v. Hindenburg - Tannenbergsieger 27.August 1939

Meissen Böttgermedaille, Durchmesser 50 mm.
Staatsakt am 27. August 1939 in Tannenberg zur Erinnerung an die Schlacht von Tannenberg im Ersten Weltkrieg.

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v. Hindenburg - Tannenbergsieger 27.August 1939

Die Böttger-Medaille zum Gedenken an den Tannenberg-Sieg vom 27. August 1939 stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Geschichtspolitik und Propagandastrategie dar. Diese von der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen gefertigte Medaille mit einem Durchmesser von 50 Millimetern wurde anlässlich eines Staatsaktes geschaffen, der am 27. August 1939 – nur wenige Tage vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs – in Tannenberg abgehalten wurde.

Die Schlacht bei Tannenberg vom 26. bis 30. August 1914 war eine der bedeutendsten militärischen Auseinandersetzungen des Ersten Weltkriegs an der Ostfront. Unter der Führung von Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff gelang es deutschen Truppen, die in Ostpreußen eingedrungene russische Narew-Armee nahezu vollständig zu vernichten. Der Sieg hatte immense symbolische Bedeutung für das Deutsche Kaiserreich und machte Hindenburg zu einer nationalen Heldengestalt.

Das Böttgersteinzeug bezeichnet eine besondere Keramikart, die nach Johann Friedrich Böttger benannt ist, dem Erfinder des europäischen Hartporzellans. Diese rotbraune, steinzeugartige Masse wurde um 1710 in Meissen entwickelt und galt als Vorläufer des weißen Porzellans. Die Verwendung dieses Materials für die Medaille verknüpfte somit deutsche Handwerkstradition mit nationalem Heldenmythos.

Der 27. August 1939 als Datum des Staatsaktes war bewusst gewählt: Er lag am 25. Jahrestag des Beginns der Schlacht bei Tannenberg. An diesem Tag fand die feierliche Umbettung der sterblichen Überreste Paul von Hindenburgs statt, der am 2. August 1934 verstorben war. Seine letzte Ruhestätte sollte im Tannenberg-Denkmal sein, einem monumentalen Ehrenmal, das zwischen 1924 und 1927 in der Nähe von Hohenstein in Ostpreußen errichtet worden war.

Das Tannenberg-Denkmal war ursprünglich als Gedenkstätte für die gefallenen deutschen Soldaten der Schlacht konzipiert worden. Es bestand aus acht mächtigen Türmen, die in einem Oktogon angeordnet waren und an mittelalterliche Wehrbauten erinnerten. Nach Hindenburgs Tod wurde es zu seinem Mausoleum umfunktioniert. Die nationalsozialistische Führung nutzte das Denkmal und die damit verbundenen Feierlichkeiten intensiv für propagandistische Zwecke.

Die Zeremonie am 27. August 1939 war von höchster staatlicher Bedeutung. In Anwesenheit von Adolf Hitler und der gesamten Führungsriege des Dritten Reiches wurde Hindenburg als Symbolfigur deutscher Militärtradition geehrt. Die Inszenierung sollte die angebliche Kontinuität zwischen dem Kaiserreich und dem NS-Regime demonstrieren und die bevorstehenden militärischen Aktionen historisch legitimieren.

Nur vier Tage nach dieser Feier, am 1. September 1939, begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Die Wahl des Datums für den Staatsakt war somit Teil der psychologischen Kriegsvorbereitung. Die Beschwörung des Tannenberg-Sieges sollte Zuversicht in die Kampfkraft der Wehrmacht wecken und an frühere “Erfolge” gegen östliche Gegner erinnern.

Die Meissener Porzellanmanufaktur, 1710 gegründet und damit die älteste Porzellanmanufaktur Europas, wurde während der NS-Zeit für die Herstellung repräsentativer Objekte herangezogen. Medaillen aus Böttgersteinzeug verbanden künstlerische Qualität mit politischer Symbolik. Die Manufaktur stellte verschiedene Ehrenmedaillen und Gedenkobjekte für staatliche Anlässe her, wobei die traditionelle Handwerkskunst in den Dienst der Propaganda gestellt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Ostpreußen größtenteils an die Sowjetunion und Polen. Das Tannenberg-Denkmal wurde 1945 von der deutschen Wehrmacht selbst gesprengt, um zu verhindern, dass es in sowjetische Hände fiel. Die sterblichen Überreste Hindenburgs waren bereits im Januar 1945 evakuiert und nach mehreren Zwischenstationen schließlich in der Elisabethkirche in Marburg beigesetzt worden, wo sie sich noch heute befinden.

Objekte wie diese Meissen-Medaille sind heute wichtige historische Quellen für die Erforschung der NS-Propaganda und der Instrumentalisierung von Geschichte. Sie dokumentieren, wie das Dritte Reich gezielt historische Ereignisse und Persönlichkeiten für seine Zwecke vereinnahmte. Die Verbindung von traditionellem Kunsthandwerk mit politischer Ikonographie zeigt die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie.

Für Sammler und Historiker stellen solche Medaillen bedeutende Zeitdokumente dar, die Einblick in die Geschichtspolitik und Selbstdarstellung des NS-Regimes gewähren. Sie mahnen zugleich zur kritischen Auseinandersetzung mit der Instrumentalisierung von Militärgeschichte und nationalen Mythen für politische Zwecke.