NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Taunus Orientierungsfahrt 27.-28.8.1938 NSKK Motorgruppe Westmark "
Die vorliegende NSKK-Teilnehmerplakette zur Taunus-Orientierungsfahrt vom 27.-28. August 1938 ist ein faszinierendes Zeugnis der Motorsportaktivitäten des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) in der Vorkriegszeit. Diese nichttragbare Plakette wurde von der NSKK-Motorgruppe Westmark für eine sportliche Veranstaltung im Taunusgebiet ausgegeben.
Das NSKK wurde 1931 zunächst als motorisierte Einheit der SA gegründet und entwickelte sich nach 1933 zu einer eigenständigen Formation der NSDAP. Unter der Führung von Adolf Hühnlein, der das Korps von 1931 bis zu seinem Tod 1942 leitete, wuchs das NSKK zu einer Massenorganisation mit mehreren hunderttausend Mitgliedern heran. Die Hauptaufgaben umfassten die vormilitärische Ausbildung von Kraftfahrern, die Förderung des Motorsports und die Verbreitung des “motorisierten Gedankens” in der deutschen Bevölkerung.
Die Motorgruppe Westmark war eine der regionalen Gliederungen des NSKK. Der Begriff “Westmark” bezeichnete während der NS-Zeit das Gebiet der Saarpfalz und angrenzender Regionen entlang der französischen Grenze. Diese Gebietsbezeichnung wurde nach 1935 verstärkt verwendet und sollte den deutschen Anspruch auf diese historisch umkämpften Territorien unterstreichen.
Orientierungsfahrten waren eine beliebte Form des Motorsports in den 1930er Jahren. Im Gegensatz zu reinen Geschwindigkeitsrennen erforderten diese Veranstaltungen von den Teilnehmern navigationstechnisches Geschick, präzises Zeitmanagement und Zuverlässigkeit. Die Fahrer mussten vorgegebene Strecken nach Kartenmaterial und Anweisungen absolvieren, wobei es auf die Einhaltung von Durchschnittsgeschwindigkeiten und das Auffinden von Kontrollpunkten ankam. Solche Veranstaltungen dienten dem NSKK sowohl zur praktischen Fahrerschulung als auch zur Propagierung der Motorisierung.
Das Jahr 1938 markierte einen Höhepunkt der NSKK-Aktivitäten vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. In diesem Jahr fanden zahlreiche motorsportliche Veranstaltungen statt, die sowohl den Leistungsstand der deutschen Automobilindustrie demonstrieren als auch die Wehrtüchtigkeit der Kraftfahrer fördern sollten. Die Taunus-Region bot mit ihren kurvenreichen Straßen und topographischen Herausforderungen ein ideales Terrain für Orientierungsfahrten.
Die vorliegende Plakette wurde vom Hersteller Adam Donner aus Elberfeld gefertigt. Die Firma Donner war einer von mehreren spezialisierten Herstellern, die Abzeichen, Plaketten und Auszeichnungen für NS-Organisationen produzierten. Elberfeld, heute ein Stadtteil von Wuppertal, war ein bedeutendes Zentrum der Metallindustrie im Rheinland. Die Kennzeichnung des Herstellers auf der Plakette war üblich und entsprach den damaligen Qualitätsstandards.
Die technische Ausführung aus Feinzink mit teilweiser Emaillierung war typisch für Teilnehmerplaketten der 1930er Jahre. Zink war ein kostengünstiges, aber haltbares Material, das sich gut für Druckgussverfahren eignete. Die Emaillierung erlaubte farbige Gestaltungselemente und erhöhte die optische Attraktivität der Plakette. Mit den Maßen von 72 x 96 mm handelt es sich um eine relativ großformatige Plakette, die nicht am Körper getragen, sondern als Erinnerungsstück aufbewahrt oder ausgestellt wurde. Die drei Bohrungen dienten vermutlich der Befestigung, möglicherweise zur Anbringung an einem Fahrzeug oder zur Präsentation auf einem Sockel.
Solche nichttragbaren Plaketten unterschieden sich grundlegend von tragbaren Abzeichen und Auszeichnungen. Während tragbare Abzeichen Teil der Uniform waren und bestimmten Regularien unterlagen, dienten nichttragbare Plaketten primär als Erinnerungsstücke und Teilnahmebestätigungen. Sie dokumentierten die Beteiligung an spezifischen Veranstaltungen und hatten Sammlerwert. Viele NSKK-Mitglieder legten Sammlungen solcher Plaketten an, die ihre sportlichen Aktivitäten dokumentierten.
Die Vergabe solcher Plaketten erfolgte üblicherweise an alle Teilnehmer einer Veranstaltung, unabhängig von ihrer Platzierung. Sie dienten damit weniger der Leistungsauszeichnung als vielmehr der Erinnerung und der Förderung eines Gemeinschaftsgefühls unter den NSKK-Angehörigen. Gleichzeitig waren sie Teil der visuellen Propagandastrategie des Regimes, die durch die Vielzahl von Abzeichen, Plaketten und Symbolen eine allgegenwärtige Präsenz der NS-Organisationen im Alltag schuf.
Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige historische Quellen, die Einblick in die Alltagskultur und Organisationsstrukturen des NS-Regimes geben. Sie dokumentieren die Durchdringung verschiedener Lebensbereiche durch nationalsozialistische Organisationen und die Instrumentalisierung des Sports für politische und militärische Zwecke. Zugleich sind sie Zeugnisse handwerklicher Fertigkeiten und der Designästhetik der 1930er Jahre.