III. Reich - Dokumentengruppe zur " Goldenen Hochzeit " eines Ehepaares in Monakam

großformatiges Schmuckblatt vom Führer und Reichskanzler mit faksimilierter Signatur " Adolf Hitler " und geprägtem Hoheitsadler; Übersendungsschreiben zum Schmuckblatt vom 23.6.1937; großformatiges Schmuckblatt von dem Württembergischen Ministerpräsidenten Christian Mergenthaler, ausgestellt in Stuttgart am 23.6.1937 mit sehr schöner Tintensignatur " Mergenthaler ", mit geprägtem Hoheitsadler; anbei ein sehr großes Schmuckblatt " Bleibe bei uns, denn es will Abend werden. - Zur Goldenen Hochzeit von der Württ. Landesregierung ". Das farbige Kunstdruckblatt ist in stabiler Passepartout aus Pappe in 39,5 x 46 cm, komplett mit den originalen Versandumschlag. Guter Zustand mit Gebrauchsspuren.
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III. Reich - Dokumentengruppe zur " Goldenen Hochzeit " eines Ehepaares in Monakam

Diese Dokumentengruppe aus dem Jahr 1937 stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der staatlichen Ehrungspraxis im Dritten Reich dar. Sie dokumentiert die offizielle Gratulation zur Goldenen Hochzeit eines Ehepaares in Monakam (vermutlich Monakam bei Stuttgart) und vereint mehrere repräsentative Elemente der NS-Verwaltungspraxis.

Das wichtigste Dokument ist das großformatige Schmuckblatt vom Führer und Reichskanzler Adolf Hitler mit facsimilierter Signatur und geprägtem Hoheitsadler. Seit der Machtübernahme 1933 etablierte das NS-Regime ein umfassendes System symbolischer Ehrungen für verschiedene Anlässe. Die Goldene Hochzeit, die das 50-jährige Ehejubiläum markiert, galt als besondere Auszeichnung und wurde vom Staat entsprechend gewürdigt. Diese Praxis diente nicht nur der Anerkennung individueller Lebensleistungen, sondern auch der Legitimierung des Regimes durch Präsenz im Alltag der Bevölkerung.

Das begleitende Übersendungsschreiben vom 23. Juni 1937 belegt den formalen Verwaltungsweg dieser Ehrungen. Die Reichskanzlei verfügte über eigene Abteilungen, die sich mit solchen Gratulationen befassten. Die Auswahl der zu ehrenden Personen erfolgte nach bestimmten Kriterien, wobei meist lokale Behörden Vorschläge einreichten.

Besonders aufschlussreich ist das zweite Schmuckblatt vom Württembergischen Ministerpräsidenten Christian Mergenthaler. Mergenthaler (1884-1980) war von 1933 bis 1945 Ministerpräsident von Württemberg und einer der langjährigen Gauleiter der NSDAP. Seine persönliche Tintensignatur auf dem Dokument verleiht diesem besonderen historischen Wert. Das Schmuckblatt wurde ebenfalls am 23. Juni 1937 in Stuttgart ausgestellt, was die Koordination zwischen Reichs- und Landesebene verdeutlicht.

Die Verwendung des geprägten Hoheitsadlers auf beiden offiziellen Dokumenten entspricht den Gestaltungsrichtlinien des NS-Staates. Der Hoheitsadler, das Hoheitszeichen des Deutschen Reiches, wurde durch verschiedene Verordnungen in seiner Verwendung geregelt. Die Prägung verlieh den Dokumenten einen offiziellen Charakter und sollte Fälschungen erschweren.

Das dritte, besonders große Schmuckblatt trägt den biblischen Vers "Bleibe bei uns, denn es will Abend werden" aus dem Lukasevangelium (24,29). Diese Formulierung war traditionell mit Jubiläen im fortgeschrittenen Alter verbunden. Die Überreichung erfolgte von der Württembergischen Landesregierung. Das farbige Kunstdruckblatt in einer stabilen Passepartout-Fassung (39,5 x 46 cm) zeigt die kunsthandwerkliche Qualität solcher Ehrenurkunden.

Die Gestaltung von Schmuckblättern hatte im deutschen Sprachraum eine lange Tradition. Im NS-Staat wurden diese Traditionen aufgegriffen und mit der neuen Symbolik verbunden. Häufig fanden sich neben dem Hoheitsadler auch stilisierte germanische Ornamente, Frakturschrift und aufwendige Bordüren. Die Dokumente wurden in spezialisierten Druckereien hergestellt, die mit der Anfertigung offizieller Ehrungen betraut waren.

Die Tatsache, dass sowohl der Reichskanzler als auch der Landesministerpräsident gratulierten, zeigt die hierarchische Struktur des NS-Staates. Das Jahr 1937 war innenpolitisch eine Phase relativer Stabilität. Die wirtschaftliche Lage hatte sich durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Aufrüstung verbessert, und das Regime bemühte sich um die Integration breiter Bevölkerungsschichten.

Der originale Versandumschlag, der der Sammlung beiliegt, ist ein wichtiges Detail für die Provenienzforschung. Solche Umschläge trugen üblicherweise offizielle Dienstsiegel und dokumentieren die tatsächliche Zustellung.

Aus heutiger Sicht sind solche Dokumentengruppen wichtige zeitgeschichtliche Quellen. Sie dokumentieren die Durchdringung des Alltags durch staatliche Symbolik und zeigen, wie das NS-Regime traditionelle Werte wie Ehe und Familie für seine Zwecke instrumentalisierte. Die Ehrung langlebiger Ehen passte in das bevölkerungspolitische Konzept der Nationalsozialisten, das die Familie als "Keimzelle des Volkes" propagierte.

Die Erhaltung als geschlossene Gruppe mit allen drei Schmuckblättern und dem Begleitschreiben macht diese Sammlung besonders wertvoll. Sie erlaubt einen umfassenden Einblick in die administrative Praxis der Zeit und die verschiedenen Ebenen staatlicher Ehrungen.