Polizei lange Hose für Mannschaften und Unteroffiziere der Gendarmerie 

Kammerstück, um 1939. Tuch in Polizeigrün, vorn mit 2 schräge Taschen, hinten 1 Gesäßtasche, seitlich mit oranger Paspelierung. Innen mit grünem Baumwollfutter, Konfektionsstempel und Kammerstempel " Albert Kuhl Uniformen Münster Essen ". Maße: Bundumfang ca. 84 cm, Gesamtlänge ca. 113 cm. Einige Mottenspuren und Mottenlöcher an den Beinen. Zustand 2-
491895
550,00

Polizei lange Hose für Mannschaften und Unteroffiziere der Gendarmerie 

Die vorliegende Polizeihose für Mannschaften und Unteroffiziere der Gendarmerie aus der Zeit um 1939 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Polizeiuniformierung in der unmittelbaren Vorkriegs- und frühen Kriegszeit des Zweiten Weltkriegs. Das Kammerstück stammt aus der Produktion von Albert Kuhl Uniformen mit Standorten in Münster und Essen, einem etablierten Uniformhersteller jener Ära.

Die Gendarmerie bildete im Deutschen Reich einen wesentlichen Bestandteil der polizeilichen Ordnungskräfte, insbesondere im ländlichen Raum. Während die Schutzpolizei vornehmlich in städtischen Gebieten agierte, war die Gendarmerie für die Sicherheit und Ordnung in kleineren Gemeinden, Dörfern und auf dem Land zuständig. Diese Aufteilung der polizeilichen Zuständigkeiten hatte in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichte.

Die Uniformierung der deutschen Polizei erfuhr während der nationalsozialistischen Herrschaft erhebliche Veränderungen. Nach der Machtübernahme 1933 begann eine schrittweise Vereinheitlichung und Militarisierung der Polizeikräfte. Die Verreichlichung der Polizei ab 1936 unter Heinrich Himmler als Chef der Deutschen Polizei führte zu standardisierten Uniformvorschriften und einer engeren Verzahnung mit den SS-Strukturen.

Das charakteristische Polizeigrün des Tuchs war die offizielle Farbe der deutschen Polizeiuniformen dieser Periode. Diese Farbgebung unterschied die Polizei deutlich von der feldgrauen Wehrmacht und den schwarzen bzw. später feldgrauen SS-Uniformen. Die orange Paspelierung an den Seiten der Hose war ein spezifisches Kennzeichen der Gendarmerie und diente der Unterscheidung von anderen Polizeieinheiten. Die Schutzpolizei verwendete beispielsweise grüne Paspelierungen, während die Feuerschutzpolizei rote Abzeichen trug.

Die praktische Gestaltung der Hose mit zwei schrägen Vordertaschen und einer Gesäßtasche entsprach den funktionalen Anforderungen des Polizeidienstes. Das grüne Baumwollfutter sorgte für Tragekomfort und Haltbarkeit. Der Kammerstempel weist darauf hin, dass es sich um ein offiziell ausgegebenes Uniformstück handelte, das in den Depots bzw. “Kammern” der Polizeibehörden verwaltet wurde. Der Konfektionsstempel ermöglichte die Nachverfolgung und Verwaltung der Uniformbestände.

Die Firma Albert Kuhl gehörte zu den zahlreichen privaten Uniformherstellern, die im Auftrag staatlicher Stellen produzierten. Die Standorte Münster und Essen waren bedeutende Industriestädte im Ruhrgebiet, einer Region mit ausgeprägter Textil- und Bekleidungsindustrie. Die Produktion von Uniformen wurde besonders ab 1939 mit Kriegsbeginn intensiviert, um den wachsenden Bedarf der militärischen und paramilitärischen Organisationen zu decken.

Die Datierung um 1939 ist von besonderer historischer Bedeutung. In diesem Jahr begann mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September der Zweite Weltkrieg. Die Polizeikräfte, einschließlich der Gendarmerie, wurden zunehmend für kriegsrelevante Aufgaben herangezogen. Polizeibataillone wurden aufgestellt und in den besetzten Gebieten eingesetzt, wo sie an Kriegsverbrechen und der Verfolgung der Zivilbevölkerung beteiligt waren.

Die Gendarmerie selbst hatte im deutschen Polizeisystem eine lange Geschichte. Als militärisch organisierte Polizeitruppe war sie bereits im Kaiserreich und in der Weimarer Republik für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung im ländlichen Raum verantwortlich. Gendarmen waren häufig in kleinen Posten stationiert und mussten ein breites Spektrum polizeilicher Aufgaben erfüllen, von der Verkehrsüberwachung bis zur Kriminalitätsbekämpfung.

Die erhaltenen Mottenschäden an diesem Exemplar sind typisch für Textilien aus dieser Zeit, die nicht unter optimalen konservatorischen Bedingungen aufbewahrt wurden. Sie schmälern jedoch nicht den historischen und musealen Wert des Objekts als authentisches Zeugnis deutscher Polizeigeschichte.

Uniformstücke wie diese Hose sind heute wichtige Quellen für die historische Forschung. Sie ermöglichen Erkenntnisse über Herstellungstechniken, Materialverwendung, Tragegewohnheiten und die Organisation staatlicher Bekleidungsbeschaffung. Zugleich erinnern sie an die dunklen Kapitel deutscher Geschichte, in denen Polizeikräfte zu Instrumenten eines verbrecherischen Regimes wurden.

Für Sammler und Museen stellen solche Originalstücke mit nachweisbarer Provenienz bedeutende Objekte dar, die zur Dokumentation und kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit beitragen. Die Kennzeichnung durch Hersteller- und Kammerstempel macht dieses Stück besonders wertvoll für die historische Forschung.

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