Plakette/Medaille zur 800. Jahrfeier der Hansestadt Lübeck, 1143-1943 .

Zink, Durchmesser etwa 110mm, Zustand 2
473896
150,00

Plakette/Medaille zur 800. Jahrfeier der Hansestadt Lübeck, 1143-1943 .

Die Plakette zur 800-Jahrfeier der Hansestadt Lübeck (1143-1943) stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der deutschen Geschichte während des Zweiten Weltkrieges dar. Diese aus Zink gefertigte Medaille mit einem Durchmesser von etwa 110 mm wurde anlässlich des vermeintlichen achthundertjährigen Bestehens der Stadt Lübeck herausgegeben, obwohl die historische Datierung heute als problematisch angesehen wird.

Historischer Kontext der Hansestadt Lübeck

Lübeck, die "Königin der Hanse", spielte eine zentrale Rolle in der mittelalterlichen Handelsgeschichte Nordeuropas. Die Stadt wurde im 12. Jahrhundert gegründet und entwickelte sich schnell zum wichtigsten Zentrum der Hanse, des mächtigen Handelsbundes, der vom 12. bis zum 17. Jahrhundert den Ostseeraum dominierte. Die genaue Datierung der Stadtgründung auf das Jahr 1143 ist historisch umstritten, da die eigentliche Gründung der Stadt durch Heinrich den Löwen erst 1159 erfolgte.

Die Jubiläumsfeier 1943

Die Entscheidung, im Jahr 1943 eine 800-Jahrfeier abzuhalten, erfolgte in einem äußerst problematischen historischen Kontext. Deutschland befand sich mitten im Zweiten Weltkrieg, und die nationalsozialistische Propaganda nutzte historische Jubiläen systematisch zur Stärkung des Durchhaltewillens und zur Betonung der deutschen Tradition und Größe. Solche Feiern dienten der ideologischen Mobilisierung der Bevölkerung in einer Zeit zunehmender militärischer Rückschläge.

Materialwahl und Produktion

Die Verwendung von Zink als Material für diese Plakette ist charakteristisch für die Kriegszeit. Aufgrund der Rohstoffknappheit und der vollständigen Ausrichtung der deutschen Wirtschaft auf die Kriegsproduktion waren Edelmetalle wie Silber oder Bronze für zivile Zwecke nicht mehr verfügbar. Zink war eines der wenigen Metalle, die noch für Gedenkprägungen verwendet werden konnten. Dies steht im deutlichen Kontrast zu früheren Jubiläumsmedaillen, die üblicherweise aus Bronze oder Silber gefertigt wurden.

Gestaltung und Symbolik

Typische Plaketten dieser Art zeigten häufig das Holstentor, das berühmteste Wahrzeichen Lübecks, oder andere bedeutende Stadtansichten. Die Gestaltung solcher Jubiläumsmedaillen folgte in der NS-Zeit bestimmten ästhetischen Vorgaben, die monumentale Darstellungen und historische Bezüge bevorzugten. Die Rückseiten trugen oft Inschriften, die das Jubiläum kommemorierten und die historische Bedeutung der Stadt hervorhoben.

Die Situation Lübecks im Zweiten Weltkrieg

Im Jahr 1943 hatte Lübeck bereits schwere Kriegsschäden erlitten. Der verheerende britische Luftangriff vom 28. auf den 29. März 1942, bekannt als "Operation Millennium", hatte große Teile der historischen Altstadt zerstört, darunter mehrere bedeutende Kirchen. Etwa 301 Menschen starben, und rund 15.000 wurden obdachlos. Die mittelalterliche Bausubstanz wurde zu großen Teilen vernichtet. Die Durchführung einer Jubiläumsfeier ein Jahr später muss vor diesem tragischen Hintergrund gesehen werden.

Propaganda und Erinnerungskultur

Die Herausgabe solcher Gedenkmedaillen diente mehreren Zwecken: Sie sollten die Kontinuität deutscher Geschichte betonen, den Stolz auf historische Leistungen wecken und von den gegenwärtigen Kriegsleiden ablenken. Gleichzeitig waren sie Teil einer umfassenden Strategie, historische Traditionen für die nationalsozialistische Ideologie zu instrumentalisieren. Die Hanse wurde als Beispiel deutscher kaufmännischer Tüchtigkeit und als Beweis für die historische Bedeutung des deutschen Volkes dargestellt.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind solche Plaketten wichtige zeitgeschichtliche Dokumente. Sie illustrieren, wie das NS-Regime versuchte, selbst in den dunkelsten Stunden des Krieges ein Bild von Normalität und historischer Größe aufrechtzuerhalten. Der Erhaltungszustand dieser Stücke variiert stark, da Zink anfällig für Korrosion ist. Exemplare in gutem Zustand (Zustand 2) sind daher von besonderem Interesse für Sammler militärhistorischer und zeitgeschichtlicher Objekte.

Nachkriegsrezeption

Nach 1945 wurden solche Objekte zunächst weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt. Erst mit zunehmendem zeitlichem Abstand und der wissenschaftlichen Aufarbeitung der NS-Zeit gewannen sie als Quellen für die Erforschung von Propaganda und Alltagskultur im Dritten Reich an Bedeutung. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche mit nationalsozialistischer Symbolik und Ideologie, selbst bei scheinbar unpolitischen lokalen Jubiläen.