Lineol - Heer Klarinettenbläser marschierend

7 cm, Zustand 2.
376196
25,00

Lineol - Heer Klarinettenbläser marschierend

Die Lineol-Figur eines marschierenden Klarinettenbläsers des deutschen Heeres repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Spielzeuggeschichte und militärischen Darstellungskultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit einer Höhe von 7 Zentimetern verkörpert diese Massefigur die charakteristische Qualität und den Detailreichtum, für die der Hersteller Lineol weltweit bekannt wurde.

Die Firma Oskar Wiederholt gründete das Unternehmen Lineol im Jahr 1906 in Brandenburg an der Havel. Der Name "Lineol“ leitete sich von "Leinöl“ ab, einem der Hauptbestandteile der Kompositionsmasse, aus der die Figuren hergestellt wurden. Diese spezielle Masse bestand aus einer Mischung von Leinöl, Holzmehl, Kasein und anderen Bindemitteln, die in Metallformen gepresst und anschließend von Hand bemalt wurden. Im Gegensatz zu den hohlen Bleifiguren des Konkurrenten Elastolin waren Lineol-Figuren massiv und schwerer.

Die Musikertruppen, zu denen auch Klarinettenbläser gehörten, spielten in der militärischen Tradition des deutschen Heeres eine bedeutende Rolle. Nach der Heeresdienstvorschrift verfügte jedes Regiment über eine eigene Musikkapelle, die bei Paraden, Aufmärschen und feierlichen Anlässen auftrat. Die Klarinette war seit dem 19. Jahrhundert ein festes Instrument in der deutschen Militärmusik. Die preußische Militärmusiktradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte, prägte die gesamte deutsche Militärmusikkultur nachhaltig.

In der Weimarer Republik (1919-1933) produzierte Lineol verschiedene Soldatenfiguren der Reichswehr, darunter auch Musiker in unterschiedlichen Haltungen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und der Wiederaufrüstung Deutschlands ab 1935 expandierte die Produktion militärischer Spielzeugfiguren erheblich. Die Figuren zeigten nun Soldaten der Wehrmacht in verschiedenen Uniformvarianten, darunter auch Mitglieder der Militärkapellen.

Die Uniformdarstellung auf solchen Figuren folgte in der Regel den offiziellen Uniformvorschriften des deutschen Heeres. Musikereinheiten trugen die gleiche Grunduniform wie die regulären Soldaten ihrer Waffengattung, ergänzt durch spezifische Abzeichen und manchmal besondere Ausführungen für Paradeuniformen. Die charakteristische feldgraue Uniform der Wehrmacht wurde durch Details wie Schulterstücke, Kragenpatten und Kopfbedeckungen ergänzt.

Die Herstellung solcher Spielzeugfiguren hatte nicht nur kommerziellen, sondern auch einen kulturell-propagandistischen Aspekt. Sie dienten der Vermittlung militärischer Werte und der Glorifizierung des Soldatentums an die junge Generation. Spielzeughersteller wie Lineol erhielten während der NS-Zeit staatliche Unterstützung und produzierten ihre Figuren in großen Stückzahlen für den deutschen und internationalen Markt.

Der Zweite Weltkrieg brachte erhebliche Einschränkungen für die Spielzeugindustrie. Rohstoffmangel, die Umstellung auf Kriegsproduktion und schließlich die Zerstörung vieler Produktionsstätten führten zum weitgehenden Erliegen der Herstellung. Die Lineol-Fabrik in Brandenburg wurde gegen Kriegsende beschädigt und befand sich nach 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone.

Nach dem Krieg wurde die Produktion unter sowjetischer Verwaltung zunächst fortgesetzt, aber 1950 verstaatlicht. Der westdeutsche Teil des Unternehmens versuchte einen Neuanfang, konnte aber nie mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. Die Produktion wurde schließlich in den 1960er Jahren endgültig eingestellt.

Heute sind originale Lineol-Figuren begehrte Sammlerstücke. Ihr Wert hängt von verschiedenen Faktoren ab: Erhaltungszustand, Seltenheit der Darstellung, Vollständigkeit der Bemalung und historische Authentizität. Figuren im Zustand 2 weisen leichte Gebrauchsspuren auf, sind aber noch gut erhalten mit weitgehend intakter Bemalung. Musikerfiguren sind aufgrund ihrer speziellen Darstellung und der filigranen Instrumente oft seltener als einfache Infanteriefiguren.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit militärischem Spielzeug hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Historiker erkennen in diesen Objekten wichtige Quellen für das Verständnis von Militärkultur, Propagandamechanismen und Kindererziehung in verschiedenen historischen Epochen. Museen und private Sammlungen bewahren diese Zeugnisse einer vergangenen Zeit als Dokumente der Sozial- und Kulturgeschichte.