Kleines Deutsch - Französisches / Petit Francais - Allemand Wörterbuch - von 1943,

Larousse Français Allemand von Èmile Mersiol, Librairie Larousse Paris. jeweils 256 Seiten, zum Wechsel der Ausgangssprache wird das Buch gedreht. 
Kleine Ausgabe eingeschlagen in Original-Splittertarnstoff Buntfarbenmuster 31. Buchrücken etwas gelockert. Zustand 2
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55,00

Kleines Deutsch - Französisches / Petit Francais - Allemand Wörterbuch - von 1943,

Das vorliegende Larousse Wörterbuch Französisch-Deutsch von 1943 stellt ein faszinierendes Artefakt dar, das die praktischen Bedürfnisse der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs widerspiegelt. Herausgegeben von Émile Mersiol und verlegt von der renommierten Librairie Larousse in Paris, verkörpert dieses kompakte Nachschlagewerk die komplexe Realität der deutschen Besatzung Frankreichs von 1940 bis 1944.

Die Besetzung Frankreichs nach dem erfolgreichen Westfeldzug im Juni 1940 stellte die deutsche Militärverwaltung vor erhebliche logistische und administrative Herausforderungen. Die Notwendigkeit der Kommunikation zwischen deutschen Besatzungstruppen und der französischen Zivilbevölkerung sowie mit lokalen Verwaltungen machte Sprachhilfsmittel unverzichtbar. Solche Wörterbücher wurden sowohl von Offizieren als auch von einfachen Soldaten genutzt, die in Frankreich stationiert waren.

Besonders bemerkenswert ist der Einband aus Splittertarnstoff im Buntfarbenmuster 31. Dieses Tarnmuster wurde ab 1931 entwickelt und war eines der charakteristischen Tarnmuster der Wehrmacht. Das Splittertarnmuster, auch als “Splittertarn” oder “Splittermuster 31” bekannt, bestand aus einem mehrfarbigen Muster mit scharfkantigen, splitternden Formen in Grün-, Braun- und Ockertönen auf hellem Grundstoff. Ursprünglich für Zeltbahnen konzipiert, fand dieser Stoff vielfältige Verwendung, unter anderem für Ausrüstungsgegenstände, Bezüge und - wie in diesem Fall - für persönliche Gegenstände der Soldaten.

Die Verwendung von Tarnstoff als Bucheinband war eine pragmatische Lösung, die mehrere Zwecke erfüllte: Sie schützte das Buch vor Verschmutzung und Beschädigung im Feldeinsatz, tarnte es optisch bei Verwendung im Freien und nutzte verfügbare Materialreste. Soldaten verwendeten häufig überschüssige Tarnplane oder beschädigte Zeltbahnen, um persönliche Gegenstände zu schützen oder zu personalisieren.

Das Wendeformat des Buches - mit je 256 Seiten für beide Sprachrichtungen, wobei das Buch zum Sprachwechsel gedreht werden musste - war eine platzsparende und praktische Lösung für den militärischen Gebrauch. Dieses Format, bei dem ein Buch zwei “Vorderseiten” besitzt, ermöglichte es, zwei vollständige Wörterbücher in einem kompakten Band zu vereinen - ideal für das begrenzte Gepäck eines Soldaten.

Die Tatsache, dass dieses Wörterbuch 1943 in Paris verlegt wurde, ist historisch bedeutsam. Während der Besatzungszeit unterlagen französische Verlage strenger deutscher Zensur und Kontrolle durch die Propagandaabteilung der deutschen Militärverwaltung. Die Produktion von Wörterbüchern für die Besatzungstruppen war jedoch ein akzeptiertes und sogar gefördertes Unterfangen, da es der militärischen Effizienz diente. Die Zusammenarbeit französischer Verlage mit den deutschen Behörden war komplex und oft von wirtschaftlicher Notwendigkeit geprägt.

Das Jahr 1943 markiert eine kritische Phase des Zweiten Weltkriegs. Nach der Niederlage bei Stalingrad im Februar 1943 und der zunehmenden alliierten Luftüberlegenheit verschärfte sich die militärische Lage für Deutschland erheblich. Dennoch befanden sich noch hunderttausende deutsche Soldaten in Frankreich, sowohl als Besatzungstruppen als auch zur Küstenverteidigung gegen eine erwartete alliierte Invasion (die erst im Juni 1944 in der Normandie erfolgen sollte).

Solche Feldausrüstungsgegenstände bieten heute einen wertvollen Einblick in den Alltag der einfachen Soldaten. Während offizielle Dokumente und militärische Berichte die großen strategischen Entwicklungen dokumentieren, erzählen persönliche Gegenstände wie dieses Wörterbuch von den praktischen Herausforderungen des täglichen Lebens in besetztem Gebiet. Die Kommunikation mit der lokalen Bevölkerung - sei es für militärische Zwecke, Quartiernahme oder einfache menschliche Interaktion - war eine ständige Notwendigkeit.

Der Erhaltungszustand mit leicht gelockertem Buchrücken entspricht dem typischen Verschleiß eines tatsächlich verwendeten Feldgegenstands. Dies unterscheidet das Objekt von unbenutzten Lagerbeständen und deutet auf praktischen Gebrauch hin. Die Kombination aus einem zivilen französischen Verlagsprodukt und einem deutschen militärischen Einband symbolisiert die komplexe Verflechtung von Besatzer und Besetzten während dieser dunklen Periode europäischer Geschichte.

Heute stellen solche Objekte wichtige Sachzeugen für Museen, Sammler und Historiker dar, die die materiellen Aspekte des Zweiten Weltkriegs erforschen. Sie ergänzen schriftliche Quellen und helfen, ein vollständigeres Bild der historischen Realität zu zeichnen.