Kriegsmarine Wechselkragen und Bezug für die weiße Tellermütze

Wechselkragen für das blaue Hemd, sogenannter "Kieler Kragen", mit Trägeretikett "Sieber" und Kammerstempel. Tellermütze aus weißen Tuch und mit Trägeretikett "Siebel". Gewaschen, Zustand 2.
494595
100,00

Kriegsmarine Wechselkragen und Bezug für die weiße Tellermütze

Die hier vorliegenden Uniformstücke der Kriegsmarine – ein Wechselkragen für das blaue Hemd und ein Bezug für die weiße Tellermütze – repräsentieren typische Elemente der Marineuniform, die während des Zweiten Weltkriegs von deutschen Marinesoldaten getragen wurden.

Der Wechselkragen, auch als “Kieler Kragen” bekannt, war ein charakteristisches Merkmal der Kriegsmarine-Uniform. Dieser Kragen wurde über dem blauen Arbeitshemd getragen und diente sowohl praktischen als auch traditionellen Zwecken. Die Bezeichnung “Kieler Kragen” verweist auf die lange maritime Tradition der deutschen Marine und ihren historischen Stützpunkt in Kiel. Der Kragen war abnehmbar und waschbar, was im militärischen Alltag von großer praktischer Bedeutung war, da er die Lebensdauer der Uniform verlängerte und die Hygiene verbesserte.

Das Trägeretikett “Sieber” und der Kammerstempel auf dem Kragen sind wichtige Authentizitätsmerkmale. Kammerstempel wurden verwendet, um Uniformteile bestimmten Einheiten oder Versorgungsstellen zuzuordnen. Sie dienten der Inventarisierung und Nachverfolgung von Ausrüstungsgegenständen innerhalb der militärischen Verwaltung. Die Firma Sieber war einer von mehreren Zulieferern, die Uniformteile für die Wehrmacht und Kriegsmarine herstellten.

Die weiße Tellermütze (weiße Schirmmütze) war Teil der Sommeruniform der Kriegsmarine. Die Tellermütze erhielt ihren Namen durch ihre charakteristische flache, tellerförmige Oberseite. Im Gegensatz zur dunkelblauen Winterversion wurde die weiße Variante in den Sommermonaten oder in wärmeren Klimazonen getragen. Die Bekleidungsvorschriften der Kriegsmarine legten genau fest, wann welche Uniformvariante zu tragen war.

Die Uniformordnung der Kriegsmarine war streng geregelt und basierte auf der Anzugordnung für die Kriegsmarine (A.O.K.), die detaillierte Vorschriften über das Tragen der verschiedenen Uniformteile enthielt. Diese Regelungen unterschieden zwischen verschiedenen Dienstgraden, Anlässen und Jahreszeiten. Die Marineuniform hatte ihre Wurzeln in der Kaiserlichen Marine und behielt viele traditionelle Elemente bei, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichten.

Der Matrosenkragen, zu dem auch der Kieler Kragen gehörte, ist ein weltweit anerkanntes Symbol der Marineuniform. Seine Ursprünge liegen in der praktischen Notwendigkeit, das Uniformhemd vor den langen, gefetteten Haaren der Matrosen zu schützen, die diese im 18. und 19. Jahrhundert trugen. Obwohl diese praktische Notwendigkeit längst entfallen war, blieb das Element aus Traditionsgründen erhalten.

Die Beschaffung und Herstellung von Marineuniformen während des Zweiten Weltkriegs erfolgte über ein Netzwerk von Zulieferern und Schneidereien. Während zu Kriegsbeginn noch hohe Qualitätsstandards eingehalten wurden, führten die zunehmenden Materialengpässe im Kriegsverlauf zu Vereinfachungen und Qualitätseinbußen. Die hier vorliegenden Stücke mit dem Etikett “Siebel” (vermutlich eine Variante oder Schreibweise von Sieber) zeugen von der industriellen Fertigung dieser Uniformteile.

Die Pflege der Uniform war ein wichtiger Bestandteil des militärischen Alltags. Matrosen mussten ihre Uniformen in einwandfreiem Zustand halten, was regelmäßiges Waschen und Instandsetzen erforderte. Die Wechselkragen waren daher besonders praktisch, da sie häufiger gewaschen werden konnten als die gesamte Uniform. Die Angabe “gewaschen” im Zustandsbericht deutet darauf hin, dass diese Stücke tatsächlich im Dienst verwendet wurden.

Die Kriegsmarine wurde 1935 im Zuge der Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches offiziell gegründet, nachdem die Reichsmarine der Weimarer Republik umbenannt wurde. Sie bestand bis zur Kapitulation 1945. Während dieser Zeit trugen Hunderttausende von Marinesoldaten Uniformen wie die hier beschriebenen, von der Ostsee bis zum Nordatlantik, vom Mittelmeer bis zu den norwegischen Fjorden.

Heute sind solche Originalstücke wichtige zeithistorische Dokumente, die Einblick in die materielle Kultur und den Alltag der Kriegsmarine geben. Sie werden von Sammlern, Museen und Forschern geschätzt, um die Geschichte dieser Epoche zu dokumentieren und zu verstehen.