SS-Porzellanmanufaktur Allach Julleuchter

Ton, Höhe 22 cm, Hersteller-Marke im Boden, unbenutzt und unbeschädigt. Zustand 2+
470296
1.850,00

SS-Porzellanmanufaktur Allach Julleuchter

Der Julleuchter der SS-Porzellanmanufaktur Allach repräsentiert eines der bekanntesten Objekte nationalsozialistischer Zeremonialkultur. Diese aus Ton gefertigten Leuchter wurden ab 1939 in der SS-eigenen Manufaktur Allach bei München produziert und dienten als Ersatz für traditionelle christliche Weihnachtssymbole im Rahmen der NS-Germanisierungspolitik.

Die Porzellan-Manufaktur Allach wurde 1935 gegründet und 1936 von der SS übernommen. Unter der Leitung von Heinrich Himmler entwickelte sie sich zu einem wichtigen Produktionsbetrieb für ideologisch aufgeladene Kunstgegenstände. Der künstlerische Leiter Karl Diebitsch und der Professor Franz Nagy entwarfen zahlreiche Modelle, die germanische und nordische Symbolik mit NS-Ideologie verbanden.

Der Julleuchter sollte das christliche Weihnachtsfest durch ein vermeintlich germanisches Julfest ersetzen. Das Wort “Jul” leitet sich vom altnordischen Mittwinterfest ab, das die Nationalsozialisten für ihre Zwecke instrumentalisierten. Die typische Form des Leuchters zeigt ein stark stilisiertes Design mit zwölf Runen oder Symbolen, die die Monate des Jahres oder andere esoterische Bedeutungen repräsentieren sollten.

Die Produktion erfolgte in verschiedenen Varianten und Größen. Die Leuchter wurden hauptsächlich aus Steingut oder Ton gefertigt, wobei die Qualität je nach Produktionsjahr variierte. Die charakteristische Herstellermarke am Boden bestand aus den SS-Runen, dem Allach-Symbol und häufig einer Modellnummer. Die hier beschriebene Höhe von 22 cm entspricht einer der Standardgrößen.

Julleuchter wurden in erster Linie an SS-Angehörige ausgegeben, oft als Geschenke zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten, der Geburt von Kindern oder als Weihnachtsgabe. Sie waren Teil eines umfassenden Programms zur Schaffung einer NS-spezifischen Festkultur. In SS-Haushalten sollten sie den Mittelpunkt der Wintersonnenwendfeier bilden.

Die Verwendung erfolgte durch das Aufstellen des Leuchters mit brennenden Kerzen während der Julzeit von der Wintersonnenwende bis zum Jahreswechsel. Begleitende Rituale und Lesungen aus eigens verfassten “Weihestunden”-Texten sollten eine quasi-religiöse Atmosphäre schaffen. Diese Praktiken waren Teil der systematischen Bemühungen Himmlers, eine neue SS-Religion zu etablieren.

Die Produktion wurde während des Krieges fortgesetzt, wobei ab 1940 auch KZ-Häftlinge in der Manufaktur Allach und ihren Außenstellen zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Dies verleiht diesen Objekten eine zusätzliche dunkle historische Dimension. Die Manufaktur produzierte neben Julleuchtern auch Porzellanfiguren, Vasen und andere Dekorationsgegenstände.

Nach Kriegsende wurde die Produktion eingestellt. Heute sind Julleuchter bedeutende Studienobjekte für die Erforschung der NS-Symbolpolitik und Ideologie. Sie dokumentieren den Versuch der Nationalsozialisten, durch materielle Kultur und inszenierte Rituale eine alternative Weltanschauung zu etablieren. Unbeschädigte und unbenutzte Exemplare wie das beschriebene sind in Sammlungen selten und dienen der historisch-wissenschaftlichen Dokumentation.

Der Umgang mit solchen Objekten ist heute rechtlich geregelt. In Deutschland ist die Zurschaustellung von NS-Symbolen grundsätzlich strafbar, mit Ausnahmen für Bildung, Wissenschaft und historische Aufklärung gemäß §86a StGB. Museen und wissenschaftliche Einrichtungen bewahren solche Objekte als Zeugnisse einer verbrecherischen Ideologie auf.