Die Regimentsgeschichte des 1. Westfälischen Feldartillerie-Regiments Nr. 7, die 1928 im Verlag Kolk in Berlin erschien, stellt ein bedeutendes Beispiel für die umfangreiche Tradition deutscher Regimentsgeschichtsschreibung dar. Diese Art militärhistorischer Dokumentation entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer eigenständigen literarischen Gattung und erreichte ihren Höhepunkt in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg.
Das 1. Westfälische Feldartillerie-Regiment Nr. 7 gehörte zur preußischen Armee und wurde 1816 im Zuge der Heeresreform nach den Napoleonischen Kriegen aufgestellt. Die Aufstellung erfolgte in der Tradition der preußischen Artillerie, die sich bereits unter Friedrich dem Großen einen Namen gemacht hatte. Das Regiment war in Wesel stationiert, einer strategisch wichtigen Festungsstadt am Niederrhein, und rekrutierte seine Mannschaften hauptsächlich aus Westfalen.
Die Bedeutung solcher Regimentsgeschichten liegt nicht nur in ihrer militärhistorischen Dokumentation, sondern auch in ihrer Funktion als Identitätsstifter und Traditionsträger. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Auflösung der kaiserlichen Armee durch den Versailler Vertrag 1919 nahmen diese Publikationen eine besondere Rolle ein: Sie bewahrten die Erinnerung an die aufgelösten Verbände und dienten den Veteranen als Bindeglied zu ihrer militärischen Vergangenheit.
Das vorliegende Werk umfasst die gesamte Geschichte des Regiments von seiner Gründung 1816 bis zu seiner Auflösung 1919, also über ein Jahrhundert preußisch-deutscher Militärgeschichte. Die Zeitspanne umfasst bedeutende historische Ereignisse wie die deutschen Einigungskriege (1864-1871), die Friedenszeit des Kaiserreichs und den Ersten Weltkrieg (1914-1918). Die Feldartillerie spielte in all diesen Konflikten eine entscheidende Rolle, besonders im Ersten Weltkrieg, wo die Artillerie zur dominierenden Waffengattung wurde.
Die Publikation basiert auf amtlichen Unterlagen und Berichten von Mitkämpfern, was für Regimentsgeschichten dieser Zeit charakteristisch war. Die Verwendung offizieller Dokumente aus Kriegstagebüchern, Gefechtsberichten und Verwaltungsakten verlieh diesen Werken einen quasi-offiziellen Charakter. Die Ergänzung durch persönliche Berichte von Veteranen fügte eine menschliche Dimension hinzu und machte die Darstellung lebendiger.
Mit 23 Karten, 49 Abbildungen und 12 Zeichnungen von E. R. Döbrich-Steglitz ist das Werk reich illustriert. Die Kartenbeilagen waren für das Verständnis der taktischen und operativen Abläufe unerlässlich, während die Abbildungen typischerweise Uniformen, Ausrüstung, Offiziere, Mannschaften und wichtige Ereignisse darstellten. Der Künstler Döbrich-Steglitz war einer von vielen Illustratoren, die sich auf militärhistorische Darstellungen spezialisiert hatten.
Der Verlag Kolk in Berlin war in den 1920er Jahren einer von mehreren Verlagen, die sich auf militärhistorische Literatur spezialisiert hatten. Die Nachfrage nach solchen Werken war in der Weimarer Republik beträchtlich, da die aufgelösten Regimenter ihre Geschichte dokumentiert sehen wollten und Veteranen nach Erinnerungsstücken suchten.
Die Ausstattung als Ganzleineneinband war für repräsentative Ausgaben dieser Art üblich. Solche Bücher wurden häufig von ehemaligen Regimentsangehörigen erworben und in Ehren gehalten. Sie fanden ihren Platz in privaten Bibliotheken ebenso wie in Offiziersmessen und militärhistorischen Sammlungen.
Aus heutiger Sicht sind diese Regimentsgeschichten wichtige primäre Quellen für die Militärgeschichtsforschung. Sie bieten detaillierte Einblicke in Organisation, Ausbildung, Einsatz und Alltag militärischer Verbände. Gleichzeitig müssen sie quellenkritisch betrachtet werden, da sie oft eine glorifizierende Perspektive einnehmen und die Schrecken des Krieges sowie kritische Aspekte militärischer Operationen tendenziell ausblenden.
Die Feldartillerie, der das Regiment angehörte, durchlief zwischen 1816 und 1919 eine dramatische technologische Entwicklung. Von den glatten Vorderladergeschützen der napoleonischen Ära über die gezogenen Hinterlader der 1860er Jahre bis zu den modernen Schnellfeuerkanonen und schweren Haubitzen des Ersten Weltkriegs veränderte sich die Waffengattung fundamental. Diese technische Evolution spiegelt sich in den Regimentsgeschichten wider.
Zusammenfassend repräsentiert diese Regimentsgeschichte ein wichtiges Genre der deutschen Militärliteratur der Zwischenkriegszeit. Sie dokumentiert nicht nur die Geschichte eines einzelnen Verbandes, sondern gibt auch Einblick in die größeren Entwicklungen der preußisch-deutschen Militärgeschichte über mehr als ein Jahrhundert hinweg.