Kriegsmarine Wechselkragen und Bezug für die weiße Tellermütze

Wechselkragen für das blaue Hemd, sogenannter "Kieler Kragen", mit Trägeretikett "Sieber" und Kammerstempel. Tellermütze aus weißen Tuch und mit Trägeretikett "Siebel". Gewaschen, Zustand 2.
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€ 100,00

Kriegsmarine Wechselkragen und Bezug für die weiße Tellermütze

Die vorliegenden Uniformteile der Kriegsmarine – ein Wechselkragen für das blaue Hemd und ein Bezug für die weiße Tellermütze – repräsentieren charakteristische Elemente der maritimen Bekleidung des Dritten Reiches zwischen 1935 und 1945. Diese Objekte verkörpern die jahrhundertealte Tradition der deutschen Marineuniform und ihre spezifische Ausprägung in der nationalsozialistischen Ära.

Der “Kieler Kragen”, wie der Matrosenkragen umgangssprachlich genannt wurde, stellte eines der markantesten Merkmale der Kriegsmarineuniform dar. Diese Kragenform hatte ihre Wurzeln in der britischen Royal Navy des 19. Jahrhunderts und wurde von nahezu allen europäischen Marinen übernommen. Der quadratische, über die Schultern fallende Kragen diente ursprünglich dem praktischen Zweck, das Uniformhemd vor den geteertem Zopf der Matrosen zu schützen. Obwohl diese Funktion im 20. Jahrhundert obsolet geworden war, blieb das charakteristische Kleidungsstück als traditionelles Element erhalten.

Die Uniform-Bekleidungsvorschrift der Kriegsmarine (M.Dv. Nr. 234) vom Oktober 1935 regelte detailliert Schnitt, Material und Trageweise aller Uniformteile. Der Wechselkragen aus blauem Tuch war für das Tragen mit dem blauen Arbeitshemd vorgesehen und zählte zur Grundausstattung jedes Mannschaftsdienstgrades. Die drei weißen Streifen auf dem Kragen – in diesem Fall nicht näher beschrieben – symbolisierten nach maritimer Überlieferung drei bedeutende Seeschlachten, wobei verschiedene nationale Interpretationen existierten. In der deutschen Marine wurden sie offiziell als rein dekorative Elemente ohne spezifische Symbolik behandelt.

Das Trägeretikett “Sieber” verweist auf einen der zahlreichen Hersteller, die während der Kriegszeit Marinebekleidung produzierten. Die Kriegsmarine bezog ihre Uniformen über ein komplexes System von Bekleidungsämtern und Lieferanten. Der Kammerstempel kennzeichnet das Stück als persönliches Eigentum eines Marinesoldaten und diente der Identifikation in Gemeinschaftsunterkünften und Wäschereien. Diese Stempel enthielten typischerweise Informationen über die Stammeinheit und eine individuelle Nummer.

Die weiße Tellermütze – offiziell als “Mütze für Mannschaften” bezeichnet – war die charakteristische Kopfbedeckung der Kriegsmarine für die Sommeruniform und festliche Anlässe. Ihre markante Form mit flacher Oberseite und dem über die Stirn gezogenen Band mit Einheitsbezeichnung machte sie zu einem ikonischen Element der Marinebekleidung. Die Herstellung dieser Mützen folgte strengen Spezifikationen: Der Bezug aus weißem Tuch musste waschbar und formstabil sein, da die Mütze ein wichtiges Element der militärischen Erscheinung darstellte.

Die Kombination von Tellermütze und Matrosenkragen bildete das visuelle Zentrum der Kriegsmarineuniform. Während der Sommermonate oder in wärmeren Einsatzgebieten war die weiße Variante vorgeschrieben. Dies galt besonders für den Dienst im Mittelmeer, wo deutsche Marineverbände ab 1941 in erheblichem Umfang eingesetzt wurden, sowie in den Küstenregionen während der warmen Jahreszeit.

Die Versorgung mit Uniformteilen erfolgte über die Bekleidungskammern der jeweiligen Marinedienststellen. Jeder Matrose erhielt bei seiner Einstellung eine Grundausstattung, die mehrere Wechselkragen und Mützenbezüge umfasste. Diese mussten in einwandfreiem Zustand gehalten werden, da regelmäßige Inspektionen die Einhaltung der Bekleidungsvorschriften überprüften. Die Pflege und Instandhaltung der Uniformteile war Teil der militärischen Disziplin und wurde in der Grundausbildung eingehend gelehrt.

Der Zustand “gewaschen” dieser Objekte entspricht ihrer bestimmungsgemäßen Verwendung. Marineuniformen mussten aufgrund der besonderen Bedingungen des Bordlebens und der Seefahrt besonders pflegeleicht sein. Die häufige Reinigung war notwendig und in den Dienstvorschriften vorgeschrieben. Die Konstruktion von Kragen und Mützenbezug als Wechselteile erleichterte diese Pflege erheblich.

Aus historischer Perspektive dokumentieren diese Uniformteile die Kontinuität maritimer Uniformtradition und gleichzeitig die spezifischen Anforderungen militärischer Bekleidung im Zweiten Weltkrieg. Die Kriegsmarine legte großen Wert auf einheitliches Erscheinungsbild und traditionsbewusste Uniform, auch als die Kriegslage zunehmend prekär wurde. Die Produktion von Uniformen blieb bis in die letzten Kriegsmonate aufrechterhalten, wobei allerdings zunehmend Qualitätseinbußen und Materialmangel zu verzeichnen waren.

Diese Objekte sind heute bedeutende Zeugnisse der Marinegeschichte und ermöglichen Einblicke in den Alltag der Kriegsmarineangehörigen. Sie repräsentieren nicht nur militärische Tradition, sondern auch die persönliche Geschichte der Männer, die diese Uniformen trugen – eine Geschichte, die von Pflichterfüllung, aber auch von den Tragödien und Verbrechen der nationalsozialistischen Herrschaft nicht zu trennen ist.