Preußen Paar Schulterklappen für Mannschaften im Thüringischen Ulanen-Regiment Nr. 6

Standort Hanau, um 1910. Ausführung für den Mantel, mit gekrönten Namenszügen "CR IX". Zustand 2.
403896
250,00

Preußen Paar Schulterklappen für Mannschaften im Thüringischen Ulanen-Regiment Nr. 6

Die Schulterklappen für Mannschaften des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 repräsentieren ein charakteristisches Ausstattungselement der preußischen Kavallerieuniform in der späten Kaiserzeit. Diese Schulterklappen, die um 1910 für den Mantel gefertigt wurden, tragen die gekrönten Namenszüge “CR IX”, die für Carl Rudolph, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach IX stehen, welcher von 1877 bis 1923 regierte und als Chef des Regiments fungierte.

Das Thüringische Ulanen-Regiment Nr. 6 wurde ursprünglich 1860 als Thüringisches Husaren-Regiment Nr. 12 aufgestellt und 1867 in ein Ulanenregiment umgewandelt. Das Regiment hatte seinen Standort in Hanau, einer Stadt mit bedeutender militärischer Tradition in der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Die Garnison Hanau spielte eine wichtige strategische Rolle im militärischen Gefüge des Deutschen Kaiserreichs.

Schulterklappen waren wesentliche Bestandteile der militärischen Uniformierung und dienten mehreren Zwecken. Sie kennzeichneten die Regimentszugehörigkeit, den Rang und bei Kavallerieregimentern oft auch den Regimentschef durch spezielle Monogramme. Die hier vorliegenden Schulterklappen sind als Mantelausführung charakterisiert, was bedeutet, dass sie für das Tragen auf dem Überrock oder Mantel bestimmt waren und sich in Material und Ausführung von den Waffenrock-Schulterklappen unterschieden.

Die Gestaltung mit den gekrönten Namenszügen folgte den strengen Vorschriften der preußischen Armee-Verordnungen. Nach der Allerhöchsten Kabinetts-Order (AKO) von 1899 und nachfolgenden Bestimmungen waren die Monogramme der Regimentschefs genau definiert. Bei Ulanenregimentern, die traditionell eine besondere Stellung innerhalb der Kavallerie einnahmen, wurden diese Distinktionen mit besonderer Sorgfalt ausgeführt.

Die Ulanen selbst waren eine aus Polen stammende Kavalleriegattung, die sich durch ihre charakteristische Bewaffnung mit Lanze und ihre distinctive Uniform mit der Tschapka (polnische Kappe) auszeichneten. In der preußischen und später deutschen Armee repräsentierten Ulanenregimenter eine wichtige Komponente der leichten Kavallerie, die für Aufklärung, Verfolgung und Flankenangriffe eingesetzt wurde.

Das Regiment Nr. 6 trug die traditionellen Farben Dunkelgrün als Grundfarbe der Uniform mit gelben Abzeichen, was der thüringischen Tradition entsprach. Die Mannschaften, also die einfachen Soldaten ohne Unteroffiziers- oder Offiziersrang, trugen Schulterklappen in diesen Regimentsfarben, wobei das Material und die Ausführung dem jeweiligen Uniformteil angepasst waren.

Die Zeit um 1910 war eine Phase intensiver militärischer Modernisierung und Aufrüstung im Deutschen Kaiserreich. Unter Kaiser Wilhelm II. wurde die Armee kontinuierlich verstärkt, und die Kavallerieregimenter wurden, obwohl ihre taktische Bedeutung bereits durch moderne Waffentechnik in Frage gestellt wurde, weiterhin als prestigeträchtige Eliteeinheiten behandelt. Die Uniformvorschriften wurden regelmäßig aktualisiert, wobei traditionelle Elemente mit praktischen Erwägungen in Einklang gebracht werden mussten.

Großherzog Carl Alexander (eigentlich Carl Rudolph) von Sachsen-Weimar-Eisenach stand dem Regiment seit 1901 als Chef vor. Diese Funktion war weitgehend ehrenamtlich und symbolisch, bedeutete aber eine enge Verbindung zwischen dem Fürstenhaus und dem Regiment. Der Regimentschef nahm an wichtigen Zeremonien teil und trug selbst die Uniform des Regiments bei offiziellen Anlässen.

Die Erhaltung solcher Schulterklappen im Zustand 2 deutet auf eine gute Konservierung hin, was bei über hundert Jahre alten Textilstücken bemerkenswert ist. Für Sammler militärischer Antiquitäten und Uniformkunde sind solche Paare von Schulterklappen wertvolle Studienobjekte, da sie authentische Einblicke in die Uniformierung und das Distinktionssystem der kaiserlichen Armee bieten.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 rückte das Thüringische Ulanen-Regiment Nr. 6 ins Feld. Wie alle Kavallerieregimenter musste es sich den veränderten Bedingungen des modernen Krieges anpassen. Die traditionellen Lanciers-Taktiken waren gegen Maschinengewehre und Artillerie ineffektiv, und viele Kavalleristen wurden schließlich als Infanterie eingesetzt oder dienten in Spezialtruppen.

Nach der deutschen Niederlage 1918 und der Abdankung der Monarchien wurden die alten Kavallerieregimenter aufgelöst. Die Uniformen und Distinktionen der kaiserlichen Armee wurden zu historischen Relikten einer untergegangenen Epoche. Heute sind solche Objekte wichtige Zeugnisse der Militärgeschichte und der gesellschaftlichen Strukturen des Deutschen Kaiserreichs.

r