Königreich Bayern/ Sachsen/ Württemberg Königsabzeichen für die Artillerie 1902

Vergoldetes Ärmelabzeichen mit gekreuzten Kanonenrohren, Eichenlaubkranz, Königskrone und Verleihungsjahr «1902» auf dunkelblauer Tuchunterlage, komplett mit der Rückenplatte. Zustand 2.

Die Auszeichnung wurde in diesem Jahr an die:
3. Batterie des Kgl. Sächs. 2. Feld-Art.-Rgt. Nr. 28
4. Batterie des Kgl. Sächs. 3. Feld-Art.-Rgt. Nr. 32
7. Batterie des Kgl. Sächs. 1. Fußart.-Rgt. Nr. 12
4. Batterie des Kgl. Bayer. 5. Feldart.-Rgt. König Alfons XIII. v. Sp.
1. Batterie des Kgl. Bayer. 8. Feldart.-Rgt. Prinz Hein. v. Pr.n
5. Batterie des Kgl. Bayer. 1. Fußart.-Rgt.
verliehen.




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375,00

Königreich Bayern/ Sachsen/ Württemberg Königsabzeichen für die Artillerie 1902

Das Königsabzeichen für die Artillerie stellt eine besondere Kategorie militärischer Auszeichnungen im Deutschen Kaiserreich dar, die sich deutlich von den individuellen Tapferkeitsmedaillen unterscheidet. Diese kollektiven Ehrenzeichen wurden nicht an einzelne Soldaten verliehen, sondern an ganze Artilleriebatterien für herausragende Leistungen bei Schießwettbewerben und militärischen Übungen.

Die Tradition der Königsabzeichen entwickelte sich im späten 19. Jahrhundert, als die technische Modernisierung der Artillerie und die zunehmende Bedeutung präzisen Schießens neue Formen der Anerkennung erforderlich machten. Im Gegensatz zu den preußischen Ärmelabzeichen, die bereits seit den 1860er Jahren existierten, führten die süddeutschen Königreiche Bayern, Württemberg und Sachsen ihre eigenen Systeme ein, die den föderalen Charakter des Deutschen Reiches widerspiegelten.

Das hier beschriebene Abzeichen von 1902 zeigt die typischen Elemente dieser Auszeichnungen: gekreuzte Kanonenrohre als Symbol der Waffengattung, einen Eichenlaubkranz als traditionelles Zeichen militärischer Ehre, die Königskrone als Hinweis auf die königliche Verleihung und das Verleihungsjahr. Die vergoldete Ausführung auf dunkelblauer Tuchunterlage entsprach den strengen heraldischen und uniformkundlichen Vorschriften der Zeit. Das dunkelblaue Tuch war die charakteristische Waffenfarbe der Artillerie in den deutschen Armeen.

Die Verleihung im Jahr 1902 erfolgte an sechs Batterien aus den Königreichen Sachsen und Bayern. Aus Sachsen wurden die 3. Batterie des 2. Feldartillerie-Regiments Nr. 28, die 4. Batterie des 3. Feldartillerie-Regiments Nr. 32 und die 7. Batterie des 1. Fußartillerie-Regiments Nr. 12 ausgezeichnet. Die bayerischen Empfänger waren die 4. Batterie des 5. Feldartillerie-Regiments König Alfons XIII. von Spanien, die 1. Batterie des 8. Feldartillerie-Regiments Prinz Heinrich von Preußen und die 5. Batterie des 1. Fußartillerie-Regiments.

Die Namengebung der bayerischen Regimenter nach ausländischen Monarchen und deutschen Prinzen war Teil der dynastischen Traditionspflege im Kaiserreich. König Alfons XIII. von Spanien stand als junger Monarch in enger Verbindung zum deutschen Kaiserhaus, während Prinz Heinrich von Preußen, der jüngere Bruder Kaiser Wilhelms II., als Großadmiral und Mitglied der kaiserlichen Familie hohes Ansehen genoss.

Die Unterscheidung zwischen Feldartillerie und Fußartillerie war in dieser Epoche von großer Bedeutung. Die Feldartillerie war mobil und begleitete die Infanterie- und Kavallerieverbände im Manöver und Gefecht. Die Fußartillerie hingegen bediente schwerere Geschütze und war traditionell für die Festungs- und Belagerungsartillerie sowie später für die schwere Feldartillerie zuständig.

Das Abzeichen wurde auf dem rechten Oberärmel der Uniform getragen und war mit einer Rückenplatte versehen, die eine dauerhafte Befestigung am Uniformrock ermöglichte. Alle Angehörigen der ausgezeichneten Batterie durften das Abzeichen tragen, solange sie dieser Einheit angehörten. Dies stärkte den Korpsgeist und den Stolz auf die gemeinsam erreichte Leistung.

Die Schießwettbewerbe, bei denen diese Auszeichnungen errungen wurden, waren keine bloßen sportlichen Veranstaltungen, sondern ernst zu nehmende militärische Prüfungen. Sie umfassten verschiedene Disziplinen: Zielgenauigkeit auf unterschiedliche Entfernungen, Geschwindigkeit der Feuerfolge, Koordination innerhalb der Batterie und die Fähigkeit, unter erschwerten Bedingungen zu operieren. Die Artillerie galt als technisch anspruchsvollste Waffengattung, und ihre Leistungsfähigkeit war entscheidend für den Ausgang moderner Schlachten.

Im Jahr 1902 befand sich das Deutsche Reich in einer Phase relativer Stabilität und wirtschaftlicher Prosperität. Die Armee wurde kontinuierlich modernisiert, wobei besonderer Wert auf die Artillerie gelegt wurde. Die Entwicklung von Schnellfeuergeschützen und verbesserter Munition veränderte die taktischen Möglichkeiten grundlegend. Die Leistungen, die zum Erhalt des Königsabzeichens führten, spiegelten diese technische Evolution wider.

Das föderale System des Kaiserreichs erlaubte es den Einzelstaaten, eigene militärische Traditionen zu pflegen. Die bayerische Armee behielt bis 1918 ihre organisatorische Eigenständigkeit, ebenso wie die sächsische und württembergische Armee. Dies manifestierte sich in unterschiedlichen Uniformen, Rangabzeichen und eben auch in eigenständigen Auszeichnungssystemen wie den Königsabzeichen.

Heute sind diese Abzeichen wichtige Zeugnisse der deutschen Militärgeschichte und der föderalen Struktur des Kaiserreichs. Sie dokumentieren nicht nur die Geschichte einzelner Regimenter, sondern auch die Entwicklung militärischer Ausbildung, den Stellenwert technischer Expertise und die Bedeutung kollektiver Leistung im preußisch-deutschen Militärsystem. Für Sammler und Historiker bieten sie wertvolle Einblicke in die Organisation, Hierarchie und Tradition der kaiserlichen Armeen vor dem Ersten Weltkrieg.

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