III. Reich - Winterhilfswerk D.R.K.B. Kyffhäuser Landesverband Kurpfalz 1936

Eisenblechabzeichen, an Nadel, Zustand 2.
286495
40,00

III. Reich - Winterhilfswerk D.R.K.B. Kyffhäuser Landesverband Kurpfalz 1936

Das Winterhilfswerk (WHW) gehörte zu den bedeutendsten Wohlfahrtsorganisationen im nationalsozialistischen Deutschland und wurde im September 1933 offiziell gegründet. Das hier vorliegende Abzeichen aus dem Jahr 1936 dokumentiert die enge Verbindung zwischen dem WHW und dem Deutschen Roten Kreuz Kyffhäuserbund (D.R.K.B.) im Landesverband Kurpfalz, einer Region im heutigen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes wurde als Nachfolgeorganisation früherer Winterhilfen der Weimarer Republik konzipiert, jedoch mit weitreichenderen Zielen der sozialen Kontrolle und Propaganda. Unter der Leitung von Erich Hilgenfeldt, der dem Stab des Reichspropagandaministeriums angehörte, entwickelte sich das WHW zu einer Massenorganisation, die zwischen 1933 und 1945 Millionen von Reichsmark für bedürftige “Volksgenossen” sammelte.

Die Sammeltätigkeit erfolgte durch verschiedene Methoden, darunter Straßensammlungen, Haussammlungen und den Verkauf von Abzeichen. Diese Spendenabzeichen wurden aus verschiedenen Materialien hergestellt, darunter Metall, Keramik, Holz und – wie im vorliegenden Fall – Eisenblech. Die Abzeichen dienten nicht nur als Spendenquittung, sondern auch als sichtbares Zeichen der Teilnahme an der “Volksgemeinschaft”. Wer kein Abzeichen trug, setzte sich dem Verdacht aus, sich der Solidarität zu verweigern, was erheblichen sozialen Druck erzeugte.

Die Verbindung zum Deutschen Roten Kreuz Kyffhäuserbund ist besonders bemerkenswert. Der Kyffhäuserbund war ursprünglich ein Veteranenverband, der 1900 gegründet wurde und Soldaten des Ersten Weltkriegs und frühere Militärangehörige vereinte. Nach 1933 wurde der Bund gleichgeschaltet und in die NS-Organisationsstruktur eingegliedert. Die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz, das ebenfalls der nationalsozialistischen Kontrolle unterlag, verstärkte die paramilitärische und volksgesundheitliche Ausrichtung der Wohlfahrtspflege.

Der Landesverband Kurpfalz umfasste Gebiete um Heidelberg, Mannheim und die Pfalz – Regionen mit bedeutender wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung. Die regionalen Untergliederungen des WHW waren hierarchisch organisiert und spiegelten die föderale Struktur des Reiches wider, wobei sie gleichzeitig zentral gesteuert wurden. Lokale Abzeichen wie dieses dokumentieren die flächendeckende Organisation und die Bemühungen, auch auf regionaler Ebene Identifikation und Partizipation zu erzeugen.

Das Jahr 1936 markiert einen wichtigen Zeitpunkt in der NS-Geschichte. In diesem Jahr fanden die Olympischen Spiele in Berlin statt, die Deutschland international präsentieren sollten. Gleichzeitig wurde die Aufrüstung intensiviert, und die Wirtschaft wurde zunehmend auf Kriegsvorbereitungen ausgerichtet. Das WHW spielte in diesem Kontext eine doppelte Rolle: Einerseits linderte es tatsächliche soziale Not, andererseits diente es der Propaganda und der Mobilisierung der Bevölkerung für die Ziele des Regimes.

Die technische Ausführung des Abzeichens als Eisenblechprägung war typisch für die Massenproduktion jener Zeit. Diese Herstellungsmethode ermöglichte eine kostengünstige Fertigung großer Stückzahlen. Die Befestigung mittels Nadel erlaubte das einfache Anbringen an der Kleidung, was die Sichtbarkeit der Teilnahme an den Sammelaktionen garantierte. Die Zustandsangabe “2” nach dem deutschen Erhaltungsgradsystem deutet auf einen sehr guten Erhaltungszustand mit nur geringen Gebrauchsspuren hin.

Aus heutiger historischer Perspektive sind solche Abzeichen wichtige Sachzeugen der NS-Zeit. Sie dokumentieren nicht nur die organisatorische Durchdringung der Gesellschaft, sondern auch die Mechanismen sozialer Kontrolle und Propaganda. Das WHW sammelte während seiner Existenz schätzungsweise über 8 Milliarden Reichsmark – eine enorme Summe, die teilweise der Unterstützung Bedürftiger diente, aber auch in andere Projekte des Regimes floss.

Die wissenschaftliche Erforschung des Winterhilfswerks hat gezeigt, dass die Organisation weit mehr als eine reine Wohltätigkeitseinrichtung war. Sie fungierte als Instrument der Massenmobilisierung, der ideologischen Erziehung und der Vorbereitung auf den Krieg. Die Einbindung traditioneller Organisationen wie des Roten Kreuzes und des Kyffhäuserbundes verdeutlicht die Strategie der Nationalsozialisten, bestehende Strukturen zu nutzen und gleichzuschalten.

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