensbewegung und den Auseinandersetzungen um die Deutschen Christen, eine nationalsozialistische Strömung innerhalb der evangelischen Kirche. Diese versuchten, christlichen Glauben mit nationalsozialistischer Ideologie zu verschmelzen. Im Gegensatz dazu formierte sich die Bekennende Kirche als Widerstandsbewegung gegen die Gleichschaltung.
Luther selbst wurde von den Nationalsozialisten instrumentalisiert, insbesondere wegen seiner späteren antijüdischen Schriften. Die Feierlichkeiten zum Luthergeburtstag 1933 wurden daher von verschiedenen Seiten mit unterschiedlichen Intentionen begangen. Während traditionelle Lutheraner den Reformator als Kirchenerneuerer würdigten, versuchten die Nationalsozialisten, ihn als deutschen Nationalhelden darzustellen.
Abzeichen wie dieses waren im Dritten Reich von großer Bedeutung für die visuelle Propaganda und die Schaffung von Zugehörigkeitsgefühlen. Sie wurden bei Veranstaltungen getragen und dienten als sichtbare Zeichen der Teilnahme. Das Material Buntmetall war typisch für Massenproduktionen dieser Zeit, da es kostengünstig und dennoch haltbar war.
Die Nadelkonstruktion auf der Rückseite ermöglichte das Befestigen an der Kleidung, typischerweise am Revers oder an der Brust. Solche Anstecknadeln wurden oft als Erinnerungsstücke aufbewahrt und dokumentieren heute wichtige historische Ereignisse und die Alltagskultur jener Zeit.
Die Bewahrung solcher Objekte ist für die historische Forschung von großem Wert, da sie materielle Zeugnisse einer komplexen und widersprüchlichen Epoche darstellen. Sie erinnern an die Versuche totalitärer Regime, alle Lebensbereiche einschließlich der Religion zu kontrollieren und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Gleichzeitig zeigen sie die Ambivalenz vieler Deutscher jener Zeit, die zwischen Tradition und den Forderungen des neuen Regimes navigieren mussten.