Königreich Sachsen Kabinettfoto eines Feldwebels im 3. Feldartillerie-Regiment Nr. 32

Standort Riesa, um 1900. Sehr schönes Foto welches viele Details zur Uniformierung erkennen lässt. Hervorzuheben die schwedischen Aufschläge und das Abzeichen für Richtkanoniere auf dem linken Ärmel. Hier die Granate in der besonderen Form wie sie von diesem Regiment auf den Schulterklappen bis etwa 1902 getragen wurde. Auf Hartkarton gezogen. Maße ca. 15 x 24 cm. Fotoatelier "Carl Buchholz Wanne I...". Zustand 2.
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Königreich Sachsen Kabinettfoto eines Feldwebels im 3. Feldartillerie-Regiment Nr. 32

Dieses Kabinettfoto dokumentiert einen Feldwebel des 3. Feldartillerie-Regiments Nr. 32 des Königreichs Sachsen um das Jahr 1900 und bietet einen faszinierenden Einblick in die Uniformierung und militärische Kultur der sächsischen Armee in der ausgehenden wilhelminischen Ära.

Das 3. Feldartillerie-Regiment Nr. 32 wurde am 1. Oktober 1887 in Riesa aufgestellt und gehörte zur 1. Division des XII. (Königlich Sächsischen) Armeekorps. Die Standortwahl Riesa war strategisch bedeutsam, da die Stadt über wichtige Eisenbahnverbindungen verfügte und sich im Zentrum Sachsens befand. Das Regiment bestand aus zwei Abteilungen mit insgesamt sechs Batterien und war mit gezogenen Feldgeschützen ausgerüstet, die damals modernste Artillerietechnik repräsentierten.

Die auf dem Foto erkennbare Uniform zeigt charakteristische Merkmale der sächsischen Artillerie. Besonders bemerkenswert sind die schwedischen Aufschläge an den Ärmeln – eine Uniformdetail, das auf die historischen militärischen Verbindungen zwischen Sachsen und Schweden zurückgeht. Diese spezielle Form der Ärmelaufschläge unterschied sich deutlich von den preußischen Brandenburg-Aufschlägen und war ein stolzes Kennzeichen der sächsischen Militärtradition.

Von besonderem Interesse ist das auf dem linken Ärmel getragene Abzeichen für Richtkanoniere. Diese Spezialistenabzeichen wurden an Unteroffiziere und Mannschaften verliehen, die eine besondere Ausbildung im präzisen Ausrichten und Bedienen der Geschütze absolviert hatten. Das Richtkanonierswesen war für die Artillerie von entscheidender Bedeutung, da die Treffergenauigkeit maßgeblich von der Fähigkeit der Richtschützen abhing. Die Granate als Symbol auf diesem Abzeichen erscheint in der besonderen Form, wie sie vom Regiment auf den Schulterklappen bis etwa 1902 getragen wurde – ein wichtiges Detail für die Datierung und Identifizierung.

Der Rang des Feldwebels stellte in der kaiserlichen Armee den höchsten Unteroffiziersdienstgrad dar. Feldwebel waren das Rückgrat der militärischen Organisation, verantwortlich für Ausbildung, Disziplin und den reibungslosen Ablauf des täglichen Dienstes. In der Artillerie trugen sie besondere Verantwortung für die technische Ausbildung der Mannschaften und die ordnungsgemäße Wartung der komplexen Geschützsysteme.

Das Kabinettformat (etwa 15 x 24 cm) war um 1900 das Standardformat für professionelle Portraitfotografie. Diese auf Hartkarton aufgezogenen Fotografien wurden in spezialisierten Fotoateliers angefertigt, wie in diesem Fall bei “Carl Buchholz”. Solche Militärportraits dienten mehreren Zwecken: Sie waren persönliche Erinnerungsstücke für die Soldaten und ihre Familien, dokumentierten den militärischen Status und wurden oft bei besonderen Anlässen wie Beförderungen oder vor Versetzungen angefertigt.

Die Zeit um 1900 war für die sächsische Armee eine Phase der Modernisierung. Nach den Erfahrungen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 wurde die Artillerie kontinuierlich weiterentwickelt. Neue Rohrrücklaufgeschütze begannen die älteren starr montierten Kanonen zu ersetzen, und die taktische Doktrin der Artillerie wandelte sich grundlegend. Die Feldartillerie entwickelte sich von einer Waffe des direkten Beschusses zu einer, die zunehmend aus gedeckten Stellungen operierte.

Das Königreich Sachsen behielt im Rahmen des Deutschen Kaiserreichs eine weitgehende militärische Autonomie. Das XII. Armeekorps unterstand in Friedenszeiten direkt dem sächsischen Kriegsministerium in Dresden. Erst im Kriegsfall ging das Kommando an die preußisch dominierte Reichsleitung über. Diese Sonderstellung spiegelte sich auch in den Uniformen wider, die sich in vielen Details von den preußischen unterschieden.

Die fotografische Dokumentation von Soldaten in dieser Epoche hatte auch gesellschaftliche Bedeutung. Der Militärdienst galt als Ehre und Bürgerpflicht, und die Uniform symbolisierte nicht nur militärischen Rang, sondern auch gesellschaftliches Prestige. Besonders Unteroffiziere wie Feldwebel, die oft lange Dienstzeiten absolvierten, waren stolz auf ihre Position und ließen sich gerne in voller Montur fotografieren.

Solche historischen Fotografien sind heute wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung. Sie ergänzen die schriftlichen Uniformvorschriften und bieten authentische Einblicke in die tatsächliche Trageweise und individuelle Variationen der Uniformierung. Für Sammler und Historiker sind sie unverzichtbare Dokumente zur Rekonstruktion der Uniformgeschichte und des militärischen Alltags im deutschen Kaiserreich.

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