Reichsnährstand ( RNSt ) - Brosche " Kriegs-Ernte-Dank 1940 - Landesbauernschaft Bayer. Ostmark "
Der Reichsnährstand und die Kriegs-Ernte-Dank-Brosche 1940
Die vorliegende Brosche aus bronziertem Eisen repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der nationalsozialistischen Agrarpolitik während des Zweiten Weltkriegs. Sie wurde 1940 von der Landesbauernschaft Bayerische Ostmark im Rahmen der Kriegs-Ernte-Dank-Feierlichkeiten ausgegeben.
Der Reichsnährstand
Der Reichsnährstand (RNSt) wurde am 13. September 1933 durch das Reichsnährstandsgesetz als Zwangsorganisation für alle in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Nahrungsmittelverarbeitung tätigen Personen gegründet. Unter der Leitung von Richard Walther Darré, der als Reichsbauernführer und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft fungierte, sollte diese Organisation die gesamte deutsche Nahrungsmittelproduktion koordinieren und kontrollieren. Die Struktur des Reichsnährstandes basierte auf dem Führerprinzip und gliederte sich in regionale Landesbauernschaften, Kreisbauernschaften und örtliche Ortsbauernschaften.
Die Bayerische Ostmark
Der Begriff Bayerische Ostmark bezeichnete nach 1933 die östlichen Gebiete Bayerns, insbesondere die Oberpfalz und Niederbayern. Diese Regionen galten als strategisch wichtige Grenzgebiete zum sogenannten “Ostland” und wurden propagandistisch als Bollwerk des Deutschtums dargestellt. Die Landesbauernschaft Bayerische Ostmark war eine der regionalen Untergliederungen des Reichsnährstandes und koordinierte die landwirtschaftliche Produktion in diesem Gebiet.
Kriegs-Ernte-Dank 1940
Die Erntedankfeste erfuhren unter dem nationalsozialistischen Regime eine massive propagandistische Aufwertung. Das traditionelle christliche Erntedankfest wurde umgedeutet und in ein weltanschauliches Fest der “Blut-und-Boden”-Ideologie transformiert. Ab 1933 fand jährlich auf dem Bückeberg bei Hameln das zentrale Reichserntedankfest statt, das bis zu einer Million Menschen anzog.
Das Jahr 1940 markierte einen besonderen Zeitpunkt: Nach dem erfolgreichen Westfeldzug gegen Frankreich im Sommer 1940 stand das Deutsche Reich auf dem Höhepunkt seiner militärischen Erfolge. Die Ernte 1940 war von enormer strategischer Bedeutung, da sie die Ernährung der Bevölkerung und der Wehrmacht während des sich ausweitenden Krieges sichern sollte. Der “Kriegs-Ernte-Dank” betonte die Wichtigkeit der Heimatfront und die Rolle der Bauernschaft als “Ernährer der Nation”.
Funktion und Bedeutung der Brosche
Solche Broschen dienten mehreren Zwecken: Erstens waren sie Auszeichnungen für besondere Leistungen in der landwirtschaftlichen Produktion oder für aktive Teilnahme an den Erntedankfesten. Zweitens fungierten sie als Propagandainstrumente, die die Verbundenheit mit der nationalsozialistischen Ideologie und speziell mit der Blut-und-Boden-Philosophie demonstrierten. Drittens dienten sie als Erkennungszeichen innerhalb der hierarchischen Struktur des Reichsnährstandes.
Materialbeschaffenheit
Die Verwendung von bronziertem Eisen ist charakteristisch für die Kriegszeit. Während in den Friedensjahren vor 1939 solche Abzeichen häufig aus wertvolleren Materialien wie Bronze oder sogar Silber gefertigt wurden, musste ab Kriegsbeginn auf kriegswichtige Metalle verzichtet werden. Eisen wurde bronziert, um einen edleren Eindruck zu erwecken, während gleichzeitig Ressourcen geschont wurden. Dies entspricht der allgemeinen Materialknappheit und den Rationierungsmaßnahmen während des Zweiten Weltkriegs.
Historische Einordnung
Die Agrarpolitik des NS-Regimes war von widersprüchlichen Zielen geprägt. Einerseits propagierte man die romantisierte Vorstellung des Bauerntums als “Urquell der Nation”, andererseits unterlag die Landwirtschaft einer zunehmend bürokratischen Kontrolle und Zwangsbewirtschaftung. Der Reichsnährstand kontrollierte Produktion, Preise und Verteilung landwirtschaftlicher Erzeugnisse bis ins kleinste Detail. Bauern verloren weitgehend ihre wirtschaftliche Selbständigkeit.
Das Jahr 1940 markierte auch einen Wendepunkt: Während die militärischen Erfolge noch Optimismus verbreiteten, zeichneten sich bereits die Probleme der Versorgungslage ab, die sich in den folgenden Kriegsjahren dramatisch verschärfen sollten.
Sammlerwert und historische Bedeutung
Heute sind solche Broschen wichtige zeithistorische Dokumente, die Einblick in die Alltagskultur und Propaganda des NS-Regimes geben. Sie belegen die Durchdringung aller Lebensbereiche mit nationalsozialistischer Ideologie und zeigen, wie traditionelle Feste und Bräuche für politische Zwecke instrumentalisiert wurden. Der Erhaltungszustand solcher Objekte variiert stark, wobei der angegebene “Zustand 2” auf eine gut erhaltene, gebrauchte Brosche mit nur leichten Altersspuren hindeutet.