Nationalsozialistische Frauenschaft ( NSF )

Mitgliedsabzeichen 5. Form 27 mm, mit RZM-Hersteller 63, an Nadel, Emaille minimal beschädigt. Zustand 2.
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40,00

Nationalsozialistische Frauenschaft ( NSF )

Das Mitgliedsabzeichen der Nationalsozialistischen Frauenschaft (NSF) stellt ein bedeutendes Artefakt der NS-Frauenorganisationen im Dritten Reich dar. Die NSF wurde am 1. Oktober 1931 als einheitliche nationalsozialistische Frauenorganisation unter der Leitung von Elsbeth Zander gegründet und später unter Gertrud Scholtz-Klink ab 1934 zur Dachorganisation aller NS-Frauenverbände ausgebaut.

Das vorliegende Abzeichen in der 5. Form mit einem Durchmesser von 27 mm repräsentiert eine der späteren Ausführungsvarianten, die im Laufe der organisatorischen Entwicklung der NSF eingeführt wurden. Die Kennzeichnung mit RZM-Hersteller 63 verweist auf die strenge Regulierung der Herstellung von Parteiabzeichen durch die Reichszeugmeisterei (RZM), die 1929 gegründet wurde und die Qualitätskontrolle sowie Lizenzierung aller NSDAP-Insignien überwachte.

Die Reichszeugmeisterei vergab Herstellernummern an zertifizierte Produzenten, wodurch eine Standardisierung und Kontrolle der Parteiinsignien gewährleistet wurde. Die Nummer 63 identifiziert den spezifischen Hersteller, wobei verschiedene Firmen im gesamten Reichsgebiet mit der Produktion solcher Abzeichen beauftragt waren. Die Verwendung von Emaille als Material war typisch für hochwertige Parteiabzeichen und bot eine dauerhafte, farbbeständige Oberfläche.

Die Nationalsozialistische Frauenschaft diente als ideologisches Instrument zur Mobilisierung und Gleichschaltung der deutschen Frauen im nationalsozialistischen Staat. Die Organisation propagierte das nationalsozialistische Frauenideal, das die Rolle der Frau primär in den Bereichen Kinder, Küche, Kirche definierte. Bis 1945 zählte die NSF etwa 2,3 Millionen Mitglieder und war damit eine der größten Frauenorganisationen im Dritten Reich.

Das Mitgliedsabzeichen war nicht nur ein Erkennungszeichen, sondern auch ein Symbol der politischen Zugehörigkeit und Loyalität zum Regime. Das Tragen solcher Abzeichen war bei offiziellen Anlässen und Versammlungen vorgeschrieben. Die verschiedenen Formen des Abzeichens entwickelten sich im Laufe der Zeit, wobei jede Form spezifische gestalterische Merkmale aufwies, die den jeweiligen Richtlinien der Reichszeugmeisterei entsprachen.

Die Nadelkonstruktion des Abzeichens ermöglichte das Befestigen an der Kleidung, typischerweise an Blusen oder Jacken. Die technische Ausführung mit Emaillierung auf Metallgrund erforderte spezialisierte Handwerkskunst und mehrere Brennvorgänge bei hohen Temperaturen. Trotz der industriellen Massenproduktion waren diese Abzeichen qualitativ hochwertige Erzeugnisse.

Im organisatorischen Kontext war die NSF eng mit dem Deutschen Frauenwerk (DFW) verbunden, das 1933 als übergeordnete Organisation gegründet wurde. Während das DFW als Sammelbecken für alle deutschen Frauen diente, war die NSF die eigentliche Parteigliederung mit strengeren Aufnahmekriterien. Die Mitgliedschaft in der NSF setzte politische Zuverlässigkeit und arische Abstammung voraus.

Die Aktivitäten der NSF umfassten ideologische Schulungen, Mütterkurse, hauswirtschaftliche Unterweisungen und die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts. Die Organisation spielte eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung der NS-Familienpolitik und der Förderung der Volks- und Rassenideologie.

Nach 1945 wurde die NSF zusammen mit allen anderen NS-Organisationen durch die Alliierten verboten und aufgelöst. Die Mitgliedsabzeichen wurden zu historischen Dokumenten einer totalitären Vergangenheit. Heute dienen solche Objekte in Museen und Sammlungen der historischen Aufklärung und Forschung über die Mechanismen der nationalsozialistischen Herrschaft und Gesellschaftsorganisation.

Die Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Artefakte ist wichtig für das Verständnis der Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus und der Rolle, die Frauen in diesem System spielten – sei es als Unterstützerinnen, Mitläuferinnen oder in einigen Fällen auch als Widerständlerinnen gegen das Regime.