Deutscher Baugewerksbund ( DBB ) - Mitgliedsabzeichen 2. Form

groß, an langer Nadel, Hersteller : Graveur Fischer Hamburg, Zustand 2.
238196
€ 25,00

Deutscher Baugewerksbund ( DBB ) - Mitgliedsabzeichen 2. Form

Das Mitgliedsabzeichen des Deutschen Baugewerksbunds (DBB) in seiner zweiten Form repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der deutschen Arbeiterbewegung und Gewerkschaftsgeschichte. Der Deutsche Baugewerksbund war eine der wichtigsten Organisationen für Bauarbeiter im deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik, die sich für die Rechte und Interessen der im Baugewerbe Beschäftigten einsetzte.

Der Deutsche Baugewerksbund wurde am 18. Juni 1869 in Weimar gegründet und entwickelte sich zu einer der mitgliederstärksten Gewerkschaften in Deutschland. Die Organisation entstand in einer Zeit tiefgreifender industrieller Veränderungen, als Bauarbeiter unter oft gefährlichen Bedingungen, langen Arbeitszeiten und geringer Bezahlung litten. Der DBB kämpfte für bessere Arbeitsbedingungen, faire Löhne, Arbeitszeitverkürzung und soziale Absicherung seiner Mitglieder.

Das vorliegende Abzeichen wurde von Graveur Fischer aus Hamburg hergestellt, einem renommierten Hersteller von Vereins- und Verbandsabzeichen. Hamburg war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum für die Produktion von Metallwaren und Abzeichen. Die Firma Fischer gehörte zu den etablierten Herstellern, die für verschiedene Organisationen hochwertige Mitgliedsabzeichen fertigten.

Die Bezeichnung “2. Form” weist darauf hin, dass es sich um eine spätere Version des ursprünglichen Mitgliedsabzeichens handelt. Im Laufe der Jahrzehnte passten Gewerkschaften ihre Abzeichen häufig an, sei es aus ästhetischen Gründen, aufgrund von Satzungsänderungen oder um neue symbolische Elemente zu integrieren. Die erste Form des DBB-Abzeichens existierte vermutlich seit den Gründungsjahren, während die zweite Form wahrscheinlich in der Zeit der Weimarer Republik oder möglicherweise bereits vor dem Ersten Weltkrieg eingeführt wurde.

Das Abzeichen ist groß ausgeführt und verfügt über eine lange Nadel, was typisch für Mitgliedsabzeichen dieser Epoche war. Diese Abzeichen wurden stolz an der Kleidung getragen, oft am Revers der Jacke, und dienten als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zur Gewerkschaftsbewegung. In einer Zeit, in der die Arbeiterbewegung gegen erheblichen Widerstand von Unternehmern und staatlichen Stellen kämpfen musste, war das öffentliche Tragen solcher Abzeichen auch ein Akt der Solidarität und des politischen Bekenntnisses.

Die Gewerkschaftsbewegung im Baugewerbe stand vor besonderen Herausforderungen. Bauarbeiter waren häufig saisonabhängig beschäftigt, was zu unsicheren Einkommensverhältnissen führte. Zudem war die Arbeit körperlich anspruchsvoll und gefährlich. Der DBB setzte sich erfolgreich für Tarifverträge ein, die Mindestlöhne festlegten und Arbeitszeiten regelten. Die Organisation spielte auch eine wichtige Rolle bei der Einführung von Unfallversicherungen und anderen Sozialleistungen.

Während der Weimarer Republik (1919-1933) erlebte der Deutsche Baugewerksbund eine Blütezeit. Die demokratische Verfassung garantierte Koalitionsfreiheit und Tarifautonomie, was den Gewerkschaften erhebliche Macht verlieh. Der DBB war Teil des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), des größten gewerkschaftlichen Dachverbands der Weimarer Zeit.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 endete die Existenz des Deutschen Baugewerksbunds abrupt. Am 2. Mai 1933 wurden alle freien Gewerkschaften zerschlagen, ihre Vermögen beschlagnahmt und ihre Funktionäre verhaftet. Die Gewerkschaften wurden durch die Deutsche Arbeitsfront (DAF) ersetzt, eine nationalsozialistische Zwangsorganisation, die die Interessen der Arbeiterschaft den Zielen des Regimes unterordnete.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gewerkschaftsbewegung im Baugewerbe neu organisiert. In den westlichen Besatzungszonen entstand die Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden (IG BSE), die später in der IG BAU aufging. Diese Organisationen knüpften an die Traditionen des alten DBB an, passten sich aber den veränderten politischen und wirtschaftlichen Bedingungen der Bundesrepublik an.

Mitgliedsabzeichen wie das vorliegende sind heute wichtige historische Dokumente. Sie zeugen von der organisierten Arbeiterbewegung, von Solidarität und vom Kampf um soziale Gerechtigkeit. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in die Organisationsstrukturen, die symbolische Selbstdarstellung und die materielle Kultur der Gewerkschaftsbewegung. Das hier beschriebene Abzeichen mit seiner Herstellermarkierung von Graveur Fischer und seinem guten Erhaltungszustand ist ein wertvolles Zeugnis dieser bedeutenden Epoche deutscher Sozialgeschichte.