Kriegsmarine Dienstglas 7 x 50
Das Kriegsmarine Dienstglas 7x50 stellt eines der wichtigsten optischen Instrumente der deutschen Kriegsmarine während des Zweiten Weltkriegs dar. Dieses spezielle Exemplar wurde von Ernst Leitz GmbH in Wetzlar hergestellt, einem der renommiertesten deutschen Optikhersteller, der durch die Markierung “beh” mit der Fertigungsnummer 453883 identifiziert werden kann.
Die Entwicklung und Standardisierung von Marineferngläsern in Deutschland geht auf die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Die Spezifikation 7x50 wurde nicht zufällig gewählt: Die siebenfache Vergrößerung bot einen optimalen Kompromiss zwischen Detailerkennbarkeit und Bildstabilität bei der Beobachtung von einem schwankenden Schiffsdeck aus. Der 50-Millimeter-Objektivdurchmesser ermöglichte eine ausreichende Lichtsammlung für Dämmerungs- und Nachtbeobachtungen, was für die Marine von entscheidender Bedeutung war. Diese Konfiguration erzeugte eine Austrittspupille von etwa 7mm, die optimal an die maximale Pupillenöffnung des menschlichen Auges bei Dunkelheit angepasst war.
Die Ernst Leitz GmbH, weltbekannt für ihre Leica-Kameras, war einer der Hauptlieferanten optischer Geräte für die Wehrmacht. Das Unternehmen in Wetzlar verfügte über jahrzehntelange Erfahrung in der Herstellung hochwertiger optischer Systeme. Während des Krieges verwendete man Tarnkennungen, um die Hersteller zu verschleiern; “beh” war die offizielle Herstellercode-Bezeichnung für Leitz. Diese Kodierung wurde ab 1940 systematisch eingeführt, um bei Beutestücken die Identifizierung deutscher Rüstungsbetriebe zu erschweren.
Das Dienstglas war mit Trockenpatronen ausgestattet, einem wichtigen technischen Detail. Diese Patronen enthielten hygroskopische Substanzen wie Silicagel, die Feuchtigkeit absorbierten und so das Beschlagen der Optik von innen verhinderten. In der feuchten Meeresumgebung war dies unerlässlich für die Funktionsfähigkeit der Instrumente. Die Patronen mussten regelmäßig erneuert oder regeneriert werden, was in den Wartungsvorschriften der Kriegsmarine detailliert beschrieben war.
Die erwähnte fehlende Strichplatte (Retikel) ist bemerkenswert. Während viele Marineferngläser mit Strichplatten zur Entfernungs- und Winkelmessung ausgestattet waren, gab es auch Varianten ohne diese Einrichtung für die allgemeine Beobachtung. Strichplatten konnten verschiedene Formen annehmen: einfache Fadenkreuze, Winkelskalen oder komplexere Messsysteme zur ballistischen Berechnung.
Die Gummierung des Fernglases diente mehreren Zwecken: Sie schützte das Instrument vor Stößen, verbesserte den Halt auch bei nassen Händen und bot einen gewissen Schutz für die empfindliche Mechanik im Inneren. Der Okularschutz verhinderte das Eindringen von Spritzwasser und Licht von der Seite. Dass diese Teile ersetzt wurden, ist nicht ungewöhnlich; Gummi altert und wird spröde, besonders wenn es Salzwasser und UV-Strahlung ausgesetzt war.
Marineferngläser wurden in verschiedenen Bereichen der Kriegsmarine eingesetzt: auf Brücken von Überwasserschiffen, bei U-Boot-Wachoffizieren, in Küstenbefestigungen und bei Marineinfanterieeinheiten. Die Ausgabe und Verwendung dieser Instrumente war streng geregelt durch die H.Dv. (Heeresdienstvorschrift) und entsprechende Marine-Dienstvorschriften. Jedes Fernglas wurde inventarisiert und einem bestimmten Verantwortlichen zugewiesen.
Die optische Qualität deutscher Ferngläser aus dieser Zeit galt international als herausragend. Neben Leitz waren auch Firmen wie Carl Zeiss, Hensoldt und Emil Busch bedeutende Lieferanten. Die Vergütung der Linsen, ein Verfahren zur Reduzierung von Lichtreflexionen durch Aufbringen dünner Schichten auf die Glasoberflächen, wurde in Deutschland perfektioniert und verlieh den Instrumenten ihre charakteristische bläuliche oder bernsteinfarbene Tönung.
Nach Kriegsende wurden viele dieser Ferngläser als Kriegsbeute von alliierten Soldaten mitgenommen oder von Zivilisten gefunden. Ihre robuste Konstruktion und ausgezeichnete Optik machten sie auch Jahrzehnte nach Kriegsende noch verwendbar. Heute sind sie gefragte Sammlerstücke, die sowohl von Militaria-Sammlern als auch von Optik-Enthusiasten geschätzt werden.
Der Erhaltungszustand dieses Exemplars wird als “Zustand 2” beschrieben, was in der Sammlerterminologie üblicherweise auf einen guten bis sehr guten Erhaltungsgrad hinweist mit geringen Gebrauchsspuren. Die leichte Fleckigkeit der Optik ist typisch für Instrumente dieses Alters und beeinträchtigt die Funktion meist nur minimal. Solche Flecken können durch Pilzbefall, Ausdünstungen von Schmiermitteln oder chemische Reaktionen im Glas selbst entstehen.
Das Kriegsmarine Dienstglas 7x50 von Leitz repräsentiert damit nicht nur ein Stück Militärgeschichte, sondern auch ein Zeugnis deutscher Feinmechanik und Optiktechnologie der 1930er und 1940er Jahre.