NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette "Motorbrigade Westmark Orientierungsfahrt 1935 Soon-Wald"
Die vorliegende NSKK-Teilnehmerplakette der Motorbrigade Westmark Orientierungsfahrt 1935 Soon-Wald dokumentiert ein charakteristisches Beispiel nationalsozialistischer Motorsportkultur in der Aufbauphase des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK). Diese nichttragbare Plakette aus vergoldetem Buntmetall mit den Maßen 60 x 77 mm wurde als Erinnerungsstück für Teilnehmer einer Orientierungsfahrt im Soon-Wald ausgegeben.
Das NSKK wurde am 1. Mai 1931 als Untergliederung der SA (Sturmabteilung) gegründet und entwickelte sich nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 zu einer der bedeutendsten Gliederungen der NSDAP. Unter der Führung von Adolf Hühnlein, der von 1933 bis zu seinem Tod 1942 als NSKK-Korpsführer amtierte, expandierte die Organisation rasant. Das NSKK hatte primär die Aufgabe, die deutsche Bevölkerung im motorisierten Verkehr zu schulen und eine Reserve motorisierter Fahrer für die Wehrmacht aufzubauen.
Die Motorbrigade Westmark gehörte zu den regionalen Gliederungen des NSKK, die nach geografischen Gebieten organisiert waren. Der Begriff “Westmark” bezeichnete im nationalsozialistischen Sprachgebrauch die westlichen Grenzgebiete des Deutschen Reiches, insbesondere die Pfalz, das Saarland und angrenzende Regionen. Diese Bezeichnung wurde verstärkt nach der Rückgliederung des Saarlandes 1935 verwendet und sollte die deutsche Präsenz in den Westgebieten betonen.
Der Soon-Wald, auch Soonwald geschrieben, ist ein Mittelgebirgszug zwischen Hunsrück und Nahe in Rheinland-Pfalz. Mit seinen kurvenreichen Straßen und anspruchsvollen topografischen Verhältnissen eignete er sich hervorragend für Orientierungsfahrten, die sowohl die fahrerischen Fähigkeiten als auch die Navigationskompetenz der Teilnehmer auf die Probe stellten.
Orientierungsfahrten waren eine populäre Disziplin im nationalsozialistischen Motorsport. Im Gegensatz zu reinen Geschwindigkeitsrennen lag bei diesen Veranstaltungen der Schwerpunkt auf präziser Navigation, Zeitplanung und dem Auffinden vorgegebener Kontrollpunkte. Diese Fahrten dienten nicht nur sportlichen Zwecken, sondern auch der wehrsportlichen Ausbildung, da die Fähigkeit zur Orientierung im Gelände militärisch von hoher Bedeutung war.
Das Jahr 1935 war für das NSKK eine Phase der Konsolidierung und des Ausbaus. Nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935 und der damit verbundenen Expansion der Wehrmacht gewann die Ausbildungsfunktion des NSKK zusätzlich an Bedeutung. Die Organisation führte zahlreiche Veranstaltungen durch, um einerseits die motorsportliche Begeisterung in der Bevölkerung zu fördern und andererseits eine große Zahl ausgebildeter Kraftfahrer für militärische Zwecke bereitzustellen.
Die vorliegende Plakette ist als nichttragbares Erinnerungsstück konzipiert, im Gegensatz zu tragbaren Abzeichen, die an der Uniform befestigt werden konnten. Die zwei Bohrungen dienten wahrscheinlich der Befestigung an einer Holztafel oder in einem Rahmen zur Präsentation. Die Aufbewahrung im originalen grünen Pappetui mit Papiereinlage entsprach der damaligen Praxis bei hochwertigen Erinnerungsstücken und Auszeichnungen.
Die Vergoldung des Buntmetalls verlieh der Plakette einen repräsentativen Charakter und unterstrich die Wertschätzung, die solchen Veranstaltungen entgegengebracht wurde. Die Herstellung derartiger Plaketten erfolgte meist durch spezialisierte Firmen, die auch andere NS-Abzeichen und Auszeichnungen produzierten. Die handwerkliche Qualität variierte je nach Hersteller und Produktionszeitpunkt erheblich.
Solche Teilnehmerplaketten dokumentieren heute wichtige Aspekte der nationalsozialistischen Organisationskultur. Sie zeigen die Durchdringung der Gesellschaft durch NS-Organisationen, die Militarisierung des Alltags und die Instrumentalisierung des Sports für politische und militärische Zwecke. Das NSKK spielte eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg, indem es eine große Zahl motorisierter Fahrer ausbildete, die später in der Wehrmacht eingesetzt wurden.
Aus militärhistorischer Perspektive sind derartige Objekte wertvolle Quellen für die Erforschung der Vorkriegszeit und der systematischen Vorbereitung auf den Krieg. Sie dokumentieren die Verbindung zwischen zivilen Freizeitaktivitäten und militärischer Ausbildung, die charakteristisch für das nationalsozialistische System war.