Der hier vorgestellte Ehrensäbel im Mamelukenstil ist ein außergewöhnliches Zeugnis preußisch-hessischer Militärgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts. Überreicht am 31. Mai 1828 an Prinz August Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg von den Offizieren des Garde Regiments Chevauxlegers des Großherzogtums Hessen, verkörpert dieses Stück sowohl die handwerkliche Meisterschaft der Solinger Klingenkunst als auch die tiefe persönliche Verbundenheit zwischen einem Kommandeur und seinen Offizieren.
Die dreizeilige Widmungsinschrift auf der Klinge lautet: „Seiner Durchlaucht, dem Obrist, Prinz von Wittgenstein, von den Officier’s des Garde Regiments Chevaux Legers, als einen Beweis ihrer Liebe und Verehrung am Tage seiner 25 jährigen Dienstfeyer, den 31. Mai 1828.“ Diese Worte bezeugen, dass der Säbel anlässlich des 25-jährigen Dienstjubiläums des Prinzen überreicht wurde, dessen militärische Karriere im Jahr 1803 begonnen hatte.
Der Empfänger: August Ludwig Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg
August Ludwig Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg wurde am 6. März 1788 auf Schloss Berleburg geboren und verstarb am 6. Januar 1874 ebenda. Seine militärische Laufbahn begann 1803 als Premierleutnant im Leibregiment in Darmstadt. Im Verlauf der Napoleonischen Kriege kämpfte er zunächst auf französischer Seite in Preußen, Österreich, Russland und Sachsen, bevor er nach der Völkerschlacht bei Leipzig auf die alliierte Seite wechselte und in Frankreich weiterkämpfte. 1812 zum Hauptmann befördert, erhielt er 1814 den Rang eines Oberstleutnants und das Kommando über das Leibregiment.
Zum Zeitpunkt der Überreichung dieses Ehrensäbels im Jahr 1828 diente der Prinz bereits seit einem Vierteljahrhundert im hessen-darmstädtischen Militär. Ab 1830 wurde er Kommandeur des Garderegiments Chevauxlegers – jener Einheit, deren Offiziere ihm diesen Säbel geschenkt hatten. Seine weitere Karriere war von bedeutenden Beförderungen gekennzeichnet: 1832 Generaladjutant, 1835 Generalmajor, 1840 Generalleutnant. Von 1835 bis 1844 diente er zudem als hessischer Gesandter in Preußen.
Über seine militärische Laufbahn hinaus spielte der Prinz eine bemerkenswerte politische Rolle. Im Jahr 1849 wurde er Reichsministerpräsident der Provisorischen Zentralgewalt. Von 7. Februar 1852 bis zum 30. Juni 1866 – dem Ende des Herzogtums Nassau infolge des Preußisch-Österreichischen Krieges – war er Staatsminister des Herzogtums Nassau. Die Annexion Nassaus durch Preußen im Jahr 1866 beendete auch seine politische Karriere. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählten der nassauische Hausorden vom Goldenen Löwen, den ihm Herzog Adolph 1858 verlieh, das Großkreuz des Militär- und Zivildienst-Ordens Adolphs von Nassau mit Schwertern, die nassauische Dienstehrenzeichen für Offiziere nach 50 Dienstjahren sowie die Medaille für den Feldzug von 1866. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er auf Schloss Berleburg.
Der Hersteller: P. Knecht, Solingen
Der Säbel trägt die Qualitätsbezeichnungen „Knecht’s Damast“ und „P. Knecht in Solingen 1828“. Solingen, die sogenannte „Klingenstadt“, war seit Jahrhunderten für die Herstellung hochwertiger Blankwaffen berühmt. Johann Peter Knecht gründete 1823 seine eigene Blankwaffenmanufaktur in Solingen und trat damit die Nachfolge seines Vaters Peter Wilhelm Knecht an. Der vorliegende Ehrensäbel aus dem Jahr 1828 fällt in die frühe Schaffensperiode der Werkstatt und bezeugt deren außerordentliche Fertigungsqualität bereits wenige Jahre nach der Gründung.
Der Mamelukenstil und sein historischer Kontext
Der Stil à la Mameluck geht auf Napoleons Ägyptenfeldzug zurück, bei dem der französische Kaiser Mamelucken-Einheiten aufstellte. Dies führte dazu, dass viele französische Offiziere diesen orientalisch beeinflussten Schwerttyp übernahmen. In der nachnapoleonischen Ära verbreitete sich die französische Militärmode weithin, auch nach Großbritannien. Mamelukenschwerter wurden ab dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts von Offizieren leichter Kavallerieregimenter übernommen; einige dienten als sogenannte „walking out swords“ – Zierwaffen für gesellschaftliche Anlässe. Als offiziell reglementierte Gala- oder Paradewaffen erschienen sie erstmals 1822 bei Ulanenregimentern und wurden später von anderen leichten sowie teils auch schweren Kavallerieregimentern übernommen.
Es sei betont, dass es sich bei diesem Stück nicht um eine reglementäre Dienstwaffe handelt, sondern um eine individuell gefertigte Luxusarbeit – einen Prunksäbel, der als Ehrengabe konzipiert wurde. Die Klinge aus verziertem und vergoldetem Echtdamast mit flacher Hohlkehle, zweischneidiger Spitze in sogenannter Karpfenzungenform, das Gefäß mit echten Silberbeschlägen und Griffschalen aus Perlmutt, die kreuzförmige silberne Parierstange mit Kugelknäufchen sowie die Stahlscheide mit silbernen Beschlägen – all dies unterstreicht den repräsentativen Charakter dieser Waffe.
Das Großherzogtum Hessen und das Garderegiment Chevauxlegers
Im Jahr 1806 wurde Hessen-Darmstadt Gründungsmitglied des Rheinbundes, wobei der Staat zum Großherzogtum erhoben wurde. In diesem Zuge wurde auch das Kavallerieregiment als Gardes-Chevauleger-Regiment umbenannt. Dieses Regiment, dessen Offiziere den Ehrensäbel stifteten, war damit eine der vornehmsten Kavallerieeinheiten des Großherzogtums.
Provenienz und Begleitstücke
Die Herkunft des Säbels wird auf den Besitz der Fürsten Sayn-Wittgenstein-Berleburg im Haus Wittgenstein, Rottach-Egern zurückgeführt. Beigefügt ist eine gerahmte Lithografie nach einem Gemälde von Johann Hartmann aus dem Jahr 1839, die den Prinzen in Uniform als Generaladjutant des Großherzogs von Hessen, Generalmajor der 1. Infanterie-Brigade und Kommandeur des Garderegiments Chevauxlegers zeigt – mit eben diesem Säbel.
Dieser Ehrensäbel vereint in einzigartiger Weise höchste Handwerkskunst, persönliche Zuneigung und militärhistorische Bedeutung. Als Unikat und Einzelanfertigung dokumentiert er ein Vierteljahrhundert treuen Dienstes eines Mannes, der sowohl als Soldat als auch als Staatsmann zu den bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Epoche in den deutschen Mittelstaaten zählte.