Luftwaffe - Originalunterschrift von Ritterkreuzträger Oberleutnant Heinrich Schlosser
Heinrich Schlosser bekam als Flugzeugführer in der 2./K.G.40 am 18.9.1941 das Ritterkreuz verliehen.
Das vorliegende Objekt - ein signiertes Portraitfoto des Oberleutnant Heinrich Schlosser - repräsentiert eine faszinierende Kategorie militärischer Erinnerungsstücke aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Solche signierten Fotografien von Ritterkreuzträgern waren während des Krieges sowohl als persönliche Andenken als auch als Propagandamaterial von großer Bedeutung.
Heinrich Schlosser erhielt das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 18. September 1941 als Flugzeugführer in der 2. Staffel des Kampfgeschwaders 40 (2./K.G.40). Das Kampfgeschwader 40 war eine spezialisierte Einheit der Luftwaffe, die hauptsächlich im Seekrieg eingesetzt wurde und für ihre Angriffe auf alliierte Schiffskonvois im Atlantik bekannt war. Die Einheit operierte vorwiegend mit Langstreckenbombern wie der Focke-Wulf Fw 200 “Condor” und der Heinkel He 111.
Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes wurde am 1. September 1939 von Adolf Hitler als höchste Tapferkeitsauszeichnung des Deutschen Reiches gestiftet. Es stellte eine Erneuerung der preußischen Auszeichnung aus den Befreiungskriegen dar. Die Verleihung erfolgte nach strengen Kriterien und erforderte außergewöhnliche militärische Leistungen. Bis Kriegsende wurden etwa 7.300 Ritterkreuze verliehen, davon rund 2.000 an Angehörige der Luftwaffe.
Die Praxis, signierte Fotografien von Ritterkreuzträgern anzufertigen und zu verteilen, erfüllte mehrere Zwecke. Einerseits dienten sie der militärischen Propaganda und sollten die Kampfmoral der Truppe und der Heimatfront stärken. Ritterkreuzträger wurden als Helden dargestellt und öffentlich gefeiert. Andererseits wurden solche Fotografien häufig auf persönliche Anfrage signiert - von Kameraden, Bewunderern oder für offizielle Zwecke. Die Tintensignatur “Schlosser Oblt.” folgt der üblichen militärischen Praxis, bei der der Nachname und der Dienstgrad angegeben wurden.
Das Format von 7,5 x 10 cm entspricht den damals gebräuchlichen Standardformaten für Portraitfotografien. Diese Größe war praktisch für den Versand und die Aufbewahrung in Alben oder Rahmen. Die fotografische Technik der 1940er Jahre ermöglichte bereits hochwertige Schwarzweißaufnahmen, die oft in professionellen Studios oder durch Kriegsberichterstatter angefertigt wurden.
Das Kampfgeschwader 40 spielte eine bedeutende Rolle im Atlantikkrieg. Die Einheit wurde im November 1939 aufgestellt und war zunächst für konventionelle Bombenangriffe vorgesehen. Ab 1940 konzentrierte sich das K.G.40 jedoch zunehmend auf Fernaufklärung und Angriffe auf Schiffsziele im Atlantik. Die Fw 200 “Condor”, ursprünglich als Verkehrsflugzeug konzipiert, erwies sich als wirksames Aufklärungsflugzeug und Schiffsjäger, obwohl sie strukturelle Schwächen aufwies.
Im September 1941, als Schlosser das Ritterkreuz erhielt, befand sich der Atlantikkrieg in einer kritischen Phase. Die deutschen U-Boote und Langstreckenbomber versuchten, die lebenswichtigen Versorgungslinien zwischen Nordamerika und Großbritannien zu unterbrechen. Die Zusammenarbeit zwischen der Luftwaffe und der Kriegsmarine war dabei von entscheidender Bedeutung. Aufklärungsflugzeuge des K.G.40 meldeten Konvoipositionen an U-Boote und führten eigene Angriffe durch.
Die Verleihung des Ritterkreuzes war mit einem aufwendigen Verfahren verbunden. Vorschläge mussten von den Kommandierenden Offizieren durch die militärische Hierarchie bis zum Oberkommando der Wehrmacht geleitet werden. Nach der Genehmigung durch Hitler erfolgte oft eine feierliche Übergabe, manchmal durch hohe Offiziere oder sogar durch Hitler persönlich. Die Auszeichnung wurde im Wehrmachtbericht und in Zeitungen veröffentlicht, wodurch die Träger einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden.
Aus sammlungsgeschichtlicher Perspektive sind solche signierten Fotografien heute bedeutende historische Dokumente. Sie bieten Einblicke in die militärische Hierarchie, die Propagandapraxis und die individuelle Geschichte der abgebildeten Soldaten. Der Erhaltungszustand “Zustand 2” (nach der üblichen Sammlerskala von 1-6, wobei 1 makellos ist) deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit geringen Gebrauchsspuren hin.
Die historische Bewertung solcher Objekte erfordert eine differenzierte Betrachtung. Während sie unbestreitbar Teil der deutschen Militärgeschichte sind, müssen sie im Kontext des verbrecherischen Charakters des NS-Regimes und des von Deutschland begonnenen Angriffskrieges verstanden werden. Für die militärhistorische Forschung bleiben sie dennoch wertvolle Quellen zur Untersuchung von Auszeichnungspraxis, militärischer Kultur und Propaganda im Dritten Reich.